Warum es sich lohnt, einen Blick auf Generation Y zu werfen

Bereits zum zweiten Mal beschäftigten sich Studierende im dritten Mastersemester „Sustainable Mobilities“ an der HfWU in Nürtingen-Geislingen in Zusammenarbeit mit der ALi mit der Verkehrsthematik in Waiblingen. Die Präsentation der ersten Runde fand unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit Anfang Oktober 2019 im Kulturhaus Schwanen statt.
Die für April 2020 geplante Präsentation der zweiten Runde musste coronabedingt leider auf einen unbekannten Zeitpunkt verschoben werden.
Damit wir wissen, was Sie über das Thema denken, haben wir am Ende des Beitrags eine Umfrage eingefügt.

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Unterwartete 180 Besucher waren der Einladung gefolgt und ließen sich die Ergebnisse der Studierenden erklären. Die anschließende Diskussion zeigte, dass es noch viel Handlungsbedarf gibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Gruppe stellt an dieser Stelle schon mal ihre Ergebnisse vor:

von Pamela Berner

Kinder und Jugendliche leben am längsten mit den positiven wie negativen Effekten der Stadtplanung. So auch mit den lokalen Gegebenheiten der Mobilität in Waiblingen: Was denken Jugendliche aus Waiblingen über das Mobilitätsangebot ihrer Stadt? Was würden sie verändern und was bewegt sie? Im Rahmen eines Forschungsprojekts des Masterprogramms „Sustainable Mobilities“ haben sich drei Studierende der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen in Zusammenarbeit mit der Alternativen Liste Waiblingen (ALi) mit diesen Fragen auseinandergesetzt und herausgearbeitet, welche Möglichkeiten sich für und mit einer stärkeren Jugendbeteiligung in Waiblingen auftun können.

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Das Waiblinger Radhaus wurde von den befragten Jugendlichen ausdrücklich gelobt


Waiblingens Generation Y zeigt sich mit dem Mobilitätsangebot der Stadt weitestgehend zufrieden; das ergab die Befragung einer Fokus-Gruppe sowie eine Umfrage im Rahmen des Forschungsprojekts der Studierenden Niklas Schöllhorn, Pamela Berner und Stephen Shittu-Ayotunde. Es zeigte, dass das Mobilitätsangebot seit der letzten großen Fahrplanänderung und das „Radhaus“ von Jugendlichen besonders geschätzt werden. Bus, Bahn und Rad sind die zentralen Fortbewegungsmittel für die Bewältigung ihrer Wege und werden dem Auto deutlich vorgezogen. „Selbst wenn ich es mir irgendwann finanziell leisten kann, möchte ich gerne weiterhin auf ein Auto verzichten und lieber da wohnen, wo eine gute Infrastruktur für ÖPNV und Rad existiert“, äußert sich Charlotte, eine der Befragten der Generation Y aus Waiblingen. So wie sie denken auch die anderen Jugendlichen aus der Fokusgruppe. Die wenigsten besitzen einen Führerschein oder sogar ein eigenes Auto. Genau das macht sie zu Experten in der Nutzung nachhaltiger Verkehrsträger, zu Vertretern eines „neuen“ Mobilitätsverständnisses.

Form und Themen der Diskussion um Mobilität dieser Generation sind anders

Der Austausch über aktuelle Themen im Verkehr und ihr Optimierungspotential unterscheidet sich bei den Jugendlichen von der Diskussion in den öffentlichen Medien: Dort dominieren Themen wie das hohe Verkehrsaufkommen in oder die Umgehungsstraße um die Stadt. Bei Jugendlichen hingegen bestimmen Themen der Sicherheit im Verkehr sowie das Optimierungspotential im ÖPNV die Diskussion. Auf Wünsche und Verbesserungen angesprochen benennen sie die Verfügbarkeit digitaler (Echtzeit-)Information im ÖPNV, eine bessere Abstimmung von Bus- und S-Bahnfahrzeiten, deutlich mehr und von Autos separierte Radwege, die Erhöhung der Anzahl sicherer Fahrradparkplätze am Bahnhof oder in der Innenstadt sowie die stärkere Anbindung kleinerer Ortsteile an das ÖPNV Netz.

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Waiblingen Memes kommentiert kritisch und immer topaktuell

 

Die Studierenden stellen in ihrer Arbeit fest, dass Jugendliche in Waiblingen in der Diskussion um Mobilitätsthemen in den Medien oder auf öffentlichen Veranstaltungen zwar nicht vertreten sind und auch der Jugendgemeinderat dazu nicht einbezogen zu sein scheint. Es zeigt sich jedoch, dass die Mobilität der Jugendlichen auf den sozialen Kanälen durchaus ein Thema ist: So erkennt man beispielsweise auf dem lokalen Account „waiblingen.memes“ auf Instagram, wie die Zielgruppe auf humorvolle Weise ihre Unzufriedenheit u.a. über zu volle Schulbusse oder die sehr knapp bemessene Umsteigezeit zwischen S-Bahn und Bus zum Ausdruck bringt.



Technologieaffin und kritisch

Überraschende Erkenntnisse ergaben sich über die Einstellung zu autonomen Fahrzeugen. Obwohl den sogenannten „Digital Natives“eine hohe Technologieaffinität nachgewiesen wird, stellt sich heraus, dass sie damit nicht automatisch als Nutzer neuer Mobilitätsformen in Frage kommen. So steht Generation Y in Waiblingen autonomem Fahren ausgesprochen skeptisch gegenüber. Die Fokusgruppe diskutierte insbesondere das fehlende Vertrauen in die Technologie, die Unfallrisiken für andere Straßenbeteiligte wie Radfahrer, aber auch die Gefahr neuer Geschäftsmodelle, die mit dem ÖPNV konkurrieren und das Mobilitätsangebot für sozial schwache Zielgruppen verringern könnten.

Handlungsansätze für mehr Jugendpartizipation in Waiblingen

Um den Verkehr und die Mobilität der Menschen in Waiblingen langfristig nachhaltig zu gestalten, sprechen sich die Studierenden für eine Steigerung der Teilhabe von Jugendlichen an der Mobilitäts-Diskussion und ihrer Planung aus. Einerseits lernt die Stadt dadurch mehr über qualitative Faktoren der Mobilität und (künftige) Bedürfnisse. Andererseits begünstigt das Einbinden jüngerer Generationen in die Planung und den Diskurs ein neues Verständnis von Mobilität. Erste Ansätze sehen die Studierenden in der Partizipation am Projekt des autonom fahrenden Shuttle Buses, da hier bislang überwiegend quantitative Rahmenbedingungen untersucht wurden. Durch eine Einbindung potenzieller Zielgruppen ließen sich relevante qualitative Faktoren für die Nutzung des Shuttles in Waiblingen ableiten, die den Erfolg des Projekts sichern. Für mehr Partizipation von Jugendlichen in ihrer Stadt sehen die Studierenden die gezielte Nutzung sozialer Netzwerke als Grundlage – ob für die Bereitstellung einzelner Informationen oder die Nutzung für öffentliche Kampagnen. Im städtischen Kontext fehlt aktuell ein zuverlässiges Angebot, das Jugendliche einbezieht und gezielt anspricht. Das Verknüpfen lokaler Themen, wie dem Reduzieren von Verkehrsaufkommen oder Abgasen, mit globalen Fragestellungen, wie dem Klimawandelund dem Umweltschutz, würden dabei sowohl das Verständnis für die Notwendigkeit von bestimmten Maßnahmen steigern, als auch Chance für die Diskussionen um Themen bieten, die Jugendliche sehr bewegen.

Jugendpartizipation: Bedingungen für alle Altersgruppen im Blick haben

Wissenschaftlich begleitete Stadtplanungsprojekte in anderen europäischen Städten haben gezeigt, dass Kinder-und Jugendliche ein ausgeprägtes Gespür für soziale Integration ein vielfältiges Umfeld, Freizügigkeit und Sicherheit aufweisen, was die hiesigen Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt bestätigen. Das Einbinden von Jugendlichen gibt einer Stadt wie Waiblingen die Chance, von einer Referenzgruppe zu lernen, die aufzeigen kann, welche Bedingungen die Stadt für alle Altersgruppen lebenswert machen und zu einer nachhaltigen Entwicklung führen können.

Über die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen

Das Masterprogramm „Sustainable Mobilities“ ist ein sozialwissenschaftlicher und forschungsorientierter Studiengang, der seit 2016 an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen angeboten wird. Studierende lernen, Mobilitätskulturen vor dem Hintergrund steigender Urbanisierung, Ressourcenknappheit und neue Technologien zu verstehen, um innovative Lösungsansätze, Produkte und Dienstleistungen zu gestalten. Das Projekt in Waiblingen wurde unabhängig und im Rahmen des Moduls für angewandte Forschung des dritten Semesters durchgeführt.

 

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