Wer braucht so ein pseudo-begrüntes Hochhaus?

Wenn schon ein Hochhaus auf der Korber Höhe, dann muss es ein begrüntes sein. So lautete der Beschluss, den die Mitglieder des Planungsausschusses des Waiblinger Gemeinderats im Januar 2016 einstimmig gefällt hatten. Der knapp 60 Meter hohe „grüne Daumen“, an dessen Fassaden Bäume, Sträucher, Stauden und Bodendecker wachsen und für ein gutes Mikroklima sowie Sonnenschutz sorgen, soll auf einem städtischen Grundstück im Wohngebiet Korber Höhe entstehen. Das 4700 Quadratmeter große Areal war vor vielen Jahren als Standort für einen Wohnturm vorgesehen worden – gebaut wurde bislang aber nichts.

Ende April hatte die Stadtverwaltung das Grundstück in regionalen und überregionalen Zeitungen ausgeschrieben, neun Bewerbungen waren eingegangen. Jetzt gab es Misstöne im Waiblinger Gemeinderat wegen des grünen Hochhauses: Dass die Verwaltung einen Investor zum Favoriten erklärt hatte, stieß manchen Räten sauer auf. Nun ist ein Zweitbewerber wieder im Rennen- und die Entscheidung erstmal vertagt. Anlass für Korber-Höhe-Bewohner Karl Hussinger, dazu grundsätzlich Stellung zu nehmen:

So ähnlich könnte der „grüne Daumen“ aussehen. Hier der Entwurf der Architekten Steinhoff/Haehnel mit der GSG Gruppe Stuttgart als Investor.

So ähnlich könnte der „grüne Daumen“ aussehen.
Hier der Entwurf der Architekten Steinhoff/Haehnel mit der GSG Gruppe Stuttgart als Investor.

 

Herr Kasper (CDU) hat recht mit seinen Bedenken bzgl. des „Grünen Hochhauses“. Ein solcher Bau ist mit hohen Risiken verbunden, und so ist es mehr als verständlich, von den Investoren Sicherheiten zu verlangen.
Schauen wir uns die Fakten an:
1. Die Korber Höhe gilt  in Waiblingen nicht als bevorzugtes Wohnviertel. Das sieht die Stadt wohl auch so – wie wäre es sonst zu erklären, dass der Grundstückspreis für den Investor  deutlich unter den Empfehlungen des Immobilienspiegel der KSK liegt?
 2. Die Lage des Hochhaus ist wahrlich „einzigartig“. Wer eine Nord/Ost Wohnung erwirbt, genießt einen wunderbaren Ausblick auf die nur wenige 100 Meter entfernten Hochspannungsleitungen und eine Bundesfernstraße. Macht er das Fenster auf, spürt er das Knistern der Leitungen und  genießt das Rauschen der B14. Der mittlere Quadratmeterpreis für den Wohnungskäufer wurde mit 5750€ benannt. Teure Aufzüge, aufwendige Haustechnik und Grün-Pflege werden die Nebenkosten sicher nicht günstig machen.
3. Aber auch für die Bürger Waiblinges gibt es Risiken – denn über die Umbaukosten des Heizkraftwerk soll erst noch mit dem potentiellen Investor gesprochen werden. Trotzdem zaubert der OB eine Zahl für den Umbau der Kamine aus dem Hut. 100.000€ soll dies kosten. Aber benötigt eine solche Kamin-Rohrverlegung, erst waagrecht, dann senkrecht, nicht auch noch ein Saugzuggebläse, Installationsräume und entsprechende Technik? Allein der Nettowohnflächenverlust über 19 Stockwerke würde den Investor mehr als 100.000€ „kosten“. Erfahrungsgemäß versuchen Investoren solche Kosten auf die Allgemeinheit – hier Stadtwerke und Verbraucher – abzuwälzen
Deshalb war es richtig, nicht nur mit einem Investor zu verhandeln. Wer aber braucht ein solch pseudo-begrüntes Hochhaus? Es ist weder ökonomisch noch ökologisch und schon gar nicht sozial. Es ist einfach nur unnötig.
Noch ein Wort zur SPD: Sie sollte in ihren alten Parteiprogrammen blättern, dort würde sie Begriffe wir „Gemeinnütziger Wohnungsbau“ finden. Vielleicht würde sie sich dann erinnern, wer ihre Stammwähler waren.
 
Karl Hussinger

 

Feinstaub – und das Remstal als Staubsauger Stuttgarts?

Genaue Daten gibt es nicht- deshalb kann man sich jetzt mit dem OK Lab Stuttgart für 30 Euro sein eigenes Feinstaubmessgerät bauen

Von Gisela Benkert

Das Remstal, so geht der alte Spruch, „ist der Staubsauger Stuttgarts“. Klingt lustig? Eher nicht: Seit Monaten ist Feinstaub-Alarm am Stuttgarter Neckartor. Und wohin zieht der Dreck von „Deutschlands schmutzigster Ecke“, wie bundesweit die Medien geißeln? Nach der Staubsaugertheorie zieht er erstmal nach Waiblingen und dann ins Remstal. Bloß: So richtig nachmessen will das bisher keiner. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Wir schnaufen also brav weiter den Stuttgarter Feinstaub ein und wenn die Kehle rau wird und der Hals kratzt und man die Fenster stundenlang nicht mehr aufmachen kann – auch, weil drumherum alle ihre gemütliche Holzöfen befeuern- dann ist das misslich und sicher auch krankmachend. Aber: Nix Genaues weiß man nicht.

Das will das OK-Lab Stuttgart jetzt ändern. „Luftdaten selber messen“ ist der Plan, für rund 30 Euro (bei bequemer Sammelbestellung 35 Euro wegen der Kosten für den Zoll > s.u. ) kann sich jeder, technisch perfekt, ein eigenes Feinstaubmessgerät ans Haus hängen.
Auf Einladung der Waiblinger Grünen hat Lab-Aktivist Frank Riedel jetzt im Grünen Büro in der Mayenner Straße einen Vortrag zum Do-it-yourself- Datensammeln gehalten. Denn, so sagt er, „in Waiblingen ist noch kein einziges unserer Messgeräte am Netz“. Gebastelt wird es dann bei einer zweiten Veranstaltung am 22. März, in 25 Minuten soll alles fertig sein („einfach sieben Kabel einstecken“), wer Lust hat, kann sich noch anmelden. (Mehr Infos dazu ganz unten.)
Hängen die Teile erstmal daheim am Haus, senden sie umgehend ihre Werte ins Netz, ständig einsehbar im Internet unter www.luftdaten.info

Das ist erstmal super innovativ und ein bisschen freaky- bloßes Sammeln bringt uns aber nicht weiter. Das ist ja alles sehr spannend und technisch brilliant und hat bereits weltweit Interresse erregt, weil’s so einfach ist und so bestechend – aber was soll der Datenwust dann bewegen?

Frank Riedel,  der Feinstaub-Versteher

Frank Riedel, der Feinstaub-Versteher, erklärt das Prinzip des Messgeräts für Jedermann, Top-Technik zum Nachbauen im Waiblinger Workshop im März. Bild: I. Förster

Genau diese Diskussion hat Frank Riedel in Waiblingen überrascht: „Die Leute, die ich hier getroffen habe, wollen zu den Sensoren und den Daten zwingend auch die politische Diskussion.“ Wie belastet ist Stuttgart an den schlimmsten Tagen, was zieht wohin, wieviel landet bei welcher Windrichtung und welchem Verkehrsaufkommen im Remstal – und kann man dann womöglich immer noch einen Nordostring bauen zwischen Waiblingen und Fellbach, wie es der Waiblinger Oberbürgermeister Hesky bei jeder Gelegenheit fordert? Mündige Bürger wollen jetzt einfach mal in Waiblingen messen. Wollen Wissen sammeln und Druck ausüben, wenn nötig.

Die Politik steckt ja offenbar noch den Kopf in den-Feinstaub. Beispiel Silvester, der hausgemachte Feinstaub. „Das sprengt jede Deadline“, hat Frank Riedel an vielen Messstellen festgestellt, „und es dauert Tage, bis der Dreck wieder raus ist“. Er will jetzt nicht mehr und nicht weniger „als ein Netz übers Land legen“. Eine einzige landeseigene Messstelle gibt es in Stuttgart – aber 300 private über Riedels Lab sind das Ziel. „Wir nehmen jeden Standort“, sagt Riedel, „wir wollen nicht nur schmutzige, sondern gern auch mal schöne Werte“.

Zur Info: Am 22. März 2017 um 19 Uhr gibt es im Grünen Büro, Mayenner Straße 24 noch mal eine Einführung von Frank Riedel, ab 20 Uhr werden die Bausätze gemeinsam zusammengebaut. Wer für 35 Euro einen Bausatz bestellen will, schickt eine Mail an iris.foerster@gmx.de. Deadline für die Sammelbestellung ist der 15. Februar.
Alle Infos zum Projekt findet man auch unter www.luftdaten.info und unter www.riedelwerk.de