Erster Feinstaubsensor in Waiblingen am Start

Jetzt ist es so weit, der erste Sensor, der Feinstaubwerte für Waiblingen ermittelt, ist installiert. Im Rahmen des Luftdatenprojekts des Stuttgarter OK Lab wurden gestern insgesamt 14 Sensoren zusammengebaut. Nach und nach werden diese jetzt in der interaktiven Karte auftauchen. Wer sich aktuell informieren will, geht auf waiblingen.maps.luftdaten.info

 

Frank Riedel, der den Workshop für uns durchführte, berichtet auf seinem Blog: https://riedelwerk.wordpress.com/2017/03/23/843-feinstaub-vortrag-und-basteln-in-waiblingen/

Danke Frank! Das war wirklich ein gelungener Abend.

Der Nordostring löst keine Verkehrsprobleme

Am 21.12.2016, hat  der Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart (VRS) über den neuen Regionalverkehrsplan beraten. Darin ist wieder mal auch der Nordostring enthalten. Im letzten Herbst wurde der Nordostring wieder als Planung des weiteren Bedarfs in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Und nun soll sogar gutachterlich festgestellt worden sein, dass der Nordostring die Stuttgarter Innenstadt spürbar von Verkehr und Abgasen entlasten würde.

 

Infostand und Infoabend

Jeder kann sich informieren und mit einer Stellungnahme an den Verband Region Stuttgart aktiv werden:

  • Am Samstag, 1. April bietet sich die Gelegenheit vorbereitete Stellungnahmen zu unterschreiben, Alternative Liste (ALi) und ARGE Nord-Ost e.V. sind von 9.30 – 13 Uhr mit einem Infostand auf dem Wochenmarkt vertreten.
  • Am Mittwoch, 5. April um 20 Uhr veranstaltet die SPD Waiblingen im Schlosskeller unter dem Rathausplatz in Waibingen einen Infoabend zum Thema „Ist der Nord-Ist-Ring wirklich die feine Lösung für zukunftssichere Verkehrsplanung?“. Als Experten spreichen Joseph Michl, Voristzender der ARGE Nord-Ost, Harald Raß, Stadtrat in Fellbach und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Regionalparlament und Klaus Riedel, SPD-Kreisrat.

Und das spricht gegen den Nord-Ost-Ring:

Angebliche Entlastung des Talkessels stammt von Filderauffahrt – nicht vom Nordostring

Hierzu schreibt Joseph Michl, Vorsitzender der ARGE Nord-Ost e.V. (ARGE): „Offensichtlich haben sich die
Befürworter die Unterlagen des VRS nicht genau angeschaut. Die angenommene positive Wirkung zur Lösung des Stuttgarter Feinstaubproblems im Talkessel und besonders an den Luftschadstoff-Brennpunkten Hohenheimer Straße und Neckartor hat nichts mit dem Nordostring zu tun. Sie beruht ausschließlich auf der von den Gutachtern behaupteten Wirkung einer B14 Filderauffahrt, die einen 7 km langen Tunnel beinhaltet, und die in Kombination mit dem Nordostring unterstellt wird.“

Diese Filderauffahrt wäre sehr teuer, sie soll nach Schätzung des VRS 400 Millionen Euro kosten. Da sie auch nicht im Bundesverkehrswegeplan enthalten ist, ist der Bau der Filderauffahrt illusionär, zumindest für die nächsten 15 Jahre.

Zudem gehen die Gutachter bei ihrer Prognose davon aus, dass die Abgase, die durch den enormen Verkehr in dem Tunnel der Filderauffahrt entstünden (ca. 65.000 Kfz/24h), aufwendig mit Tunnel-Abgasfiltern (!) gereinigt würden. Wie u.a. der Einhorn-Tunnel in Schwäbisch Gmünd zeigt, ist von Tunnelfiltern in Deutschland jeweils nur im Vorfeld von Tunnelplanungen die Rede. „Tatsächlich gibt es unseres Wissens keinen einzigen Straßentunnel in Deutschland mit Tunnel-Abgasfiltern“ so Michl.

Mit dem Nordostring allein aber wäre selbst nach den zweifelhaften Zahlen der Region so gut wie keine Entlastung der Abgas-geplagten Stuttgarter Innenstadt verbunden. Hierzu Joseph Michl: „Dass die Befürworter des Nordostrings diesen jetzt als großen Befreiungsschlag für die Stuttgarter Luftbelastungsprobleme präsentieren, ist sachlich nicht gerechtfertigt. An der Tatsache, dass der Nordostring kein Beitrag zur Lösung der Stuttgarter Luftprobleme ist, hat sich nichts geändert.“

 

Die Gutachten des VRS sind fehlerhaft

Wenig vertrauensbildend ist nach Ansicht der Verkehrsfachleute der ARGE, dass viele Gutachten für den Regionalverkehrsplan aus demselben Büro stammen, das auch bei der Erstellung der grob fehlerhaften Datengrundlagen für den Bundesverkehrswegeplan beteiligt war. Das Land Baden-Württemberg, beteiligte Kommunen, Umweltverbände und nicht zuletzt auch die ARGE Nord-Ost e.V. hatten im Rahmen der Anhörung auf massive Fehler hingewiesen. Leider vergeblich, korrigiert wurde nichts, sondern der fehlerhafte Bundesverkehrswegeplan im Bundestag als Gesetz beschlossen.

Bei der ARGE hat man sich die Unterlagen zum Regionalverkehrsplan daher genauer angesehen. Doch schon beim ersten Blick auf den Maßnahmensteckbrief zum Nordostring (Regionalverkehrsplan Anhang 4, s. Anlage) fallen wieder Fehler auf: So soll der 3-spurige Nordostring 14,03 km lang sein, der 4-spurige aber nur 9,05 km. Beim Bundesverkehrswegeplan gingen dieselben Gutachter noch von 11,5 km Länge aus.

Und während die Gutachter beim Regionalverkehrsplan von 1,229 Millionen eingesparten Pkw-Stunden je Jahr durch den Nordostring ausgehen, waren es bei den Berechnungen für den Bundesverkehrswegeplan 5,41 Millionen Pkw-Stunden je Jahr.

Was stimmt denn nun? Da kann man wenig Zutrauen aufbringen, dass die restlichen Zahlen im Regionalverkehrsplan stimmen. Die grafische Darstellung beim Maßnahmensteckbrief geht offensichtlich auch davon aus, dass der Nordostring bei der Waiblinger Westumfahrung endet, was zumindest Zweifel nährt, ob die Gutachter eine richtige Vorstellung vom untersuchten Nordostring haben oder ob nicht schon deshalb falsch gerechnet wird.

Bei den Berechnungen der Verkehrszahlen fällt weiterhin auf, dass die stark befahrene Waiblinger Westumfahrung von den Gutachtern schlichtweg vergessen wurde. Diese Straße liegt direkt im Plangebiet des Nordostrings und hat einen erheblichen Einfluss auf das dortige Verkehrsgeschehen.

 

VRS hält Gutachten zurück

Die Verkehrsexperten der ARGE gehen davon aus, dass die Gutachten noch weitere schwerwiegende Fehler enthalten. Überprüfen lässt sich das alles nicht, da der VRS die zugrundeliegenden Gutachten des Regionalplans größtenteils nicht veröffentlicht. Die ARGE und auch der Landesnaturschutzverband hatten sie schon mehrfach vergeblich nachgefragt. Nach Auskunft des VRS sind sie noch nicht fertig bzw. müssen Anfang nächsten Jahres zuerst den Regionalräten vorgelegt werden, bevor sie veröffentlicht werden können. Dadurch bleibt vieles im Vagen und ist nicht überprüfbar.

 

OB Hesky informiert Bürger nicht korrekt – Es wird keinen zweispurigen Nordostring geben

Der Waiblinger OB und Regionalrat Andreas Hesky vertritt öffentlich die Meinung, Waiblingen wolle nur einen 2-spurigen Nordostring. Er müsste aber wissen, dass es keinen zweispurigen Nordostring gibt. Dieser ist und bleibt mindestens 4-spurig und Autobahn ähnlich. So steht es im Bundesverkehrswegeplan, und etwas anderes ließe angesichts der enormen Verkehrszahlen, die für den Nordostring prognostiziert werden, keine Planungsrichtlinie zu. Wenn der Waiblinger OB daher den Bau des Nordostrings fordert, redet er damit stets einer 4- oder 6-spurigen, stark befahrenen Autobahn unmittelbar vor den Toren seiner Stadt das Wort.

 

Der Nordostring löst keine Verkehrsprobleme in der Kernregion, sondern schafft neue

Der Nordostring zieht zum einen weiträumig motorisierten Verkehr in die Kernregion des Ballungsraums Stuttgart, zum anderen erhöht er die Verkehrsnachfrage. Er vergrößert damit das motorisierte Verkehrsaufkommen in der Kernregion. Dieser Zusatzverkehr trifft dort auf ein Straßennetz, das bereits jetzt schon zeitweise bis zum Limit belastet ist. Zwangsläufig wird es dadurch zu einer Zunahme der Staus im Umfeld des Nordostrings kommen. Das ist genau das Gegenteil dessen, was die Kernregion Stuttgart braucht. Diese negativen Auswirkungen sind dabei völlig unabhängig davon, ob ein Nordostring als Tunnel oder oberirdisch gebaut wird.

 

Natur und Umwelt blieben beim Nordostring auf der Strecke

Bei aller notwendigen Diskussion über die verkehrlichen Auswirkungen darf nicht übersehen werden, dass der Nordostring nach wie vor mit ganz erheblichen Eingriffen in wertvolle Freiflächen auf dem Langen Feld, der Büchenau und dem Schmidener Feld verbunden wäre. Der Nordostring würde den Wert dieser Freiflächen für die Erholung, die Landwirtschaft und die Natur spürbar reduzieren. Dies ist völlig unbestritten.

Die durch den Nordostring verursachten Schäden stehen nach Ansicht der ARGE in keinerlei vertretbarem Verhältnis zu den fragwürdigen verkehrlichen Vorteilen.

 

Mehr öffentlicher Verkehr hält die Region mobil

Es gehört zur vorrangigen Aufgaben des VRS, für einen funktionierenden ÖV zu sorgen. Straßenplanungen sind hingegen nicht Aufgabe des Regionalverbandes. „Wer die Region mobil halten will, kommt an wesentlichen Verbesserungen beim öffentlichen Verkehr (ÖV) nicht vorbei“, bekräftigt die ARGE Nord-Ost.

Heute aber vergeht praktisch kein Werktag ohne Zugausfälle und S-Bahn-Chaos. Dar aktuelle Zustand der S-Bahn ist derart beklagenswert, dass viele Pendler wieder auf das Auto umsteigen.

Die ARGE möchte den VRS daher ermuntern, sich zukünftig mit noch mehr Kraft um seine eigentliche Kernaufgabe, eine funktionierende S-Bahn in der Region Stuttgart, zu kümmern. Es ist dringend notwendig, die S-Bahn wieder in einen zuverlässig benutzbaren Zustand zu versetzen. Daneben sollten auch Linienverlängerungen und auch neue Linien (bsp. Schorndorf – Waiblingen – Remseck – Ludwigsburg – Markgröningen) möglichst rasch geplant und umgesetzt werden.

Die Planung von Bundesstraßen kann der VRS nach Meinung der ARGE dagegen ruhigen Gewissens bei Bund und Land belassen.

 

Schafft Natur Kunst?

von Klaus Riedel

Im Rahmen des Projekts „Natur schafft Kunst“ wurde 1995 die „Kapelle für einen sterbenden Baum“ in der Talaue geschaffen. Über zwanzig Jahre hat die Natur also weiterhin Kunst geschaffen und – entsprechend der jeweiligen Jahreszeit – erhalten. Ganz im Sinne des Projektes.

Die Kapelle für einen sterbenden Baum im Juli 2016 Fotos: Jürgen Blocher

Nagte nun wirklich der Zahn der Zeit an der Kapelle? War sie der Kunstlichtung im Weg? Wann und wo wurde von einer „Integration“ der Kapelle in die Kunstlichtung gesprochen bzw. geschrieben? Fragen, auf die es kurze, klare Antworten gibt.

Bis heute hatte es die Natur geschafft, das Objekt zu erhalten. Die Bilder aus dem Sommer 2016 zeigen diese wunderbare Kraft der Natur. Je nach Jahreszeit sah die Kapelle anders aus. Ganz nach dem Motto, „Natur schafft Kunst“. Von Integration in die Kunstlichtung war meines Wissens nie die Rede. Führte erst die Verschiebung der Kunstlichtung zur Kollision? Ohne genaue Kenntnisse entsorgte dann die Gartenbaufirma die „Kapelle“. Sie war nicht einsturzgefährdet. Im Gegenteil. Die Vegetation hätte auch in diesem Jahr und in den folgenden Jahren für ihr Leben gesorgt.

Ingo von Pollern hat Recht, wenn er es so kommentiert: “Das hätte nicht passieren dürfen“. Auch der Ärger von Alfonso Fazio ist nachvollziehbar. Die Kritik an Kunstlichtung und Vorgehensweise wird bleiben.

Doch nun hat sich wunderbar gefügt, dass dem „Künstler des Vergänglichen“ offenbar gleich wieder ein neuer Auftrag zuteil wird. Da können wir doch alle zufrieden und beruhigt sein. Ganz nach dem Motto: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!“.

 

Und so sieht das Gelände im März 2017 aus:

 

Ist das Kunst oder kann das weg?

von Peggy Wagner

Die Bauarbeiten in der Talaue für die Kunstlichtung im Rahmen der Remstalgartenschau haben begonnen. Da mein Balkon direkt über dem Fußweg am Remsufer gegenüber der Baustelle liegt, konnte ich Zeugin der Kommentare einiger Spaziergänger/- innen werden. So sagte eine ältere Dame: „Jo, weils soo saudeier wird, hods hald für schee nemme glangt!“ Ihre Begleiterin sagte dazu: „Genau, ond weil se bei dr Stadt glei gwist hend, dass des a Geldgrab geid, sieht‘s au aus wie a Friedhof.“ Mit einem Lächeln auf den Lippen lauschte ich den Ausführungen einer jungen Mutter mit ihrer Tochter. Sie erklärte, dass hier im letzten Krieg ganz viele Leute gestorben seien bei einer großen Schlacht, und damit man die nicht vergisst bekommen die jetzt auch einen Friedhof wie beim Opa. Ich fragte mich, ob ich da vielleicht etwas in Geschichte verpasst habe, als zwei ältere Herren vorbeigingen und der eine sagte: „Wenn de do a Grab kaufschd, ko dr Todagräbr dr glei no an Taucherazug nufschwätza, em Fall dass Hochwasser kommt.“ Ich musste mich sehr anstrengen, um nicht laut loszuprusten. Zwei Joggerinnen mit ihren Hunden witzelten, Blinkhalsbändchen um einen der neuen Bäume machen zu müssen, damit die sich die Hunde beim Beinchenheben nicht verlaufen.

Zugegeben, das alte schwäbische Sprichwort mag manchmal stimmen und man soll einen Ochsen kein unfertiges Werk sehen lassen, aber für mich ist die Kunstlichtung definitiv keine Kunst und kann gerne wieder weg!

Kunst mag im Auge des Betrachters liegen, aber im vorliegenden ward der Kunstsinn vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen. Hätten die Planer sich etwas in der Kunst gebildet, der sie hier eine Stätte schaffen wollten, wäre eine simple Wildblumensamenmischung auszubringen ein cleverer Kunstgriff gewesen, mit dem Ergebnis, dass sich den Besuchern der Gartenschau eine Landschaft geboten hätte, wie selbst ein Claude Monet sie nicht schöner hätte malen können. Aber das hätte die Kunst der Erkenntnis erfordert, dass schön nicht teuer sein muss und dass letzten Endes nichts so schön sein kann wie die Natur, wenn der Mensch es unterlässt sie zu verschlimmbessern. Doch leider wurde nicht der Entwurf zur Kunstlichtung zu Grabe getragen, sondern auf dem neuen Talauenfriedhof unsere Steuergelder mitsamt dem Kunstgeist, der Vernunft und der schwäbischen Weisheit. Es bleibt nur die Hoffnung, dass die Natur mit schöpferischer Kunst ihre Talaue zurückerobert  – em Fall dass a Hochwasser kommt.

 

Baubeginn in der Talaue

Jetzt wird’s ernst.
Die ca. 220 Pflöcke für die Bäume sind bereits gesetzt.
Das Bild entstand am 08.03.2017

Von den für die Kunstlichtung veranschlagten 540.000 Euro übernimmt übrigens die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung mindestens 300.000 Euro. Wen wundert es da noch, dass die Lichtung in Form des Grundrisses der Galerie Stihl Waiblingen gepflanzt wird?

Nachtrag:


Oh Schreck! Nichts ist ihnen heilig.
Die Kapelle für einen sterbenden Baum, die Helmut Stromsky 1995 im Zuge der Landeskunstwochen geschaffen hat, wurde heute im Rahmen der Baumaßnahmen für die Kunstlichtung entfernt. Auf Nachfrage beim Bauleiter der Firma Link mit Genehmigung der Stadt.

Die Stadtverwaltung spricht in ihrer Pressemitteilung vom Zahn der Zeit, der an dem Kunstwerk genagt habe. Die Standfestigkeit sei nicht mehr gegeben gewesen.

 

Dazu merkt Gerhard Kiunke aus Wailbingen an:

Sehr geehrter Herr Andreas Hesky

Kein guter Start für die unnötige Kunstlichtung.
Wieso kommt die Wahrheit nur auf Nachfrage und auch nur auf Nachfragen von Bürgern zutage? Und dann wieder nur scheibchenweise.
Es ist schon ein riesiger Unterschied, ob man lediglich sagt: „ die Standfestigkeit war nicht mehr gegeben“ oder „das Kunstwerk wurde bei den Bauarbeiten für die Kunstlichtung beschädigt, verlor dadurch seine Standfestigkeit und wurde beseitigt.

Wieso stellt man die Standfestigkeit nicht wieder her?
Wenn etwas beschädigt wird könnte derjenige auch dafür sorgen, dass es wieder in Ordnung gebracht wird.
Wer ist in diesem Fall verantwortlich?
Auch wenn Sie laut und deutlich betonen, dass dieses Naturkunstwerk nicht wegen der Kunstlichtung beseitigt wurde – ein Geschmäckle bleibt.

 

Abbruchhäuser – gelebtes Leben

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Unser Nachbarhaus musste einem Neubau weichen. Im Badezimmer ist derzeit Tag der offenen Tür.

März 2017, Iris Förster

Geschichten, die das Leben schrieb. Was hat sich wohl hinter den Wänden abgespielt bevor die Bewohner ausgezogen sind? Das Badezimmer ist doch eigentlich ein intimer Ort, hier wird alles öffentlich gemacht, indem die Wände eingerissen werden.

Auf anderen Bildern fehlt das schützende Dach, das Fachwerk ist entbeint, lediglich die beiden Fenster im Dachgeschoss schauen wie zwei Augen in die Nachbarschaft.
Schon lange faszinieren mich Abbruchhäuser. Hier eine Auswahl meiner Bilder aus Waiblingen zu sehen.

 

 

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Rückbau vor Abbruch

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Ehemalige Waiblinger Stadtgärtnerei. Heute steht an dieser Stelle das Mehrgenerationenhaus WoGe

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Abbruch in der Karlstraße

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Das alte Waiblinger Krankenhaus wird dem Erdboden gleich gemacht.

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Abbrucharbeiten am Waiblinger Krankenhaus

Wer braucht so ein pseudo-begrüntes Hochhaus?

Wenn schon ein Hochhaus auf der Korber Höhe, dann muss es ein begrüntes sein. So lautete der Beschluss, den die Mitglieder des Planungsausschusses des Waiblinger Gemeinderats im Januar 2016 einstimmig gefällt hatten. Der knapp 60 Meter hohe „grüne Daumen“, an dessen Fassaden Bäume, Sträucher, Stauden und Bodendecker wachsen und für ein gutes Mikroklima sowie Sonnenschutz sorgen, soll auf einem städtischen Grundstück im Wohngebiet Korber Höhe entstehen. Das 4700 Quadratmeter große Areal war vor vielen Jahren als Standort für einen Wohnturm vorgesehen worden – gebaut wurde bislang aber nichts.

Ende April hatte die Stadtverwaltung das Grundstück in regionalen und überregionalen Zeitungen ausgeschrieben, neun Bewerbungen waren eingegangen. Jetzt gab es Misstöne im Waiblinger Gemeinderat wegen des grünen Hochhauses: Dass die Verwaltung einen Investor zum Favoriten erklärt hatte, stieß manchen Räten sauer auf. Nun ist ein Zweitbewerber wieder im Rennen- und die Entscheidung erstmal vertagt. Anlass für Korber-Höhe-Bewohner Karl Hussinger, dazu grundsätzlich Stellung zu nehmen:

So ähnlich könnte der „grüne Daumen“ aussehen. Hier der Entwurf der Architekten Steinhoff/Haehnel mit der GSG Gruppe Stuttgart als Investor.

So ähnlich könnte der „grüne Daumen“ aussehen.
Hier der Entwurf der Architekten Steinhoff/Haehnel mit der GSG Gruppe Stuttgart als Investor.

 

Herr Kasper (CDU) hat recht mit seinen Bedenken bzgl. des „Grünen Hochhauses“. Ein solcher Bau ist mit hohen Risiken verbunden, und so ist es mehr als verständlich, von den Investoren Sicherheiten zu verlangen.
Schauen wir uns die Fakten an:
1. Die Korber Höhe gilt  in Waiblingen nicht als bevorzugtes Wohnviertel. Das sieht die Stadt wohl auch so – wie wäre es sonst zu erklären, dass der Grundstückspreis für den Investor  deutlich unter den Empfehlungen des Immobilienspiegel der KSK liegt?
 2. Die Lage des Hochhaus ist wahrlich „einzigartig“. Wer eine Nord/Ost Wohnung erwirbt, genießt einen wunderbaren Ausblick auf die nur wenige 100 Meter entfernten Hochspannungsleitungen und eine Bundesfernstraße. Macht er das Fenster auf, spürt er das Knistern der Leitungen und  genießt das Rauschen der B14. Der mittlere Quadratmeterpreis für den Wohnungskäufer wurde mit 5750€ benannt. Teure Aufzüge, aufwendige Haustechnik und Grün-Pflege werden die Nebenkosten sicher nicht günstig machen.
3. Aber auch für die Bürger Waiblinges gibt es Risiken – denn über die Umbaukosten des Heizkraftwerk soll erst noch mit dem potentiellen Investor gesprochen werden. Trotzdem zaubert der OB eine Zahl für den Umbau der Kamine aus dem Hut. 100.000€ soll dies kosten. Aber benötigt eine solche Kamin-Rohrverlegung, erst waagrecht, dann senkrecht, nicht auch noch ein Saugzuggebläse, Installationsräume und entsprechende Technik? Allein der Nettowohnflächenverlust über 19 Stockwerke würde den Investor mehr als 100.000€ „kosten“. Erfahrungsgemäß versuchen Investoren solche Kosten auf die Allgemeinheit – hier Stadtwerke und Verbraucher – abzuwälzen
Deshalb war es richtig, nicht nur mit einem Investor zu verhandeln. Wer aber braucht ein solch pseudo-begrüntes Hochhaus? Es ist weder ökonomisch noch ökologisch und schon gar nicht sozial. Es ist einfach nur unnötig.
Noch ein Wort zur SPD: Sie sollte in ihren alten Parteiprogrammen blättern, dort würde sie Begriffe wir „Gemeinnütziger Wohnungsbau“ finden. Vielleicht würde sie sich dann erinnern, wer ihre Stammwähler waren.
 
Karl Hussinger