Abgefahren: junger Blick auf alte Straßen Was für eine Resonanz!

Nie erwartete 170 Besucherinnen und Besucher waren am vergangenen Dienstagabend in den Schwanensaal geströmt zur ALi-Veranstaltung „abgefahren – junger Blick auf alte Straßen“.

Eine internationale Gruppe von Studierenden der Fachhochschule Geislingen/Nürtingen hat im Rahmen ihres Masterstudiums Ideen entwickelt für ein Waiblingen mit weniger Autos, weniger Lärm und mehr Lebensqualität , hat diese Ideen – mal auf Deutsch, mal auf Englisch- einem höchst interessierten Publikum präsentiert- und anschließend eine Diskussion entfacht, die tatsächlich auf Veränderung hoffen lässt.

Da war eine auf Waiblingen zugeschnittene App für Pendler, die sich so besser vernetzten könnten für gemeinsame Fahrten zur Arbeitsstelle und wieder heim. Einbinden könnte man hier nicht nur größere und kleinere Betriebe sondern auch zum Beispiel Behörden wie Rathaus oder Landratsamt.

Jede Menge Nachholbedarf wurde auch in Sachen Radfahren deutlich: Wer bei der Leihstation am Bahnhof ein Zweirad bucht, muss es zwingend wieder am Waiblinger Bahnhof zurückgeben. Es sei denn er radelt, warum auch immer, nach Endersbach zum nächstmöglichen „Stall“. Keine Chance zum Beispiel in der Marktgarage oder- prima Idee für S-Bahn-Pendler- auf der Korber Höhe.

Das Sahnestück im Angebot der Studis war zweifellos die Idee vom Shared Space unter der unteren Fronackerstraße. Gleiches Recht für alle, die sich dort die Straße teilen – dem schwächsten Glied, also dem Fußgänger, gebührt die Rücksicht von Radlern und Autofahrern. Die Idee hat voll gezündet im Schwanensaal, vollends, nachdem Professor Sven Kesselring, Chef der Geislinger Studenten, den Charme dieser Lösung erläutert und die Zumutungen nicht verschwiegen hatte. Na ja, womöglich müssten die Querparkplätze weichen damit die Fronackerstraße in ihrem unteren Teil wieder mehr zum Flanieren und Verweilen einlädt. Aber dafür gibt‘s in nächster Nähe ja gleich drei Tiefgaragen. Und es gäbe auf einem potentiellen Shared Space mehr Raum für Cafés – und endlich die Chance, sich dieses irgendwie verlorene Areal wieder zurückzuerobern, als Bewohner, als Einkaufender, als Waiblinger, der auch außerhalb der Fußgängerzone seine Stadt wieder mehr genießen will.

Dr. Kesselring machte Mut zur Veränderung, blickte weit über den Tellerrand hinaus nach Kopenhagen und in andere europäische Metropolen, die seinen Rat suchen, und lieferte als Mitglied des Strategiedialogs Automobilwirtschaft auch den nötigen Überbau. Unterstützt wurde er dabei von Valentin Gauß, persönlicher Referent von Baden-Württembergs grünem Verkehrsminister Winne Herrmann. Ob‘s denn in seinem Ministerium auch einen Topf für gute Ideen gebe, fragte ihn Moderatorin Gisela Benkert, die im Übrigen auch Initiatorin und Ideengeberin des gesamten Projekts war. „Durchaus“, meinte er. Aufgehorcht haben da natürlich drei Vertreter des Waiblinger Bauamts, die sich den Abend auch nicht entgehen lassen wollten.

Lebhaft war die Diskussion, ALi-Rätin Iris Förster hatte Leute am Saalmikrofon, die quasi schon mit den Füßen scharrten – und andere, die auch ein bisschen Angst hatten. Nicht zuletzt die schlechten Busanbindungen der Teilorte, auch im Hinblick auf eine immer älter werdende Bevölkerung in Waiblingen kam zur Sprache. Es war ein Abend, der etwas verändern könnte. Ein Abend der Mut machte und auch ein wenig Druck. Und es wird weitergehen.
Am glücklichsten waren die anwesenden Studis: Ying-Wei aus Taiwan , Motaz aus Syrien, Boniface aus Gambia, Adrian und Manuel aus Deutschland und Tarane aus dem Iran. Mit dem Laptop unterm Arm und einer Sonnenblume im Rucksack zogen sie aus dem Schwanensaal. Sie haben auch für ihre eigene Zukunft gekämpft.

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