Der NABU schreibt an die Waiblinger Gemeinderäte

Sehr geehrte Damen und Herren Gemeinderäte/innen,

der NABU Waiblingen e.V. möchte Sie mit diesem persönlichen Schreiben auf offensichtliche Fehlentwicklungen im Zusammenhang mit der geplanten Remstalgartenschau im Jahr 2019 aufmerksam machen.
Die Planung sieht u.a. vor, dass eine sogenannte Kunstlichtung als ein zentrales Element dieser Veranstaltung in Waiblingen angelegt wird. Sie haben wahrscheinlich erfahren, dass sich der NABU Waiblingen schon seit geraumer Zeit kritisch mit diesem Thema auseinandersetzt. Wir bekommen zu dieser Kritik sehr viel positive Resonanz aus der Bürgerschaft. Das hat uns in dieser Intensität überrascht und verpflichtet uns als einen der größten Waiblinger Vereine überhaupt zu konstruktiver Kritik.
Ganz besonders kritisch sehen wir dabei das Thema Kunstlichtung. Hier wird eine wohltuende, weite Talwiese einer sehr künstlichen Planeridee geopfert, indem Hunderte von Silberweiden- Hochstämme gepflanzt werden sollen. Möglicherweise als künftiger Veranstaltungsort für Lesungen und andere Events.
In der diesem Schreiben beiliegenden kleinen Präsentation ist zu erkennen, dass die von dem Planungsbüro Lenzen konzipierte Planung vollkommen unrealistisch ist. Die gesamte Fläche der betreffenden Wiese in der Talaue ist gar nicht ausreichend, selbst wenn man alle vorhandenen Streuobstbäume der ehemaligen Remsschlinge fällen würde, um das vorgeschlagene Konzept umzusetzen. Die ist ein Hinweis darauf, dass die Planung ohne Bezug zur Realität und ohne konkrete Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit vor Ort entstanden ist. Das führt den Vorschlag Kunstlichtung ganz von allein ad Absurdum, ganz abgesehen von den weiteren Folgen solch einer Anlage und Pflanzung: kostenintensiver Betrieb bei Veranstaltungen, aufwendiger jährlicher Baumschnitt um die gewünschte Hochstammform zu sichern, große zusätzliche Pflegefläche für das Gartenamt, da eine landwirtschaftliche Bewirtschaftung ja nicht mehr möglich ist.
Viele Bürger äußern uns gegenüber ihr Unverständnis darüber, dass für die Veranstaltung über 5,5 Mio. € öffentlicher Mittel ausgegeben werden sollen, ohne dass es dafür einen erkennbaren dauerhaften und nachhaltigen Mehrwert für die Bürger und die Natur geben wird. Eine Gartenschau heute muss durchgehend als nachhaltige Veranstaltung konzipiert sein. In einem Umfeld wie der Talaue kann das nur bedeuten, dass die vorhandenen positiven Merkmale aufgewertet und ein dauerhafter Mehrwert zugunsten der Artenvielfalt und des Erlebniswertes geschaffen werden.
Wir würden uns wünschen, dass es für das Thema Gartenschau einen positiven Neustart geben würde. Daher möchten wir Sie bitten, die bisherigen Konzepte hinsichtlich ihrer Stimmigkeit, Nachhaltigkeit, des Kosten-Nutzen-Aspekts nochmals zu überprüfen und die entsprechenden Beschlüsse für die Chance zu einer weiteren konzeptionellen Runde zu stornieren.

Bruno Lorinser, NABU Waiblingen

 

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