Feinstaub – und das Remstal als Staubsauger Stuttgarts?

Genaue Daten gibt es nicht- deshalb kann man sich jetzt mit dem OK Lab Stuttgart für 30 Euro sein eigenes Feinstaubmessgerät bauen

Von Gisela Benkert

Das Remstal, so geht der alte Spruch, „ist der Staubsauger Stuttgarts“. Klingt lustig? Eher nicht: Seit Monaten ist Feinstaub-Alarm am Stuttgarter Neckartor. Und wohin zieht der Dreck von „Deutschlands schmutzigster Ecke“, wie bundesweit die Medien geißeln? Nach der Staubsaugertheorie zieht er erstmal nach Waiblingen und dann ins Remstal. Bloß: So richtig nachmessen will das bisher keiner. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Wir schnaufen also brav weiter den Stuttgarter Feinstaub ein und wenn die Kehle rau wird und der Hals kratzt und man die Fenster stundenlang nicht mehr aufmachen kann – auch, weil drumherum alle ihre gemütliche Holzöfen befeuern- dann ist das misslich und sicher auch krankmachend. Aber: Nix Genaues weiß man nicht.

Das will das OK-Lab Stuttgart jetzt ändern. „Luftdaten selber messen“ ist der Plan, für rund 30 Euro (bei bequemer Sammelbestellung 35 Euro wegen der Kosten für den Zoll > s.u. ) kann sich jeder, technisch perfekt, ein eigenes Feinstaubmessgerät ans Haus hängen.
Auf Einladung der Waiblinger Grünen hat Lab-Aktivist Frank Riedel jetzt im Grünen Büro in der Mayenner Straße einen Vortrag zum Do-it-yourself- Datensammeln gehalten. Denn, so sagt er, „in Waiblingen ist noch kein einziges unserer Messgeräte am Netz“. Gebastelt wird es dann bei einer zweiten Veranstaltung am 22. März, in 25 Minuten soll alles fertig sein („einfach sieben Kabel einstecken“), wer Lust hat, kann sich noch anmelden. (Mehr Infos dazu ganz unten.)
Hängen die Teile erstmal daheim am Haus, senden sie umgehend ihre Werte ins Netz, ständig einsehbar im Internet unter www.luftdaten.info

Das ist erstmal super innovativ und ein bisschen freaky- bloßes Sammeln bringt uns aber nicht weiter. Das ist ja alles sehr spannend und technisch brilliant und hat bereits weltweit Interresse erregt, weil’s so einfach ist und so bestechend – aber was soll der Datenwust dann bewegen?

Frank Riedel,  der Feinstaub-Versteher

Frank Riedel, der Feinstaub-Versteher, erklärt das Prinzip des Messgeräts für Jedermann, Top-Technik zum Nachbauen im Waiblinger Workshop im März. Bild: I. Förster

Genau diese Diskussion hat Frank Riedel in Waiblingen überrascht: „Die Leute, die ich hier getroffen habe, wollen zu den Sensoren und den Daten zwingend auch die politische Diskussion.“ Wie belastet ist Stuttgart an den schlimmsten Tagen, was zieht wohin, wieviel landet bei welcher Windrichtung und welchem Verkehrsaufkommen im Remstal – und kann man dann womöglich immer noch einen Nordostring bauen zwischen Waiblingen und Fellbach, wie es der Waiblinger Oberbürgermeister Hesky bei jeder Gelegenheit fordert? Mündige Bürger wollen jetzt einfach mal in Waiblingen messen. Wollen Wissen sammeln und Druck ausüben, wenn nötig.

Die Politik steckt ja offenbar noch den Kopf in den-Feinstaub. Beispiel Silvester, der hausgemachte Feinstaub. „Das sprengt jede Deadline“, hat Frank Riedel an vielen Messstellen festgestellt, „und es dauert Tage, bis der Dreck wieder raus ist“. Er will jetzt nicht mehr und nicht weniger „als ein Netz übers Land legen“. Eine einzige landeseigene Messstelle gibt es in Stuttgart – aber 300 private über Riedels Lab sind das Ziel. „Wir nehmen jeden Standort“, sagt Riedel, „wir wollen nicht nur schmutzige, sondern gern auch mal schöne Werte“.

Zur Info: Am 22. März 2017 um 19 Uhr gibt es im Grünen Büro, Mayenner Straße 24 noch mal eine Einführung von Frank Riedel, ab 20 Uhr werden die Bausätze gemeinsam zusammengebaut. Wer für 35 Euro einen Bausatz bestellen will, schickt eine Mail an iris.foerster@gmx.de. Deadline für die Sammelbestellung ist der 15. Februar.
Alle Infos zum Projekt findet man auch unter www.luftdaten.info und unter www.riedelwerk.de

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