Hüpfspiele 2.0

Hüpfen Kreise

Mitten in den Sommerferien wurden die Straßenspiele auf dem Alten Postplatz aufgepeppt. In fröhlichen Farben laden Kästchen und Linien jetzt wieder Groß und Klein zum Hüpfen und Balancieren ein.

Das Wundertütentütenteam sieht sich dabei als Geburtshelfer der Hüpfspiele, schließlich kamen die Anregungen zu einer Verschönerung des Postplatzes bei einem Stadtspaziergang mit Baubürgermeisterin Birgit Priebe und einer Handvoll Kinder im Sommer 2013 – nachzulesen in der ersten „Waiblinger Wundertüte“.

Ein Dozent der Kunstschule hat sich bereits vor zwei Jahren an die erste Umsetzung gemacht, nun wurde erfreulicherweise aufgefrischt und nachgebessert.

Hüpfen

Unterschriftenlisten gegen die Gartenschaupläne

Einige der Remstalgartenschau-Ideen der Stadt Waiblingen sind einfach überflüssig, schaffen keinen Mehrwert, sind nicht nachhaltig und verschlechtern die heutigen Gegebenheiten. Nicht zuletzt werden 5,5 Mio. € öffentliche Mittel förmlich in den Remssand gesetzt.

 

Der Widerstand wächst und der NABU macht mobil.

 

Hier kann man eine Unterschriftenliste runterladen und selber aktiv werden!

Kommen Sie mit Freunden, Nachbarn und Kollegen ins Gespräch, sammeln Sie Unterschriften gegen die unsinnigen und überflüssigen Gartenschau-Pläne:

 

  • 3 Basaltstein-Kuben am Remsufer –  Eine teure Idee (500 000.- €) ohne Mehrwert. Das Baumaterial Basalt muss von weit her transportiert werden. Ein Bezug zum Remstal und der Landschaft durch solche Fremdkörper ergibt sich nicht. Für die versprochene Aussicht von den Kuben auf die Waiblinger Altstadt müssten immer wieder Ufergehölze fallen. Die Plätze laden vielmehr ein zu Saufgelagen mit anschließender Vermüllung.
  • Grünes Klassenzimmer statt Beweidungsprojekt. – Durch den Umbau der heute noch beweideten Fläche und eine Dammöffnung für einen weiteren Remsdurchfluss wird jedes Hochwasser diese Fläche direkt betreffen,  Sand wird abgelagert und spontan wachsen Gehölze auf. Nicht umsonst hat man früher auf eine Wasserführung in diesem Bereich verzichtet. Diese Fläche soll nun gleichzeitig als grünes Klassenzimmer angelegt werden. Das ginge nur mit ständigen, sehr aufwendigen und teuren Pflegemaßnahmen. Die dann nicht mehr durch die Beweidung freigehaltene und beruhigte Fläche wäre nicht nur für viele Tiere und Pflanzen dauerhaft verloren, auch das Beweidungsprojekt – ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal von WN – ist damit aus Mangel an Fläche  dem Untergang geweiht.
  • Kunstlichtung –  Die letzte größere zusammenhängende  Talwiese mit Weitblick auf die Stadt-Silhouette möchte man mit über 200 Silberweiden – Hochstämmbäumen, angeordnet zu einer künstlichen Lichtung, vollpflanzen. Hier ist eine Planeridee ohne Bezug zum Landschaftserlebnis und zur biologischen Wirklichkeit entwickelt worden.

Auf die bisher von Herrn OB Hesky zitierte Talauen-Präambel (Stärkung des Naturschutzes) legt die Stadt anscheinend offenbar gar keinen Wert mehr.

Der NABU macht mobil für die Stärkung des Naturschutzes und  gegen die Verhunzung unserer Talaue und sinnlose Geldverschwendung! Wir unterstützen ihn dabei.

Machen Sie mit!

Wir wollen unsere Waiblinger Talaue naturbelassen als Erlebnisraum erhalten!
Wir wollen keine unnötige Möblierung und Inzenierung unserer Waiblinger Talaue!
Wir wollen Freiräume erhalten und wirkliches Naturerlebnis fördern!

 

 

 

Von der ökologischen Idee ist wenig geblieben

Gartenschau im Remstal
Von Annette Clauss
Dieser Artikel ist in der Stuttgarter Zeitung am  1. August 2016 erschienen.

Die Remstal-Gartenschau 2019 sollte eine ökologische werden. Tatsächlich aber belasten nach Ansicht des Naturschützers Manfred Steinmetz viele der Projekte die letzten Refugien von Mensch und Tier.

Manfred Steinmetz an der Erleninsel in Waiblingen, wo die Remsterrassen für die Remstal-Gartenschau entstehen sollen. Foto: Gottfried Stoppel
Manfred Steinmetz an der Erleninsel in Waiblingen, wo die Remsterrassen für die Remstal-Gartenschau entstehen sollen.
Foto: Gottfried Stoppel

Rems-Murr-Kreis – Die Rems ökologisch aufzuwerten war einst ein Grundgedanke der Remstal-Gartenschau. Davon ist inzwischen kaum noch die Rede. Der Naturschützer Manfred Steinmetz beklagt, viele Kommunen ignorierten die Vorgaben des Naturschutzes.

Herr Steinmetz – sind Sie ein Gegner von Gartenschauen?
Nein, ich habe kein Problem mit einer Gartenschau, auch nicht mit einer auf interkommunaler Ebene, die natürlich anders ablaufen muss, als eine in einer einzelnen Kommune mit einem Zaun drumherum.
Was stört Sie an der Remstal-Gartenschau?
Das Konzept. Die bisherigen Gartenschauen lagen im Siedlungsbereich. Das Ziel war immer Nachhaltigkeit, damit auch nach Ende der Gartenschau etwas Positives für die Bürger übrig bleibt. Defizite im innerstädtischen Bereich sollten beseitigt werden, beispielsweise indem man Grünanlagen anlegte oder sanierte und so zumindest eine kleine grüne Lunge zurück bleibt, wenn alles vorbei ist. Jetzt, bei der Gartenschau mit 16 Kommunen, geht man raus „in die Natur“ und belastet die letzten Refugien von Mensch und Tier mit Events, „Leuchtturmprojekten von landesweiter Ausstrahlungskraft“ und „Paukenschlägen“. Da darf man schon die Frage stellen, wie sinnvoll es ist, städtische Belastungen und Zumutungen in die Erholungsräume zu übertragen anstatt deren Qualitäten aufzunehmen und sensibel zu entwickeln.
Die Rems sollte besser erlebbar werden…
Eine gute Idee, doch was bedeutet das konkret? Man hat die Rems als verbindendes Element der 16 Kommunen gewählt, also muss an der Rems nun auch etwas laufen. So ist es immer noch politischer Wille, auf der Rems Kanuverkehr zu etablieren. Dazu braucht es Ein- und Ausstiegsstellen samt Zufahrtswegen, Bootsumtragestrecken an Wehren, Rastplätze, und vor allem auch einen gewissen Wasserstand – und der ist an vielen Stellen nicht vorhanden. Andererseits schränken Uferbiotope, Naturschutzgebiete sowie Artenschutzvorgaben die Befahrung ein. Bevor man also solche Aktivitäten propagiert und dafür Fördermittel bereitstellt, sollte man sich ihrer Realisierung sicher sein. Wir vom Landesnaturschutzverband (LNV) haben Vertreter des Deutschen Kanuverbandes eingeladen und um eine Einschätzung gebeten. Das Urteil lautete: Kaum geeignet wegen langer, nicht befahrbarer Strecken und wegen des Kanalcharakters nicht attraktiv.
Eigentlich war es doch ein Ziel, die Rems ökologisch aufzuwerten. Es war von der Durchgängigkeit der Rems die Rede . . .
. . .die man lieber als Durchgängigkeit für den Bootsverkehr interpretiert. Denn vom ursprünglichen Ziel ist fast nichts übrig geblieben, obwohl die ökologische Durchgängigkeit ein sinnvolles Projekt wäre für die Lebewesen im Fluss. Zwar soll bei Winterbach eine Renaturierung stattfinden, doch sie ist nicht dem Gedanken der Gewässerökologie geschuldet, sondern mangels Retentionsraum den Bauwünschen der Gemeinde. Wenn man die Rems aufwerten will, muss man den Kanal beseitigen, Platz schaffen, indem man die Deiche rückverlegt und beispielsweise Laichplätze für Fische schaffen. Aber das geht nicht im Zuge einer Gartenschau, das braucht eine längere Planung. Man muss dazu ja Grundstücke ankaufen und nicht zuletzt den Hochwasserschutz berücksichtigen.
Wie gehen die Kommunen mit dem Thema Naturschutz um?
Dazu fällt mir Folgendes ein: Mir ist 2013 bei einem Besuch auf der Tourismus-Messe CMT aufgefallen, dass im Rahmen der Veranstaltung RemsTotal, welche die interkommunale Gartenschau ja vorbereiten soll, auch eine „Pedelec-Tour mit Busbegleitung durch ein romantisches Naturschutzgebiet“ angeboten wurde. Dies konnte nur das Gebiet „Unteres Remstal“ zwischen Waiblingen und Remseck sein. Ich habe die Veranstalter angerufen und darauf hingewiesen, dass man in einem Naturschutzgebiet nicht einfach Massenveranstaltungen abhalten kann. Dort ist man aus allen Wolken gefallen: Offenbar hatte keine der 16 Kommunen es für nötig empfunden, die Projektleiterin auf mögliche Restriktionen aufmerksam zu machen.
Sie kritisieren, dass auch die Naturschutzverbände nur ungenügend und zu spät über die Gartenschau-Pläne informiert werden.
Es ist häufig so, dass amtlicher und privater Natur- und Landschaftsschutz vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Dem Landratsamt etwa müssten schon jetzt Realisierungsanträge vorliegen, denn botanische oder artenschutzrelevante Untersuchungen benötigen oft eine ganze Vegetationsperiode, und dann könnte es knapp werden für die Umsetzungsmaßnahmen, die ja spätestens Ende 2018 fertig sein sollten.
Was ist da von Anfang an schiefgelaufen?
Der Verband Region Stuttgart hat Fluss-Masterpläne aufgestellt – aus solch einem wurde die Idee der Remstal-Gartenschau entwickelt. Dann wurden im Windhundverfahren Finanzmittel ohne irgendwelche Auflagen zur Verfügung gestellt. Die Gemeinden haben sofort Projekte entwickelt und natürlich zugegriffen, ohne sich um naturschutzrechtliche Vorgaben zu kümmern. Inzwischen gibt es eine Remstal-Gartenschau-Gesellschaft. Sie informiert uns vom LNV zwar ab und zu, nachdem wir darauf gedrängt haben, aber sie weist jegliche inhaltliche Verantwortung für Projekte von sich und sagt, die Kommunen seien zuständig. Die verweisen auf den Gemeinderat und dessen Beschlüsse. Wenn man nachhakt, etwa beim Thema Wassersport, heißt es: Das machen die Vereine. Unter dem Strich läuft es so, dass jeder sagt, der andere sei zuständig. Am Ende bleibt es an den Kleinen hängen, die baden es jetzt aus.
Mit Kritik an der Remstal-Gartenschau macht man sich nicht gerade beliebt. ..
Aber die Kommunen wissen doch, wo ihre schützenswerten Flächen sind! Doch da wird lustig drauflos geplant, jede Gemeinde plant andere naturbelastende Highlights, und wenn aus den Projekten nichts wird, dann ist der Naturschutz der Böse.
Von manchem hat man sich ja verabschiedet.
Ja, das Naturschutzgebiet Unteres Remstal, ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet und Europäisches Vogelschutzgebiet, ist für den Wassersport nun hoffentlich tabu: Auf dem Wasser Kanufahrer, links und rechts davon Radfahrer und Fußgänger – wo bliebe da die Ausweichmöglichkeit für Eisvogel, Gänsesänger und andere seltene Vögel?
Nennen Sie doch bitte ein Projekt, das in Ihren Augen keinen Sinn macht?
Nehmen wir die stillgelegte Kläranlage im Weidachtal bei Fellbach-Oeffingen, die in einem Landschaftsschutzgebiet und beliebten Naherholungsgebiet liegt – übrigens weit entfernt vom Remstal. Die Anlage in diesem Waldtälchen hätte man abreißen und renaturieren können, das wäre ein nachhaltiges Erholungsprojekt in Siedlungsnähe gewesen. Schließlich sind die Kommunen einst angetreten, eine ökologische Gartenschau zu machen. Stattdessen werden die völlig maroden Bauten knallrot angestrichen und es soll Klang- und figürliche Kunstinstallationen „an diesem verwunschen Ort“ (Projektzitat) geben. Eine Ausstellung soll überdies zeigen, wie schön das Tälchen ohne die früheren Eingriffe war. In meinen Augen ist das Geldverschwendung; für einen Bruchteil der Mittel hätte man das Ganze naturnah und erholungsfreundlich aufwerten können.
Was halten Sie vom Waiblinger Projekt einer „Kunstlichtung“, bei dem rund 250 Bäume auf eine Wiesenfläche gepflanzt werden?
Diese Wiese hat eine eigene landschaftliche Qualität, man erlebt förmlich beim Heraustreten die befreiende Weite der Talaue. Wer die Wiese zupflanzen will, hat den Genius Loci nicht erfasst. Das ist ein Phänomen, das ich bei der Gartenschauplanung fast überall vermisse: Die sensible Entwicklung aus dem Bestand heraus und eine offensive Beteiligung der Bürger an ihrer künftigen Natur- und Kulturlandschaft.
Was würden Sie stattdessen vorschlagen?
Die Wiese würde so zertrampelt und zerstört. Aus naturschutzfachlicher Sicht entspricht sie vielleicht noch nicht ganz einer jener wertvollen, immer seltener werdenden blumenbunten mageren Flachland-Mähwiesen, aber durch ein geschicktes Mahdregime könnte man sie dahingehend entwickeln und sicher weiter aufwerten. Je blütenreicher die Wiese, desto mehr Insekten finden sich ein, die wiederum zu mehr Vögeln führen. Solch eine Wirkungskette kann man doch darstellen auf Tafeln und so die Gartenschaubesucher darauf hinweisen, was dort alles wächst und blüht, kreucht und fleucht.
Gibt es Projekte, die Sie gut finden?
Natürlich. Remseck hat nach einem anfangs rücksichtslosen Auftreten unter neuer weiblicher Leitung in Bürgerveranstaltungen einfühlsame Projekte erarbeitet. Auch Urbach hat sich vom Skywalk im Naturschutzgebiet „Bergsturz am Kirchsteig“ verabschiedet und gemeinsam haben wir eine Stelle für eine die Landschaft weniger belastende Aussichtsplattform, und zwar im Naturschutzgebiet, gefunden. Auch das geplante Haus der Umwelt im ehemaligen Bundeswehr-Depot bei Eselshalden ist ein sinnvolles Projekt, allerdings liegt es weit ab, man muss mit dem Auto hin und das ist nicht ideal. Viele Projekte sind gut gemeint, aber nicht wirklich alltagstauglich.

Der Rucksack, oder: Mehr Mut zum Wegschauen

(gis). Montagmorgen, kurz nach zehn, Marktgasse. Als erstes in die Volksbank-Zweigstelle, Überweisungen einwerfen. Klappe zu, Knete weg- da registrierst du aus dem Augenwinkel genau in der Ecke des Ablagebrett über dem Einwurfschlitz – einen Rucksack. Du drehst Dich rüber zum Terminal, Geld rauslassen. Und hältst jäh inne. Drehst dich zurück. Ein Rucksack? Ein Rucksack!!!!! Schwarz, ein bisschen zerdetscht, herrenlos. Dein Kopfkino läuft Amok: Gleich geht er hoch. Von selber? „Kontrolliert gesprengt?“ Oder hat einer das Teil bloß kurz vergessen mit den Einkäufen vom dm? Ist da eine Bombe drin oder Zahnpasta? Die Gedanken rasen. Polizei anrufen, sofort. Aber wenn die dann kommt in Dreierreihen mit Tatütata- und es ist bloß Zahnpasta. Wie peinlich. Ja bist du denn jetzt total paranoid? Waiblingen ist nicht München oder Paris – oder doch Würzburg und Ansbach? Hilfe, was tun! Still ruht der Rucksack. Und du fasst einen Entschluss. Mehr Mut zum Wegschauen! Du hebst Geld ab, steckst es in die Börse, drehst dich ganz cool um und marschierst aus der Tür. Kein Blick zurück. Jetzt bloß schnell die Treppe rauf und ab ins Weite. Feigling!! Und Du fasst noch einen Entschluss: Wenn schon, denn schon, mitgehangen, mitgefangen. Du schlenderst also obergechillt rüber in den Naturgut und kaufst ein. Mit klammen Gliedern, total relaxt. Draußen knallt’s. Bloß ein Mofa auf der Weingärtner Vorstadt. Irgendwann bist du raus hier, zuckst auf dem Heimweg bei jedem lauten Geräusch zusammen. Schutt und Asche hinter Deinem Rücken. So ein Quatsch! Pfeifend packst du daheim Deine Einkäufe in den Kühlschrank. Tolles Gefühl: nochmal davongekommen. Oder bist Du bloß wahlweise durchgeknallt, gewissenlos, katastrophensüchtig, nicht von dieser Welt im Juli anno 2016? Es hätte doch genausogut…
Also, morgen guggst Du auf jeden Fall nochmal dort vorbei. Und wenn der Rucksack immer noch steht, in ihn rein. Wollen doch mal sehen! Keine Ahnung, wie lange so ein Zeitzünder durchhält und wie man den überhaupt entschärft. Aber das soll dann die Polizei erledigen. Oder einfach den Rucksack zum Fundbüro bringen. Damit alles seine Ordnung hat. Irgendwer vermisst ihn vielleicht. Und du bist raus aus der Geschichte.

Waiblingen zum Wohlfühlen

Ein Spaziergang durch Altstadt und Talaue. Grün bis ans Herz hinan.

von Jürgen Blocher
„Der Domplatz in Florenz ist mir nichts dagegen“. Soweit wie Hermann Hesse auf seiner Nagold-Brücke in Calw willst Du nicht gehen.

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Aber der Platz beim Herbergsbrunnen mit dem feingliedrigen Fachwerk als Hintergrund, der südlich anmutende Marktplatz mit seinen Straßencafés, die Fluchten unter dem Alten Rathaus oder der Blick in Hinterhöfe, ja die ganze Anlage der Altstadt mit ihren engen Gassen, die sich immer wieder zu kleinen Plätzen weiten – das alles macht die Stadt zur Heimat, eingebettet ins Remstal und dank Talaue grün bis ans Herz hinan. Wo gibt es das sonst noch! Waiblingen zum Wohlfühlen. 2

Allerdings: Die Vermarktung der Stadt kratzt bedenklich an ihrem Charme. Der jüngste Akt naht: die Remstalgartenschau 2019.
Die Stadt, genauer Stadtverwaltung samt Gemeinderat, macht es einem nicht leicht. Ohne Werbeschilder ist offenbar kein Geschäft mehr zu machen, und die „Events“ – wie ausuferndes und kommerzialisiertes Altstadtfest samt Staufer-Spektakel mit Folterkammer, wie „Waiblingen leuchtet“, das vom kulturell geprägten Abend zum grellen Remmidemmi verkommen ist, wie jüngst die Heimattage mit Heino als Vorsänger – sie sind kein nachhaltiger Segen für die Läden in der Stadt, wie leere Schaufenster, Smartphone-Shops, Nagelstudios und Discount- und andere Friseure an jeder Ecke zeigen.

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Was für ein Vergnügen! Du hast dich heute für einen Spaziergang durch die Talaue entschieden statt im Schmidener Feld mit dem Fellbacher Besinnungsweg – solange er noch nicht von einer Autobahn durchschnitten wird. Grün bis ans Herz hinan: frohen Schrittes zum Bädertörle hinaus auf die große Erleninsel, die heute am späten Morgen hie und da schon als Liegewiese genutzt wird. Das Rehberger-Kunstwerk grüßt knallfarben herüber, eine Sonnenuhr, deren Zeitangaben du bisher nicht zu lesen vermochtest.

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Die Rems unter der von Fritz Leonhardt, dem Fernsehturm-Erbauer, entworfenen eleganten Bogenbrücke zieht träge dahin und lässt nicht ahnen, dass sie bei Hochwasser zum reißenden Strom werden kann. Frischwärts: Der marmorne Altin-Brunnen vor dem Bürgerzentrum hat Kinder zum Bade geladenen, auch die Mutter lässt sich Füße kühlen.
An den von Festen geschundenen Brühlwiesen vorbei – wie durch ein Wunder hat der Grastisch von den Landeskunstwochen 1995 überlebt – geht’s du die Rems entlang, überquerst auf einem Aluminiumblech-Steg, der jeden Gestaltungswillen vermissen lässt, den als Fischaufstieg geschaffenen Nebenarm der Rems.

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An flachen Stellen am Ufer wird er zum Spielen am Wasser genutzt. Höchst attraktiver Anziehungspunkt aber ist der Spielplatz an der Rems. Ahoi mit dem Schiff in neue Länder! Wasser marsch! Irgendein Spielgerät dient offenbar als Pumpe, die aus einem anderen in hohem Bogen Wasser spritzen lässt Das reißt mit den Kindern auch die Väter mit.
Jetzt unterquerst du an der Flutbrücke die mehrspurige Alte Bundesstraße und wirst an vergangenes Hochwasser erinnert: Die Rems führt bei diesen immer häufiger auftretenden „Ereignissen“ jede Menge Schlamm und Sand mit sich, die auf der flachen Unterführung abgelagert werden. Zwar ist dies kein fruchtbarer Nilschlamm, aber da und dort regt sich draus in der Trockenzone unter der Brücke doch erfreuliches Pflanzenleben – ein Fingerzeig, wie totes Land unter Straßenbrücken gestaltet werden könnte.

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Rechter Hand erstreckt sich ein Biotop, ein kleiner Urwald schon. Dahinten vermischt sich irgendwo der magersüchtige Kätzenbach mit dem verschlungen angelegten Rems-Nebenarm. Dann die unerwartete Attraktion in der Talaue: Kein noch so teures Kunstwerk kann den zottligen Schottischen Hochlandrindern mit ihren langen, gefährlich aussehenden Hörnern den Rang ablaufen. Keine Angst, sie haben ihre Ruhe weg und sind mit Wiederkäuen beschäftigt.
Bleib jetzt mal stehen, am Birkenhain, wo sich der Weg zum Talauesee vom Remsuferweg scheidet! Hier weitet sich nicht allein der Blick in die großzügig angelegte Talaue – auch die Seele kann ihre Flügel ausbreiten. Sacht wogt das lange Gras der mit Blumen durchsetzten Futterwiese.

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Dieses Jahr hat auch hier der Storchnabel, eine Geranium-Art, die Oberhand. In anderen Jahren konnten es auch mal Margeriten sein. Wo gibt es das sonst noch: Landwirtschaftlich genutzte Wiesen mitten in der Stadt, während in der freien Flur Mais mit Kunstdünger hochgetrieben wird.
Linker Hand kommt der Talauesee in Sicht.

Eine Tafel am Boden weist auf die ökologische Schutzzone hin. Richtung Seeplatz wird der See dann zugänglich, eine frisch gemähte Liegewiese hat den ersten Sonnenbeter angelockt.

5Still ruht der See, wahrhaftig. Schwimmende Seerosenfelder erinnern an Claude Monets Garten in Giverny. Enten tauchen nach zartem Grün. Keine Schwäne mehr, leider. Sie sind erfolgreich vertrieben worden. Ein Hinweis darauf, wie sensibel die kleine Seenlandschaft ist.

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Da drüben sieht du die skulpturalen Steinbänke von Paul Bradley – ein wunderbarer Ort für eine Lesung oder einen kleines Streichkonzert. Allerdings kannst du dich nicht daran erinnern, dass seit der Einweihung im Jahr 2000 jemals dergleichen stattgefunden hätte. Wohl aber an ein lauschiges Sommerabendfest mit der städtischen Galerie.

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Was ist denn hier passiert? Eine panzerfeste Brücke aus Beton in Bunkerstärke anstelle der naturnahen Holzbrücke auf dem Weg zur Kneippanlage. Letztere, vom Kneippverein gepflegt, wird an diesem heißen Tag eifrig genutzt. Nun wieder zurück Richtung Rundsporthalle. Vom Seeplatz aus führt ein von einer Doppelreihe Apfelbäume begleiteter Weg mittendurch, entlang eines früheren Remsarms. Hüben und drüben die Futterwiesen, Lichtungen könnte man auch sagen.
„Kapelle für einen sterbenden Baum“ hat Helmut Stromsky seinen Beitrag zur den Landeskunstwochen unter dem Thema „Kultur natürlich“ anno 1995 genannt. Der sterbende Baum heute überlebt, ebenso das Kunstwerk. Zu sehen ist es allerdings – sommers nicht mehr. Die Stadt lässt den Kunstwerken von damals keine Pflege angedeihen. Auch gibt s keinen beschilderten Kunstpfad zu dem Reminiszenzen der wunderbaren Landeskunstwochen.
Der überdachte Luisensteg kommt in Sicht. Mit leichtem Bogen überspannt er die Rems, Brücke und Unterstand bei Regen zugleich – ein Werk des damals Waiblinger Brückenbauers Professor Jörg Peter. Wieder entlang der Rems gehst du weiter. Die hohen Pappeln, ohne die die Rems in Waiblingen nicht denkbar ist, spenden etwas Schatten. Jenseits kommt die Rudergesellschaft ins Blickfeld. Am Anlegesteg warten Drachenboote auf Trainingsbegeisterte.
Auf dem Lande beginnt jetzt eine landschaftliche Durststrecke: der Parkplatz für Rundsporthalle und Freibad, großenteils eine Wüste gleichend. Aber es kommt noch schlimmer: Das Areal unter der B14-Brücke, die unüberseh- und -hörbar über Rems und Talaue führt, wird als Erd-Lager- und –Umschlagplatz genutzt.

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Du hast die Schlagworte zur Remstal-Gartenschau 2019 im Ohr: „Das Ziel dieses innovativen Projektes liegt in der nachhaltigen Aufwertung eines Lebensraumes für Natur und Mensch.“ Oder, wie es OB Hesky zu der Präsentation im Oktober 2015 als Ziele formuliert hat: Stärkung des Naturschutzes; Behutsame Entwicklung der Kulturlandschaft, Attraktivierung des Remstals als Erholungsgebiet. Jetzt fragst du dich: Braucht es dazu eine Gartenschau für möglichst viele auswärtiger Besucher? Sind wir Waiblinger es nicht wert, heute schon ohne Wüsteneien zu leben? Die feine Ironie der Waiblinger Stadtplaner: Just an der Bundesstraßenbrücke, wo dringend etwas „aufgewertet“ werden müsste, da enden die Gartenschaupläne. Ernst kann es den Stadtoberen – Verwaltung und Gemeinderat – nicht sein mit dem „Lebensraum für Mensch und Natur“.

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Talaue: Der Widerstand wächst

Immer mehr Bürgerinnen und Bürger sind nicht einverstanden mit dem „Gartenschau-Wahn“ von Stadt und Gemeinderat  /  Nabu macht mobil gegen  „Möblierung und Eventisierung“.

Waiblingen (gb) – Kritik an den Gartenschauplänen? An  Kuben und Kunstlichtung? Gibt’s  nicht wirklich und wenn,  dann ist sie mittlerweile verstummt. _  So offenbar die Lesart im Rathaus und im Gemeinderat. Doch jetzt formiert sich Widerstand: Allein in den ersten zwei Stunden hat der Naturschutzbund Waiblingen (NABU) am Samstag an seinem Infostand auf dem Marktplatz über 200 Unterschriften gegen den von oben verordneten „Gartenschau-Wahn“ gesammelt.  Es war,  als habe man ein Ventil geöffnet: Immer mehr Waiblingerinnen und Waiblinger wollen die Ruhe und Naturnähe ihrer ökologisch bestens austarierten Rems-Landschaft offenbar nicht opfern zugunsten einer „Möblierung und Eventisierung“, die so gar nicht in eine Zeit passe,  die eher  Nachhaltigkeit und Entschleunigung  brauche.

Es wurde viel diskutiert am NABU-Stand. “Die Brühlwiesen haben sie schon kaputt-gefeiert“, ätzt ein älterer Herr  und eine amtierende Stadträtin muss sich belehren lassen, dass am Talauensee tatsächlich ein weiterer Spielplatz vorgesehen ist: „Des muss mir nausganga sei“. Man habe im Gremium doch immer gesagt, „am Talauensee passiert nichts“. Anhand städtischer Pläne und Zeichnungen erläutern Nabu-Chef Bruno Lorinser, Landschaftsplanerin Inge Maass und zwei Autorinnen der Buchreihe „Waiblinger Wundertüte“ neugierigen Marktbesuchern, was zum Preis von rund 3,5 Millonen Euro bis zum  Gartenschau-Termin 2019 allein zwischen Hallenbad und Rundsporthalle so alles passiert. „Hirnrissig“, befindet eine junge Frau. Warum drei schwarze Basalt-Kuben an Remsgestaden zum Zwecke schönerer „Sichtachsen“ auf die Stadt und ihre Türme? „Weil die Planer grad bundesweit auf sowas abfahren“, merkt Bruno Lorinser an. Zeitgeistiger  Schnickschnack, siehe auch den „Skywalk“ in Kernen, „teuer und unnötig“. Und auf den Kuben, prognostiziert ein passionierter Remsweg-Radler, „lungern dann nachts die Besoffenen rum- rund um den Talauensee ist’s ja jetzt schon dauernd versaut“.

Aber warum fällt das alles den Leuten erst jetzt auf? Es gab doch vorab die vielbeschworene sogenannte Bürgerbeteiligung? „Eine Farce“,  sagt ein Ehepaar,  das vergangenes Jahr dabei war. Ideen abgefragt – und Tschüss. Bürgerbeteiligung geht anders. Inge Maass, die selbst einmal die Berliner Bundesgartenschau mitgeplant hat, warnt vor einer „jahrelangen Baustellen mit vielen Erdbewegungen“.  Einer der drei Beweidungsplätze für die geliebten Hochlandrinder zum Beispiel wird flachgelegt für ein sogenanntes grünes Klassenzimmer der Christoph-Sonntag-Stiftung. Die Fachleute haben wasserrechtliche Bedenken wegen Hochwassergefahr. Diverse Stellungnahmen aus dem zuständigen Landratsamt stehen aus –  weil die städtischen Ideen, aber keine Pläne, erst seit wenigen Tagen dort vorliegen. Manches könnte auch noch aus rechtlichen Gründen kippen – wenn nicht, wäre laut Bruno Lorinser das Beweidungsprojekt gestorben – zu wenig Platz für die Tiere, dazu konzeptionell unorganisiert.

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Vor Ort angeschaut haben sich das am Samstagnachmittag  gut 50 Mitgänger beim alternativen Talauenspaziergang. Lorinser nennt die Umgestaltung des Wohnmobil-Standplatzes „vernünftig“. Die Sichtterrasse an der Erleninsel „auch okay“.  Ab und an auch mal barfuß in die Rems tauchen, also die Ufer zugänglicher machen -prima.

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Der weite Blick über die Wiese

Aber eine Kunstlichtung auf der freien Fläche zwischen See und Rundsporthalle? 220 Silberweiden, von unten erstmal drei Meter hoch ausgeastet, sollen einen Kreis um eine Lichtung bilden,  die bespielt werden kann –  erstmal im Wechsel von blauen Tulpen und rosa Nelken? Kopfschütteln allenthalben. Mit dem Geld- allein 560 000 Euro- könnte man Besseres tun. Aber was? Gibt’s denn etwas, das aus NABU-Sicht zum „Alleinstellungsmerkmal“  einer Waiblinger Gartenschau werden könnte?  Aber ja: „Sich auf die Tiere konzentrieren“, sagt Inge Maass.

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Eisvogel in der Talaue, Foto: Fred Jencio

Tatsächlich fliegt ein Eisvogel vorbei, mittlerweile  gar nicht so selten an der Rems, ein Graureiher spaziert auf Mäusefang über die zukünfitge Lichtung, es gibt Eulen hier und Fledermäuse –  und einen Weißstorch. Eine Spaziergängerin hat ihn vor zwei Wochen gesichtet. Genau auf der zukünftigen Kunstlichtung. Das war’s dann wohl? Soll er bleiben, müsste man ihm eine Wohnstatt anbieten und seinen Kumpels gleich mit – was für ein Attraktion! Ein Alleinstellungsmerkmal im ganzen Remstal!

Bruno Lorinser zitiert Punkt 1 der Talauen-Präambel von Stadtchef Hesky: „Stärkung des Naturschutzes“ steht da. – „Thema verfehlt“, konstatiert Lorinser. Mehr Biodiversität – Fehlanzeige! Die Leute stehen jetzt  um ihn rum und fragen nach weiteren Unterschriftenlisten zum Mitnehmen. Sie kennen alle noch viel mehr Menschen,  die unbedingt unterschreiben wollen.

Was sagt der NABU zur Gartenschau? Und wie stehen Sie dazu?

DSC_0249.JPGPressemitteilung NABU Waiblingen e.V. vom 17. Mai 2016
Gartenschau 2019 – Beschluss Gemeinderat Waiblingen vom 12. Mai 2016

Operation gelungen – Patient tot!
Die Operation hat der Gemeinderat Waiblingen mit seiner Zustimmung zu den Waiblinger Beiträgen zur Remstal-Gartenschau durchgeführt. Der Patient und in diesem Fall das Opfer, ist die Wiesenlandschaft der Waiblinger Talaue. Mit seinem Beschluss hat der Gemeinderat eines der letzten Überbleibsel der alten Kulturland-schaft der Talaue zum Untergang verurteilt.
Ein wirklich wertvolles Element der Waiblinger Talaue sind diese letzten verbliebenen stadtnahen Freiräume. Zudem sind es auch ökologisch bedeutsame Wiesenflächen die dem Charakter von besonders geschützten FFH-Flachland-Mähwiesen sehr nahe kommen. Zur Zeit des Vogelzugs sind dort sogar gelegentlich seltene Vogelarten wie Wiesenpieper und Braunkehlchen zu beobachten.
Flachlandmähwiesen (Wiesen, die gemäht werden, die einen Blütenreichtum besit-zen, also nicht die üblichen Park-, Zier- und Scherrasen) sind EU- geschützte Bio-toptypen, da echte Wiesen inzwischen extrem selten geworden sind. Wiesen sind nicht nur seltene Biotoptypen, die mit ihrer botanischen Vielfalt (Blühreichtum) Grundlage für Insektenreichtum (Insekten!!), und damit Vogelwelt darstellen – sondern bieten eine wohltuende Ruhe und ein optisches Erlebnis der Weite und Schlichtheit, das im Siedungsbereich, in Ballungszentren mit seinen Straßen, Bauten, Werbung und Beschilderungen von unersetzlichem Wert ist.
Dort, wo nun eine kreisförmige Kunstpflanzung aus Hochstammbäumen geplant ist, ist bereits eine Kulturlandschaft. Man muss nur einmal vor Ort gehen und sie entde-cken.Anscheinend geht man nicht mehr raus, sondern schaut sich bunter Power-point-Bildchen an. Die alten verfüllten Remsschlingen sind an den feinen Höhenunterschieden, den Vertiefungen in den Wiesenflächen und dem Wechsel von etwas trockeneren Salbei-Glatthaferwiesen und feuchten Wiesenfuchsschwanz- Silgen- und Seggenwiesen sichtbar. Die ehemaligen Ufer der Remsschlingen sind heute noch optisch sichtbar durch die verbliebenen Streuobst-Doppelreihen.

Warum muss diese Wiesenlandschaft mittig gefüllt werden?
Ein Horror vacui der Planer? Die Scheu vor der Leere?
Eine Planung am Computer, Planung auf dem Luftbild?
Oder waren alle (Planer wie Gemeindrat) gar nicht vor Ort?

Was als graphisches Muster auf dem Plan die (schrecklich leere!!!) Fläche füllt, hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun.
Hunderte von Bäumen in Kreisen bilden keine Waldlichtung. Selbst, wenn sie ver-dichtet stehen, ist das kein Wald und wird auch keine Waldlichtung bilden. Wald benötigt etwa 100 Jahre Entwicklung bis er aus dem Stangenholz aus- und zusam-menwächst und dann aus Unterholz und mehrschichtigen Baumbestand sich zu einer geschlossenen Masse verdichtet und zu einer Wand schließt, um darin die geplante „Lichtung“ für Literaturlesungen(!) zu beherbergen.

Die Frage ist, wollen wir überhaupt an dieser Stelle einen Wald – dort, wo jetzt die Wiesen einen weiten Blick zulassen? Und das zu diesen völlig außer Rand und Band geratenen exorbitanten Kosten? Lassen Sie sich nicht durch Plangraphik und blumige, aber inhaltsleere Worthülsen von „Kunstlichtung“ täuschen, gehen Sie vor Ort.

Nachdem es die Stadt schon fertig gebracht hat, durch unangepasste und mit dem Naturschutz nicht abgestimmte Pflegemaßnahmen, die in der Talaue brütenden Nachtreiher (Rote Liste 1 !) zu verjagen, sind auch die Tage dieser verbliebenen Freiflächen gezählt.
Jetzt wird dieser dort noch weite Horizont auch noch eingeengt und zugestellt. Mit den 600.000,- € werden dann 300 Hochstamm-(Weiden???) mit Tiefladern aus Hol-land her transportiert, um dort eine sogenannte „Kunstlichtung“ entstehen zu lassen. Schon die Begrifflichkeit selbst zeigt deren fehlenden Ortsbezug. Man braucht dort keine Kultur hinzutragen. Sie ist schon dort. Man versteht das aber offensichtlich nicht mehr. „Kunst“ vernichtet Kultur, wenn man mit solchen Spielereien das Vorhandene überprägt. Nur einige wenige Mitglieder des Gremiums haben wohl kritische Fragen gestellt. Dafür sei gedankt.
Das zeigt die realitätsferne Abgehobenheit der Planung sehr deutlich. Statt die vor-handenen ökologischen Potentiale dieser Auenlandschaft weiter zu entwickeln und zu fördern, wird ein modernistisches Konzept entwickelt, mit bunten Powerpoint-Folien illustriert und fertig ist die Planungstütensuppe. Fertig sind honorarintensive Lösungen die in erster Linie dem Planer selbst und den ausführenden Firmen nutzen. Zahlen tut ohnehin der Steuerzahler.
Es scheint eine gängige Idee, geradezu eine Unsitte der Planer zu sein, dass man sich bei der Remstalgartenschau überall der bereits vorhandenen Werte bemächtigt. Man sucht sich die schönsten Stelle aus (Relikte der Natur- und Kulturlandschaft, ein Bergsporn, eine Wiesenaue, ein … ) und setzt auf „Inszenierung“ und „Überhöhung“ mit Steg, Plattform, Erlebnisweg, Terrassen und Bäumchenrondel. Kurz, statt selbst Werte zu entwickeln, hängt man sich irgendwo an und bedient sich so der vorhandenen landschaftlichen Werte. Und zerstört sie damit. Offensichtlich aber ein Rezept mit dem man Verwaltungen und Räte überzeugen kann.
Anstatt alte Sünden und Landschaftsschäden zum Ausgangspunkt der Planung zu machen, fischt man in fremden Gewässern.
Es gäbe durchaus noch Entwicklungspotential.

Auch das was unter der Begrifflichkeit Bürgerbeteiligung in dieser Sache gelaufen ist verdient nicht diesen Namen. Bürgerbeteiligung sieht anders aus. Hier braucht die Stadt offensichtlich noch reichlich Nachhilfe.
Das ist aber offensichtlich bei dem Thema der Remstalgartenschau überall so. Die Aussichtsplattform in Kernen braucht auch Niemand.
Die „Kunstlichtung“ für 600.000,- € braucht ebenfalls Niemand. Zudem werden hohe Pflege- und Unterhaltskosten anfallen. Wo sind die Alternativen? Wurden umwelt- und artenschutzrechtliche relevante Belange überhaupt geprüft? Wohl nicht wirklich!
Entscheidungen mit verengtem Horizont sind nie gut. Die innerstädtische Talaue ist es wert nachhaltig behandelt zu werden. Das ist hier eindeutig nicht geschehen.
Man hätte mit dieser Summe einen dauerhaften Mehrwert zugunsten des Naturer-lebnisses der Waiblinger Bürger in der Talaue schaffen können. Eine weitere Chance ist vertan!

 

Kommentare sind ausdrücklich erwünscht!

Streit über das Projekt „Talaue 4.0“

Dieser Artikel war am 12. Mai 2016 in der Stuttgarter Zeitung zu lesen. Wir veröffentlichen ihn an dieser Stelle mit freundlicher Genehmigung der Autorin Annette Clauß.

Waiblingen Der Landschaftspark entlang der Rems soll im Hinblick auf die Remstalgartenschau 2019 aufgewertet werden. Über die Projekte hat nun der Gemeinderat teils kontrovers diskutiert. Insbesondere die „Kunstlichtung“ gefällt nicht jedem. Von Annette Clauß

Ziemlich turbulent ist eine Sondersitzung des Waiblinger Gemeinderats am Dienstagabend verlaufen: Das bestimmende Thema war dabei die Remstalgartenschau im Jahr 2019, für welche der Gemeinderat einen Masterplan mit knapp zehn Schwerpunktprojekten beschließen sollte. Deren Umsetzung, so schätzt man vonseiten der Verwaltung, wird rund 3,4 Millionen Euro kosten. Eine Summe, die so manchem Gemeinderat angesichts der künftig voraussichtlich wenig rosigen finanziellen Situation der Stadt großes Unbehagen bereitet.

Die Fraktion der Alternativen Liste (Ali) hatte daher beantragt, die Gesamtbaukosten der Stadt auf zwei Millionen Euro zu deckeln, die SPD-Fraktion forderte in einem Antrag, jede der Maßnahmen einzeln auf „Sinnhaftigkeit, Notwendigkeit und mögliches Einsparpotenzial“ zu prüfen.

Bernd Wissmann von der Bürgerliste Bittenfeld (BüBi) meinte: „Der Masterplan ist gut, aber die Kosten haben mich schon etwas schockiert.“ Heftig diskutiert haben die Räte insbesondere über die „Kunstlichtung“. Nach den Vorstellungen des Planungsbüros RMP aus Bonn sollen dazu als Ableger der Galerie Stihl auf einer großen Wiesenfläche in der Talaue mehrere Hundert Bäume kreisförmig gepflanzt werden. In deren Mitte soll so eine künstliche Lichtung geschaffen werden, auf der Lesungen oder Konzerte veranstaltet werden können. Kostenpunkt: rund 560 000 Euro.

Die Idee fanden nicht alle Gemeinderäte gut. Während Hans-Ingo von Pollern (CDU) die „Kunstlichtung“ als „hochattraktiv“ bezeichnete und Volker Escher (DFB) von einem „tollen Projekt“ sprach, verwies Alfonso Fazio (Ali) auf die Folgekosten bei der Pflege der Bäume und bezeichnete die bestehende Wiese mit ihrer Wildblumenpracht als „Schatz an sich“. Der Planer Stephan Lenzen betonte, die Wiese solle weiterhin maximal zweimal im Jahr gemäht werden, nur die Lichtung müsse öfter gekürzt werden. Seiner Vorstellung nach könnten die Besucher Letztere über einen Weg, aber auch aus allen Richtungen und quer über die Wiese erreichen.

Roland Wied (SPD) betonte, diese schöne Fläche in der Talaue sei eine Seltenheit, „ein Wert, den wir dann nicht mehr haben“.

Julia Goll (FDP) merkte an, eine mit Bäumen bepflanzte Fläche müsse nicht ökologisch wertvoller sein als eine Wiese: „Ich hätte da gerne mal die Meinung eines Naturschutzfachmanns.“ Im Hinblick auf andere Waiblinger Gartenschau-Projekte kritisierte sie „den Geist der Versiegelung, der sich durch diesen Masterplan zieht“. Bei Juliane Sonntag (SPD) fand die Idee der „Kunstlichtung“ Anklang, sie schlug aber vor, sie mehr am Rand der Wiese zu platzieren, denn diese sei erhaltenswert.

Der Oberbürgermeister Andreas Hesky reagierte ungehalten auf die Kritik. Er sieht die „Kunstlichtung“ als zentrales Element der Gartenschau, bei der die Talaue zur „Talaue 4.0“ werde, sprich „aufgewertet und ertüchtigt“ werden solle. Gerade wegen dieser „Kunstlichtung“ habe man doch das Büro RMP beauftragt, und wegen dieser „famosen Idee“ blicke „jeder mit Neid auf Waiblingen“. Auch bei der Bürgerbeteiligung habe es keinen Widerstand dagegen gegeben. Der Rathauschef setzte dem Gemeinderat quasi die Pistole auf die Brust: „Wenn wir das Thema nicht umsetzen sollten, ist ein Stück weit die Beauftragungsgrundlage für das Büro RMP weg.“ Im Übrigen habe die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung bereits eine Spende zwischen 300 000 und 500 000 Euro in Aussicht gestellt. Auch die Baubürgermeisterin Birgit Priebe konnte die Kritik nicht nachvollziehen – den Masterplan habe man doch bereits im Oktober diskutiert: „Warum sind Sie damals nicht auf die ‚Kunstlichtung’ eingegangen?“ Das wiederum sahen die Kritiker anders. „Es gibt da wohl ein Kommunikationsproblem“, sagte Julia Goll, „ich erinnere mich an durchaus kritische Stimmen zur ‚Kunstlichtung‘. Dass das ganze Projekt mit der ‚Kunstlichtung‘ steht und fällt, war nicht klar.“

Es habe ja auch andere Ideen zum Thema Kunst gegeben. So sei von einem Skulpturenpfad die Rede gewesen. Im Oktober habe man der Planungskonzeption zugestimmt – aber mit der Zusage der Verwaltung, „dass alles zur Disposition steht und wir alles noch diskutieren können“, sagte Alfonso Fazio. Seine Reaktion: „Ich lasse mich nicht erpressen.“ Die „Kunstlichtung“ wurde dann aber mit einer Enthaltung, 18 Ja-und elf Nein-Stimmen auf den Weg gebracht.

 

Kommentar: Fragwürdige Taktik

Überrumpelt Die Stadträte sind möglicherweise bewusst spät über die Projektdetails informiert worden. Von Annette Clauß

Die Talaue ist ein kostbares Stück Waiblingen – da sind sich alle einig. Und eines ist ebenfalls klar: Egal, wie man zur Idee einer Kunstlichtung steht, das Projekt, bei dem rund 300 Bäume gepflanzt werden, wird das vertraute Bild der weiten Wiesenlandschaft nachhaltig verändern. Insofern ist es richtig und wichtig, sorgfältig zu überlegen, ob das gewünscht ist. Und so muss ein Gemeinderat ausführlich darüber diskutieren dürfen. Dass sich zumindest ein Teil des Gremiums am Dienstagabend von der Verwaltung überrumpelt und unter Druck gesetzt fühlte, kann man als Zuhörer gut nachvollziehen.  Das Argument, man habe die Projekte bereits vor Monaten vorgestellt bekommen und genug Zeit zum Überdenken der Pläne gehabt, entspricht nicht ganz den Tatsachen. Die damals vorgelegten Entwürfe waren allenfalls Skizzen dessen, was eventuell sein könnte. Nachfragen wurden eher nebulös beantwortet, nach dem Motto: Wir sind ja noch ganz am Anfang.

Die entnervte Reaktion des Oberbürgermeisters auf die Kritik an der Kunstlichtung ist also nicht gerechtfertigt. Und die Behauptung, die Bürgerschaft stehe hinter dem Projekt, ein bisschen vermessen: Sie hat bislang ebenso wenig Details über das Projekt erfahren wie ihr Gemeinderat. Laut der Verwaltung hat das Landratsamt keine ökologischen Bedenken gegen eine Baumpflanzung in der Talaue. Die Wildblumenwiese, so die Planer, solle erhalten bleiben. Die Besucher aber sollen die Lichtung aus allen Himmelsrichtungen quer über die Wiese ansteuern. Man muss kein Landwirt sein, um zu wissen: Das ist das Ende einer Blumenwiese. Sobald das Gras höher steht, wird es niedergetrampelt. Es wird also öfter als bisher gemäht werden, was nicht zur Pflanzenvielfalt beiträgt. Eine Mehrheit der Gemeinderäte hat nach einer Diskussion entschieden, dass die Kunstlichtung wichtiger ist. Das ist legitim – und ganz im Sinne des Oberbürgermeisters. Trotzdem darf diese Taktik in Zukunft keine Schule machen.

 

Ich habe die Schnauze voll…

von Iris Förster

Tag für Tag gehe ich die Alte Rommelshauser Straße entlang und sehe in den Grünflächen und in den Beeten rund um die Bäume Müll liegen. Seit einer Woche stört es mich zunehmend, es scheint fast, als komme jeden Tag mehr Müll dazu. Leere Getränkeverpackungen, Bonbonpapierle und Plastiktüten – es lebe der Coffee to go, er hinterlässt wirklich seine Spuren in der Landschaft.

Ich kann und mag es nun nicht mehr sehen und so nutze ich am sonnigen Samstagvormittag eine freie halbe Stunde, bewaffne mich mit einem Greifer und einer Mülltüte und fange an aufzulesen. Und staune nicht schlecht. Auf dem kurzen Weg vom Kindergarten am oberen Ende des Friedhofes bis zum Containerstandplatz am unteren Ende kommen sage und schreibe 5 kg Müll zusammen. Plastik und Glas sammle ich auf, alles was farbig aus dem Grün hervorblitzt. Wollte ich auch noch die unzähligen Papierschnipsel auflesen, wäre ich heute noch nicht fertig. Aber Papier zersetzt sich ja schneller als Kunststoff – damit tröste ich mich und lasse es für dieses Mal gut sein.

Vielleicht hat es ja außer mir jemand bemerkt und sich daran gefreut, dann soll es recht sein – ansonsten freut es mich allein und ich kann morgen wieder in die Stadt gehen ohne mich ärgern zu müssen…

ASTAF-Nachlese

von Wolfgang Wiedenhöfer

Zumindest zwei Sachen gehören jedes Jahr zum ASTAF: die Gewitterfront, egal ob sie gnädig am Horizont vorbeizieht oder erbarmungslos die Stimmung verhagelt, und die Nörgler. Kaum ist die traditionelle Freitagabenddrucketse in den Altstadtgassen so richtig angelaufen, schon gibt’s erste Kritik in den sozialen Netzwerken: „Das Waiblinger Altstadtfest zeigt ein grauenvolles und erbärmliches Bild…“ „Das Altstadtfest wird immer langweiliger….“ „…das Mittelalter auch ganz nett. Der Rest dagegen echt fürn Arsch.“

Meine Einschätzung: Die Stimmung auf dem ASTAF 2015 war so gut wie immer (ist vielleicht auch ne Frage mit welchen Leuten man loszieht…) und das Angebot ist über die Jahre auch größtenteils unverändert. Früher gab‘s Grillfleisch, Rote, Pizza, internationale Leckereien, Bier vom Fass, Wein, Livemusik und am nächsten Morgen Schädelweh für Umme… Heute gibt’s Grillfleisch, Rote, Pizza, internationale Leckereien, Bier vom Fass, Wein, Livemusik und am nächsten Morgen Schädelweh für Umme… Also was soll die Diskussion?

Dass immer weniger Vereine mitmachen ist richtig. Liegt daran, dass keine Helfer mehr zu finden sind. Früher war man stolz darauf, wenn man als Waiblinger einen Verein oder eine Organisation hatte, bei dem man sich engagieren und mithelfen konnte: Aufbau, Abbau, Standdienst machen, Getränke verkaufen, was auch immer. Das war mindestens genauso wichtig wie das Feiern selbst. Heute ist nur noch schneller Unterhaltungskonsum angesagt – kommen, essen, trinken und wieder abhauen. Und wehe das (selbstverständlich kostenlose) Unterhaltungsprogramm passt dann nicht.

Klare Ansage an all die Motzköpfe auf Facebook, Twitter und sonstwo: Ich starte 2016 wieder einen Helferaufruf für den Heimatverein über die sozialen Netzwerke und freue mich schon über die ganzen Zusagen, dann können die Kritiker endlich mal zeigen, wie man’s besser macht…