Kunstlichtungswahnsinn

27.09.2016, Iris Förster

Die für die Gartenschau 2019 angedachte Kunstlichtung entpuppt sich immer wieder als riesengroßes Ärgernis. Die Ideen der Planer haben wenig mit der Realität und natürlichem Baumwuchs zu tun. Im Gegenteil: Es geht darum, mitten auf einer freien Wiese Bäume zu pflanzen, um eine Lichtung zu erzeugen. Schilda liegt offensichtlich ganz nah bei Waiblingen.

Bruno Lorinser vom NABU Waiblingen verdeutlicht auf einer Zusammenstellung, was es heißt, 225 Silberweiden auf die vorhandene Fläche zu verteilen.

plan-1Die im Plan hellgrün markierte Fläche
steht für die Kunstlichtung theoretisch zur Verfügung.
Sie umfasst ohne die Streuobstbäume,
die auf die ehemalige Remsschlinge gepflanzt wurden,
eine Fläche von 2,86 ha.

 

 

Nach den Ideen der Gartenschau-Planer wird die Wiese mit Bäumen bepflanzt, in deren Mitte eine Lichtung entsteht, die für kulturelle Events genutzt werden kann.

plan-2plan-3

 

Zur Pflanzung vorgesehen sind hier Silberweiden.
Allerdings nicht in ihrer natürlichen buschigen Wuchsform sondern als Hochstammbäume mit hohem pflegerischen Aufwand.

Das Ergebnis sieht dann im Plan so aus:

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Allerdings hat eine ausgewachsene Silberweide einen Durchmesser von 14-15 m, das macht einen Flächenbedarf pro Baum von 153 m² (abgerundet).

Bei 225 Bäumen bräuchte man also mindestens eine Fläche von 3,44 ha. Das unten stehende Bild verdeutlicht dies.
Wir bekommen also in den folgenden Jahren keinesfalls einen lichtdurchfluteten Baumring, wie die oben stehende Skizze glauben machen will, sondern einen dichten Wald anstelle einer schönen weiten Wiese.

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Fazit: Die Ideen der Gartenschauplaner liegen fernab jeglicher Realität und erfordern zudem in den Folgejahren einen hohen pflegerischen Aufwand.

Ich frage mich: Ist dieser Wahnsinn noch zu stoppen? Eine Möglichkeit dazu bietet immerhin die Online-Petition, zu der dieser Link führt:

https://weact.campact.de/petitions/unsinnige-remstalgartenschau-ideen-der-stadt-waiblingen-stoppen

 

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Der NABU schreibt an die Waiblinger Gemeinderäte

Sehr geehrte Damen und Herren Gemeinderäte/innen,

der NABU Waiblingen e.V. möchte Sie mit diesem persönlichen Schreiben auf offensichtliche Fehlentwicklungen im Zusammenhang mit der geplanten Remstalgartenschau im Jahr 2019 aufmerksam machen.
Die Planung sieht u.a. vor, dass eine sogenannte Kunstlichtung als ein zentrales Element dieser Veranstaltung in Waiblingen angelegt wird. Sie haben wahrscheinlich erfahren, dass sich der NABU Waiblingen schon seit geraumer Zeit kritisch mit diesem Thema auseinandersetzt. Wir bekommen zu dieser Kritik sehr viel positive Resonanz aus der Bürgerschaft. Das hat uns in dieser Intensität überrascht und verpflichtet uns als einen der größten Waiblinger Vereine überhaupt zu konstruktiver Kritik.
Ganz besonders kritisch sehen wir dabei das Thema Kunstlichtung. Hier wird eine wohltuende, weite Talwiese einer sehr künstlichen Planeridee geopfert, indem Hunderte von Silberweiden- Hochstämme gepflanzt werden sollen. Möglicherweise als künftiger Veranstaltungsort für Lesungen und andere Events.
In der diesem Schreiben beiliegenden kleinen Präsentation ist zu erkennen, dass die von dem Planungsbüro Lenzen konzipierte Planung vollkommen unrealistisch ist. Die gesamte Fläche der betreffenden Wiese in der Talaue ist gar nicht ausreichend, selbst wenn man alle vorhandenen Streuobstbäume der ehemaligen Remsschlinge fällen würde, um das vorgeschlagene Konzept umzusetzen. Die ist ein Hinweis darauf, dass die Planung ohne Bezug zur Realität und ohne konkrete Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit vor Ort entstanden ist. Das führt den Vorschlag Kunstlichtung ganz von allein ad Absurdum, ganz abgesehen von den weiteren Folgen solch einer Anlage und Pflanzung: kostenintensiver Betrieb bei Veranstaltungen, aufwendiger jährlicher Baumschnitt um die gewünschte Hochstammform zu sichern, große zusätzliche Pflegefläche für das Gartenamt, da eine landwirtschaftliche Bewirtschaftung ja nicht mehr möglich ist.
Viele Bürger äußern uns gegenüber ihr Unverständnis darüber, dass für die Veranstaltung über 5,5 Mio. € öffentlicher Mittel ausgegeben werden sollen, ohne dass es dafür einen erkennbaren dauerhaften und nachhaltigen Mehrwert für die Bürger und die Natur geben wird. Eine Gartenschau heute muss durchgehend als nachhaltige Veranstaltung konzipiert sein. In einem Umfeld wie der Talaue kann das nur bedeuten, dass die vorhandenen positiven Merkmale aufgewertet und ein dauerhafter Mehrwert zugunsten der Artenvielfalt und des Erlebniswertes geschaffen werden.
Wir würden uns wünschen, dass es für das Thema Gartenschau einen positiven Neustart geben würde. Daher möchten wir Sie bitten, die bisherigen Konzepte hinsichtlich ihrer Stimmigkeit, Nachhaltigkeit, des Kosten-Nutzen-Aspekts nochmals zu überprüfen und die entsprechenden Beschlüsse für die Chance zu einer weiteren konzeptionellen Runde zu stornieren.

Bruno Lorinser, NABU Waiblingen