Bildung und Industrie 4.0

Grüner Stammtisch zum Thema Bildung

Welf Schröter, Autor und Leiter des Personennetzwerkes „forum Soziale Technikgestaltung“ war am Montag, 29. Februar auf Einladung des OV Waiblingen von Bündnis 90/Die Grünen zu Gast im Grünen Büro in Waiblingen.

Er sprach über einen notwendigen Wandel des Bildungsbegriffs angesichts der industriellen Entwicklungen und zeigte die Zukunft der Arbeit im Zuge von Industrie 4.0 auf. Einführend erläuterte Schröter die veränderten Bedingungen in der Aribetswelt: Im letzten Jahrhundert hatte Arbeit ihren Ort, ihre Zeit und ihre Verfasstheit. Heute brauchen wir eine grundsätzlich neue Lernkultur für den Umgang mit erweiterter Abstraktion und Komplexität. War Bildung bislang auf Bewerten und Urteilen ausgerichtet, brauchen wir heute einen völlig anderen Lernansatz. Es geht heutzutage nicht mehr um Anpassungsqualifikationen sondern um das Durchdringen komplexer Vorgänge, die mit einer Loslösung von Mensch und Materie einhergehen. Dabei könnten wir in der Entwicklung neuer Ansätze in der Didaktik durchaus auf die Ergebnisse der Chaosforschung im ausgehenden 20. Jahrhundert zurückgreifen. Doch weder in den gesellschaftlichen Debatten noch in den angestoßenen politischen Projekten ist es bislang zu einem Umdenken gekommen.

In der sich anschließenden Diskussion herrscht unter den Zuhörern Uneinigkeit, ob die sogenannten „digital natives“ sich mit der Komplexität der Arbeit leichter tun als die Generation, die den Wandel von einer Materienbezogenheit hin zur Virtualität noch miterlebt hat oder ob es gerade die Haptik und das Durchdringen der Materie braucht, um virtuelle Prozesse zu „begreifen“.

Welf Schröter formuliert eine eingängige These: Nach der Automatisierung der Maschinen in der der Werkstatt und in der Werkhalle beginnt nun die Auomatisierung des virtuellen Arbeits- und Geschäftsraumes. Es kommt zu einer zentralen Veränderung der Arbeit: Das Produkt steuert die Produktion und den Menschen. Für diejenigen Menschen, die durch gute Bildung auf die neuen Herausforderungen vorbereitet wurden, ergibt sich die Möglichkeit einer Neuverortung in der digitalen Arbeitsgesellschaft, was zu einer Neuorientierung und Selbstvergewisserung führen kann. All jene, die das Lernen von Komplexität nicht bewältigen, stehen vor der neuen Arbeitswelt ohne sie zu verstehen. Damit fehlt es an Identität mit der Arbeit, was leicht zu Frust und schlimmstenfalls zu einer Spaltung der Gesellschaft führen kann.

Den ZuhörerInnen bot sich ein unterhaltsamer und informativer Abend, der den großen Entwicklungsbedarf in der Pädagogik sowie in der Bildungspolitik aufzeigt. Welf Schröter kann getrost als Vordenker einer sich ändernden Arbeitswelt bezeichnet werden.

Mehr Infos zu diesem durchaus spannenden Thema finden sich hier: www.forum-soziale-technikgestaltung.de

 

Iris Förster, 2.3.2016

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