Baubeginn in der Talaue

Jetzt wird’s ernst.
Die ca. 220 Pflöcke für die Bäume sind bereits gesetzt.
Das Bild entstand am 08.03.2017

Von den für die Kunstlichtung veranschlagten 540.000 Euro übernimmt übrigens die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung mindestens 300.000 Euro. Wen wundert es da noch, dass die Lichtung in Form des Grundrisses der Galerie Stihl Waiblingen gepflanzt wird?

Nachtrag:


Oh Schreck! Nichts ist ihnen heilig.
Die Kapelle für einen sterbenden Baum, die Helmut Stromsky 1995 im Zuge der Landeskunstwochen geschaffen hat, wurde heute im Rahmen der Baumaßnahmen für die Kunstlichtung entfernt. Auf Nachfrage beim Bauleiter der Firma Link mit Genehmigung der Stadt.

Die Stadtverwaltung spricht in ihrer Pressemitteilung vom Zahn der Zeit, der an dem Kunstwerk genagt habe. Die Standfestigkeit sei nicht mehr gegeben gewesen.

 

Dazu merkt Gerhard Kiunke aus Wailbingen an:

Sehr geehrter Herr Andreas Hesky

Kein guter Start für die unnötige Kunstlichtung.
Wieso kommt die Wahrheit nur auf Nachfrage und auch nur auf Nachfragen von Bürgern zutage? Und dann wieder nur scheibchenweise.
Es ist schon ein riesiger Unterschied, ob man lediglich sagt: „ die Standfestigkeit war nicht mehr gegeben“ oder „das Kunstwerk wurde bei den Bauarbeiten für die Kunstlichtung beschädigt, verlor dadurch seine Standfestigkeit und wurde beseitigt.

Wieso stellt man die Standfestigkeit nicht wieder her?
Wenn etwas beschädigt wird könnte derjenige auch dafür sorgen, dass es wieder in Ordnung gebracht wird.
Wer ist in diesem Fall verantwortlich?
Auch wenn Sie laut und deutlich betonen, dass dieses Naturkunstwerk nicht wegen der Kunstlichtung beseitigt wurde – ein Geschmäckle bleibt.

 

Abbruchhäuser – gelebtes Leben

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Unser Nachbarhaus musste einem Neubau weichen. Im Badezimmer ist derzeit Tag der offenen Tür.

März 2017, Iris Förster

Geschichten, die das Leben schrieb. Was hat sich wohl hinter den Wänden abgespielt bevor die Bewohner ausgezogen sind? Das Badezimmer ist doch eigentlich ein intimer Ort, hier wird alles öffentlich gemacht, indem die Wände eingerissen werden.

Auf anderen Bildern fehlt das schützende Dach, das Fachwerk ist entbeint, lediglich die beiden Fenster im Dachgeschoss schauen wie zwei Augen in die Nachbarschaft.
Schon lange faszinieren mich Abbruchhäuser. Hier eine Auswahl meiner Bilder aus Waiblingen zu sehen.

 

 

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Rückbau vor Abbruch

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Ehemalige Waiblinger Stadtgärtnerei. Heute steht an dieser Stelle das Mehrgenerationenhaus WoGe

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Abbruch in der Karlstraße

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Das alte Waiblinger Krankenhaus wird dem Erdboden gleich gemacht.

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Abbrucharbeiten am Waiblinger Krankenhaus

Wer braucht so ein pseudo-begrüntes Hochhaus?

Wenn schon ein Hochhaus auf der Korber Höhe, dann muss es ein begrüntes sein. So lautete der Beschluss, den die Mitglieder des Planungsausschusses des Waiblinger Gemeinderats im Januar 2016 einstimmig gefällt hatten. Der knapp 60 Meter hohe „grüne Daumen“, an dessen Fassaden Bäume, Sträucher, Stauden und Bodendecker wachsen und für ein gutes Mikroklima sowie Sonnenschutz sorgen, soll auf einem städtischen Grundstück im Wohngebiet Korber Höhe entstehen. Das 4700 Quadratmeter große Areal war vor vielen Jahren als Standort für einen Wohnturm vorgesehen worden – gebaut wurde bislang aber nichts.

Ende April hatte die Stadtverwaltung das Grundstück in regionalen und überregionalen Zeitungen ausgeschrieben, neun Bewerbungen waren eingegangen. Jetzt gab es Misstöne im Waiblinger Gemeinderat wegen des grünen Hochhauses: Dass die Verwaltung einen Investor zum Favoriten erklärt hatte, stieß manchen Räten sauer auf. Nun ist ein Zweitbewerber wieder im Rennen- und die Entscheidung erstmal vertagt. Anlass für Korber-Höhe-Bewohner Karl Hussinger, dazu grundsätzlich Stellung zu nehmen:

So ähnlich könnte der „grüne Daumen“ aussehen. Hier der Entwurf der Architekten Steinhoff/Haehnel mit der GSG Gruppe Stuttgart als Investor.

So ähnlich könnte der „grüne Daumen“ aussehen.
Hier der Entwurf der Architekten Steinhoff/Haehnel mit der GSG Gruppe Stuttgart als Investor.

 

Herr Kasper (CDU) hat recht mit seinen Bedenken bzgl. des „Grünen Hochhauses“. Ein solcher Bau ist mit hohen Risiken verbunden, und so ist es mehr als verständlich, von den Investoren Sicherheiten zu verlangen.
Schauen wir uns die Fakten an:
1. Die Korber Höhe gilt  in Waiblingen nicht als bevorzugtes Wohnviertel. Das sieht die Stadt wohl auch so – wie wäre es sonst zu erklären, dass der Grundstückspreis für den Investor  deutlich unter den Empfehlungen des Immobilienspiegel der KSK liegt?
 2. Die Lage des Hochhaus ist wahrlich „einzigartig“. Wer eine Nord/Ost Wohnung erwirbt, genießt einen wunderbaren Ausblick auf die nur wenige 100 Meter entfernten Hochspannungsleitungen und eine Bundesfernstraße. Macht er das Fenster auf, spürt er das Knistern der Leitungen und  genießt das Rauschen der B14. Der mittlere Quadratmeterpreis für den Wohnungskäufer wurde mit 5750€ benannt. Teure Aufzüge, aufwendige Haustechnik und Grün-Pflege werden die Nebenkosten sicher nicht günstig machen.
3. Aber auch für die Bürger Waiblinges gibt es Risiken – denn über die Umbaukosten des Heizkraftwerk soll erst noch mit dem potentiellen Investor gesprochen werden. Trotzdem zaubert der OB eine Zahl für den Umbau der Kamine aus dem Hut. 100.000€ soll dies kosten. Aber benötigt eine solche Kamin-Rohrverlegung, erst waagrecht, dann senkrecht, nicht auch noch ein Saugzuggebläse, Installationsräume und entsprechende Technik? Allein der Nettowohnflächenverlust über 19 Stockwerke würde den Investor mehr als 100.000€ „kosten“. Erfahrungsgemäß versuchen Investoren solche Kosten auf die Allgemeinheit – hier Stadtwerke und Verbraucher – abzuwälzen
Deshalb war es richtig, nicht nur mit einem Investor zu verhandeln. Wer aber braucht ein solch pseudo-begrüntes Hochhaus? Es ist weder ökonomisch noch ökologisch und schon gar nicht sozial. Es ist einfach nur unnötig.
Noch ein Wort zur SPD: Sie sollte in ihren alten Parteiprogrammen blättern, dort würde sie Begriffe wir „Gemeinnütziger Wohnungsbau“ finden. Vielleicht würde sie sich dann erinnern, wer ihre Stammwähler waren.
 
Karl Hussinger

 

Feinstaub – und das Remstal als Staubsauger Stuttgarts?

Genaue Daten gibt es nicht- deshalb kann man sich jetzt mit dem OK Lab Stuttgart für 30 Euro sein eigenes Feinstaubmessgerät bauen

Von Gisela Benkert

Das Remstal, so geht der alte Spruch, „ist der Staubsauger Stuttgarts“. Klingt lustig? Eher nicht: Seit Monaten ist Feinstaub-Alarm am Stuttgarter Neckartor. Und wohin zieht der Dreck von „Deutschlands schmutzigster Ecke“, wie bundesweit die Medien geißeln? Nach der Staubsaugertheorie zieht er erstmal nach Waiblingen und dann ins Remstal. Bloß: So richtig nachmessen will das bisher keiner. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Wir schnaufen also brav weiter den Stuttgarter Feinstaub ein und wenn die Kehle rau wird und der Hals kratzt und man die Fenster stundenlang nicht mehr aufmachen kann – auch, weil drumherum alle ihre gemütliche Holzöfen befeuern- dann ist das misslich und sicher auch krankmachend. Aber: Nix Genaues weiß man nicht.

Das will das OK-Lab Stuttgart jetzt ändern. „Luftdaten selber messen“ ist der Plan, für rund 30 Euro (bei bequemer Sammelbestellung 35 Euro wegen der Kosten für den Zoll > s.u. ) kann sich jeder, technisch perfekt, ein eigenes Feinstaubmessgerät ans Haus hängen.
Auf Einladung der Waiblinger Grünen hat Lab-Aktivist Frank Riedel jetzt im Grünen Büro in der Mayenner Straße einen Vortrag zum Do-it-yourself- Datensammeln gehalten. Denn, so sagt er, „in Waiblingen ist noch kein einziges unserer Messgeräte am Netz“. Gebastelt wird es dann bei einer zweiten Veranstaltung am 22. März, in 25 Minuten soll alles fertig sein („einfach sieben Kabel einstecken“), wer Lust hat, kann sich noch anmelden. (Mehr Infos dazu ganz unten.)
Hängen die Teile erstmal daheim am Haus, senden sie umgehend ihre Werte ins Netz, ständig einsehbar im Internet unter www.luftdaten.info

Das ist erstmal super innovativ und ein bisschen freaky- bloßes Sammeln bringt uns aber nicht weiter. Das ist ja alles sehr spannend und technisch brilliant und hat bereits weltweit Interresse erregt, weil’s so einfach ist und so bestechend – aber was soll der Datenwust dann bewegen?

Frank Riedel,  der Feinstaub-Versteher

Frank Riedel, der Feinstaub-Versteher, erklärt das Prinzip des Messgeräts für Jedermann, Top-Technik zum Nachbauen im Waiblinger Workshop im März. Bild: I. Förster

Genau diese Diskussion hat Frank Riedel in Waiblingen überrascht: „Die Leute, die ich hier getroffen habe, wollen zu den Sensoren und den Daten zwingend auch die politische Diskussion.“ Wie belastet ist Stuttgart an den schlimmsten Tagen, was zieht wohin, wieviel landet bei welcher Windrichtung und welchem Verkehrsaufkommen im Remstal – und kann man dann womöglich immer noch einen Nordostring bauen zwischen Waiblingen und Fellbach, wie es der Waiblinger Oberbürgermeister Hesky bei jeder Gelegenheit fordert? Mündige Bürger wollen jetzt einfach mal in Waiblingen messen. Wollen Wissen sammeln und Druck ausüben, wenn nötig.

Die Politik steckt ja offenbar noch den Kopf in den-Feinstaub. Beispiel Silvester, der hausgemachte Feinstaub. „Das sprengt jede Deadline“, hat Frank Riedel an vielen Messstellen festgestellt, „und es dauert Tage, bis der Dreck wieder raus ist“. Er will jetzt nicht mehr und nicht weniger „als ein Netz übers Land legen“. Eine einzige landeseigene Messstelle gibt es in Stuttgart – aber 300 private über Riedels Lab sind das Ziel. „Wir nehmen jeden Standort“, sagt Riedel, „wir wollen nicht nur schmutzige, sondern gern auch mal schöne Werte“.

Zur Info: Am 22. März 2017 um 19 Uhr gibt es im Grünen Büro, Mayenner Straße 24 noch mal eine Einführung von Frank Riedel, ab 20 Uhr werden die Bausätze gemeinsam zusammengebaut. Wer für 35 Euro einen Bausatz bestellen will, schickt eine Mail an iris.foerster@gmx.de. Deadline für die Sammelbestellung ist der 15. Februar.
Alle Infos zum Projekt findet man auch unter www.luftdaten.info und unter www.riedelwerk.de

Waiblingen hätte es verdient

oder: Die Unfähigkeit zur Bürgerbeteiligung

„L’art pour l’art“ hat Théophile Gautier Mitte des 19 Jahrhunderts geschrieben. Jean Ziegler nimmt dieses Wort in seiner nicht-gehaltenen Festspielrede von 2011 in Salzburg auf und fährt fort: „Die These von der autonomen, von jeder sozialen Realität losgelösten Kunst, schützt die Mächtigen vor ihren eigenen Emotionen und dem eventuell drohenden Sinneswandel.“. Weiter hätte er in dieser Rede ausgeführt: „Das Kapital ist immer und überall und zu allen Zeiten stärker als Kunst“. Fällt einem da nicht umgehend auch die Kunstlichtung in der Waiblinger Talaue ein?

Immer mehr Menschen fühlen sich mit unserer Demokratie nicht mehr in Übereinstimmung und sind unzufrieden. Deshalb wird es immer wichtiger, interessierte Menschen in einer Stadt für einen offenen Meinungsbildungsprozess – auch Bürgerbeteiligung genannt – zu gewinnen. Eine solche Einbindung schafft die Chance, politische Entscheidungsprozesse bürgernäher, transparenter und glaubwürdiger werden zu lassen. Dabei wird gar nicht in Frage gestellt, dass nur gewählte politische Gremien die verbindlichen politischen Entscheidungen zu treffen haben. Wir haben jedoch die Sorge, dass sich immer mehr Bürger entweder von der Politik abwenden oder sich zum Teil neuen, demokratiefeindlichen Parteien und Gruppierung zuwenden.

 

Wir wollen den ernsthaften Dialog

Wer Kritik übt, wird gerne in die Ecke der „ewigen Neinsager“ geschoben. Mit diesem Vorwurf können wir wenig anfangen. Wir haben uns auch in der Vergangenheit immer wieder für ein lebendiges, demokratisches Zusammenleben in unserer Stadt eingesetzt und werden dies auch in Zukunft tun. Wir wollen den ernsthaften, auf Augenhöhe geführten Dialog, auch und gerade über strittige Themen.

Deshalb stellen wir gerade jetzt, kurz vor ultimo, erneut die die so genannte Kunstlichtung in Frage, ein künstlich erzeugtes Gebilde mitten in einer Wiesenlandschaft, die für sich selbst schon wie eine große Lichtung wirkt.

Diese Kunstlichtung soll das Alleinstellungsmerkmal der Remstalgartenschau in Waiblingen werden. Wie ein Mantra wird immer wieder gesagt, dass sie in einer Bürgerbeteiligung entwickelt worden wäre. Stimmt nicht. „Metaplan oder world-café“ ersetzen keine wirkliche Beteiligung, wenn dann die Kärtchen einfach in der Schublade verschwinden. Schon gar nicht mit vielleicht einem Dutzend Beteiligter. Jede ernsthafte Beteiligung von Bürgern setzt die Bereitschaft  voraus, die Dinge auch ganz anders zu regeln als ursprünglich gedacht. Diese Offenheit muss sich Politik erarbeiten.

Zweck einer Bürgerbeteiligung darf es eben nicht sein, Vorhaben nur irgendwie zu legitimieren oder Akzeptanz für das umstrittene Projekt „Kunstlichtung“ zu beschaffen. Genau dies war der Fall. Die Verwaltung hatte die Planung bereits fertig und suchte nur schnelle Akzeptanz, um ihr Vorhaben möglichst reibungslos durchzubringen. Den Bürgern wurde vorgegaukelt, sie hätten mitreden dürfen. Dies und die Wahl des Standortes führten zu kontroversen Diskussionen im Gemeinderat und in der Öffentlichkeit. Bis heute beschränken sich die Befürworter außerhalb des Gemeinderates und der Verwaltung auf wenige Bürger  und Landschaftsplaner. Zahlreiche Bürger und Vertreter des NABU und BUND brachten hingegen gut überlegte und fundierte Argumente gegen diese Kunstlichtung und ihren Standort vor. Niemand wollte sie hören. Sie störten eher. Niemand erkannte die Chance eines Dialogs mit dem Ziel einer besseren Lösung. Zwei weitere Führungen durch die Verwaltung hatten ganz und gar nicht den Charakter von Beteiligung, sondern waren der untaugliche Versuch einer Erklärung der längst gefallenen Entscheidung. Insgesamt fehlte der ernsthafte Versuch, ein Dialogforum für Lösungen mit offenem Ausgang zu schaffen.

 

Wohin steuert unsere Stadtdemokratie?

Auf diesem Hintergrund hat sich eine Entwicklung unserer Stadtdemokratie ergeben, die nachdenklich stimmen muss. In der jüngsten Haushaltsdebatte wurden im Gemeinderat Beschlüsse – auch  gegen die Verwaltung – gefasst, die widersprüchlicher nicht sein könnten und ihre Spuren hinterlassen werden. Dieser Haushalt, der Verdacht drängt sich auf, scheint in Teilen auch eine Abrechnung zwischen Mehrheitskoalition und Verwaltung zu sein – auf dem Rücken der der Bürgerschaft.

Wir sehen in diesem Haushalt 2017 und darüber hinaus  keinen echten, zukunftsweisenden Plan für unsere Stadt Waiblingen, keine Haltung, kein Versprechen an diese Stadt, Zukunft gemeinsam zu gestalten und dafür ein Forum zu schaffen. Gerade die Projekte der Remstalgartenschau, die von allen ja grundsätzlich gewollt wird, hätten so zum Lehrstück für eine bürgernahe und damit nachhaltige und akzeptierte Politik werden können. Waiblingen hätte es verdient.

Es ist höchste Zeit, darüber nachzudenken.

Waiblingen, 31. Januar 2017
Gisela Benkert – Jürgen Blocher – Iris Förster – Dr. Alfred Jencio
Konrad Knöner  – Siegfried Künzel – Klaus Riedel  – Dr. Hansjörg Thomae

Jesuslatschen als Unterwanderstiefel

Von Gise Benkert

Laudatio auf ein Geburtstagskind
Marktgespräche oder: Wie Frieder Bayer die Waiblinger Welt ein bisschen besser macht

Ein Mann hält Hof. Er sitzt auf dem Mäuerle vorm Marktdreieck, leicht vornübergebeugt. Das kommt von der Last auf den Schultern. Aber auch vom Schalk im Nacken. Er ist ein großer, stattlicher Mann in grobem Strick mit mächtigem Kinn und viel Haar ums Gesicht. Wenn jetzt der Regisseur von Oberammergau vorbeikäme, könnte der ihn vom Fleck weg engagieren. Nicht als Messias, so weit sind wir noch nicht. Aber als Mensch mit Passion.

Der Duden erklärt Passion als „leidenschaftliche Neigung zu etwas“. Dieser Mann will nicht mehr und nicht weniger als die Welt ein bisschen besser machen am Samstagmorgen auf dem Waiblinger Wochenmarkt. Ein Heilsbringer zwischen Hauswurz-Setzling und Hustenanfall. Predigen muss er zum Glück nicht, dafür ist er zu maulfaul. Aber die Leute kommen zu ihm und fragen. Allerlei zwischen Fassadenbegrünung, Schweizer Wohnbaugenossenschaften und dem nächsten Termin vom Streuobstmobil. Grad steht eine Frau da und will wisssen, welches Wurm-Mittel sie ihrem Esel auf Sardinien verabreichen soll. Marktgespräche mit Frieder Bayer.

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Das Wurmmittel hat er nicht gewusst, aber einen, der’s weiß. So gehen sie alle zufrieden von hinnen, froh, dass es so einen gibt. Frieder Bayer ist „authentisch“. Will heißen: Da lebt einer, was er schwätzt. Und das voller Lebenslust und knitzem Charme – erstmal gut versteckt hinterm Alltags-Waldschrat mit nackten Füßen und Schlafaugen auf Halbmast.

Frieder Bayer ist gelernter Landschaftsgärtner, hat Gartenbautechnik studiert, eine Ausbildung zum Waldpädagogen gemacht und lebenslang vom Kollektiv geträumt – „des isch end Hos ganga, i han gschafft ond andere hends verbraucht“.

Keimzelle aller Kollektive war mal seine Männer WG im Endersbacher Biegel. Die Mit-Bewohner Günne, Matte und Hardy schwärmen noch heute von den Schimmelpilzkulturen in der Küche. Und von Frieders „grüner Höhle“, einem dermaßen zugewachsenen Zimmer, „dass er sich morgens regelrecht rauskämpfen musste“. Mag auch damit zusammenhängen, dass das Kollektiv sich nächtelang dem „Risiko“-Spiel hingab. In der Früh „send die andere no ens Bett ond i end Schul“. Das konnte nicht gutgehen – „ich hab in der WG meine Fachhochschulreife verzockt“. Vollends, als ihm ein Lehrer bei der Matheprüfung indiskutable Fragen stellten. „Sie wissed doch genau, dass i des ned woiß“, hat er ihn beschieden. Klarer Fall von Leistungsverweigerung – und tschüss.

Die akademische Karriere war perdu, ned weiter schlimm. Dem grünen Zimmer entwachsen, sattelte er um von Flora auf Fauna: „Ich wollte Schäfer werden“. Er heuerte an auf dem Finkhof-Kollektiv im Allgäu, das war damals noch ziemlich romantisch, heute ist der Finkhof ein profitorientieres Unternehmen im gehobenen Biosegment. Und außerdem: „Da päppelt man die Viecher und dann frißt man sie.“ Bayer war bald wieder daheim im Remstal. Kollektiv-kuriert hat er geheiratet und wurde zum Privatunternehmer.

Vom Absatz der bescheiden übern Marktkistlesrand guckenden Sedum (vulgo Fetthennen) kann er natürlich nicht leben. Die sind eher Lockstoff für neue Gesamtkundschaft, Bayer pflegt diverse Gärten und Stückle, nur bei Försters in Schnait will er nicht mehr mähen: „Zu viele Hornissen“. Die machen ihm tierisch Angst, „des send Aasfresser“.

Seit 20 Jahren stehen Bayers Saatgüter und Setzlinge ganz beiläufig an der Seitenflanke vom Buch-Hess und meist steht er selber gar nicht dabei. Frieder Bayer ist ein Flaneur, man trifft ihn beim Staiger und beim Häußermann, da klopft er den aktuellen Geschäftsklimaindex ab, schließlich ist er Sprecher der Waiblinger Marktbeschicker und dass die just ihren vermeintlich größten Schweiger dazu gemacht haben, spricht Bände. Bei all seinem Öko-Absolutismus beherrscht er auch das pragmatische Dünnbrettbohren. Und Angst vor der Obrigkeit ist ihm so fremd wie, sagen wir mal, die Fußnagelschere.

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„Der kommt sowieso bloß uffda Markt zom Schwätza“, sagen sie ihm nach. Stimmt so nicht ganz- erst muss man ihn ansprechen. Was er denn vom grünen Ministerpräsidenten Kretschmann halte, fragt gerade ein Ehepaar. Bayer hält es mit Tucholsky: „Sie dachten, sie seien an der Macht, dabei sind sie bloß an der Regierung“. Das Paar blickt ratlos und schickt schnell die S-21-Frage hinterher. Langes Schweigen, und also spricht Frieder Bayer: „Das ist ein bisschen wie beim Neckar-Fils-Kanal“. Äh-ja … dessen Trasse, so geben wir jetzt mal im Zeitraffer wider, sei einst im 18. Jahrhundert geplant gewesen, sogar mit einem riesigen Schiffshebewerk. Erst Lothar Späth hat diese Trasse wieder aus dem Plan gestrichen – hundert Jahre war sie freigehalten worden. „So ist das mit Großprojekten, die sind längst vorbei und man hält unverdrossen an ihnen fest“. Klingt das resigniert? Nö, Bayer at it’s best: „Die baued halt jetzt, ob’s nachher funktioniert, wird man sehen“.

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1979 am Rhône-Strand in Saintes-Maries-de-la-mer. Ein paar junge Leute und die Frage: „Was welled mir em Läba?“ Jung-Frieders Credo: „Ich will dafür sorgen, dass die Gesellschaft sozial gerecht und im Ausgleich mit der Natur lebt“. 1984 hat er Brunnen gebaut für ein kleines Dorf in Nicaragua, 93 hat er im Bosnien-Krieg auf der Insel Brac bei Split Flüchtlingslager winterfest gemacht und mitgeschafft bei einem internationalen Projekt zur Kinderbetreuung in einer alten Disco. Das waren die einzigen Ausreißer aus dem Remstal lebenslang.

Daheim hat Frieder Bayer längst den Marsch durch die Institutionen angetreten. Ganz im Sinne von Gewerkschaftsboss Willy Bleicher: „Wer was ändern will, muss in Ämter gehen – aber immer schauen, dass die Ämter ihn nicht verändern“. Draus geworden ist ein Fall von Ämterhäufung, der seinesgleichen sucht. Gewählt, abgewählt, wiedergewählt oder auch nicht – kompromisslose Maximalforderungen versus diplomatische Geschmeidigkeit.

Aus der Bezirksjugendgruppe der Gewerkschaft Gartenbau- Land- und Forstwirtschaft wurde er rausgedrängt, „weil ich die Arbeiterselbstverwaltung gefordert hab statt der Mitbestimmung.“ Zusammen mit Martin Kuhnle, Susanne Fauth-Rank und Harald Beck („wir waren die Ifa“) hat er von Gmünd aus Mutlangen-Demos organisiert. „Bis die Cracks aus Frankfurt kamen mit Pressehütte und so“ und die einheimischen Handgestrickten professionell überrollten.

Bayer war mal Sprecher im Kreisverband der Jugendzentren, „aber wir wollten das alles politischer“. Beispiel Drogen: „Wir haben damals gefordert, was heute Sache ist: 60 Experten sind beim Kreisjugendring angesiedelt“. Aber damals „war das halt noch eher ein Reise- und Spaßunternehmen“. Einen Tag vor der Bundestagswahl 1983 ist er bei den Grünen eingetreten, „ich wurde immer abgewählt im Kreisvorstand und nach einem halben Jahr wieder reingewählt“. Streitpunkt unter anderem: Bedürfnislohn oder Bedarfslohn. Im Protokoll stand „Vorstand: fünf Mitglieder und Frieder Bayer“.

Talauenbeweidung mit Hinterwäldlern, Jugendfarm auf dem Finkenberg, das Züchten weißer Tomaten und blauer Kartoffeln im Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt: Wo’s kreucht und fleucht und grünt in der Stadt hat Bayer seitdem Herz und Finger drin.

„Zauselbart mischt IHK auf“ hat unlängst eine Zeitung getitelt. Wider die gut vernetzten Strippenzieher aus der Großwirtschaft sitzt neuerdings auch ein Landschaftsgärtner in Birkenstöckern neben den Bossen von Kärcher und Stihl.

Jesuslatschen als Unterwanderstiefel: Ein Pro S-21-Werbebanner an der Fassade des Stuttgart-Sitzes der Industrie- und Handelskammer, dazu im Serviceangebot eine Schulung für Geschäftsführer „Wie verlagere ich meine Firma effektiv ins Ausland“ – das war zuviel. Ein paar kleine Wutunternehmer haben sich zur „Kaktusgruppe“ zusammengestupft. Für die anderen, die Großen und Etablierten, waren sie bloß eine Handvoll Bürger mit Gewerbeschein. Jetzt sitzen sie, handstreichartig reingewählt, mit drin in der Bezirksversammlung und stellen freche Anträge. Zum Beispiel den nach öffentlichen Sitzungen. Wir nehmen, sagen sie treuherzig, „bloß unser demokratisches Recht wahr“. Bayer glucksend: „I fend’s halt luschdig“.

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Nicht immer vergnügungssteuerpflichtig: Frieder Bayers Ehrenamt als Gemeinderat der Grünen. Er hat für die Bebauung des Wasens gestimmt und damit fürs Fällen der uralten Baumriesen, „das kratzt mich immer noch“. Gruppendruck? Zuviel kommunalpolitischer Pragmatismus? Sein Kopf geht zur Seite, verschwindet fast zwischen den Schultern. Das Schweigen dauert. „Ich frage mich schon, wo ich manchmal mehr erreicht habe, hintenrum oder offiziell.“ Schweigen, lange. „Oifach isch des ned“. Immer alles nach drei grünen Kern-Kritereien abzuklopfen: „Umweltschutz, Soziales, Wirtschaftlichkeitsfaktor – Nachhaltigkeit eben.“ Und die ist dehnbar in viele Größen. Bayer nennt ein Beispiel: Parkdeck bauen oder lieber eine Biogas-Mais-Monokultur anlegen? Auf den ersten Blick vielleicht ein klarer Fall- auf den zweiten mitnichten: Stichwort Artenvielfalt – „um das Parkhaus kann sich was entwickeln, beim Mais ned“.

Und nun, Herr Bayer? Haben die Ämter ihn verändert? Er drückt seine Zigarette aus im Marktkistle zwischen Sedum und Sempervivum. „Es hat sich sehr viel bei mir verändert. Wir sind alle älter geworden und angepasster. Aber heute werde ich von den Leuten angesprochen und ernst genommen“.

Dieser Artikel von Gise Benkert ist 2013 in der ersten Waiblinger Wundertüte (ISBN 978-3-938812-20-4) erschienen. Das Buch gibt’s in jedem Buchladen oder direkt hier

dsc_0318Frieder Bayer feiert am Wochenende seinen 60. Geburtstag.
Wir gratulieren (mit Sonnenblumen – passend zum Parteibuch) aufs Allerherzlichste!!!

Eine Pressemitteilung des NABU

19.12.2016

Mit Interesse nimmt der NABU die in der WKZ (Artikel „Gesamte Talaue ist eine Idee von Planern“ vom 8.12. ohne Autor!) zitierte Stellungnahme von Planer Lenzen zu seinem Produkt Kunstlichtung zur Kenntnis. Offenbart Sie doch in exemplarischer Weise, wie wenig sich Herr Lenzen mit den Realitäten vor Ort beschäftigt hat. Natürlich sind die Wiesen in der Remsaue ein Produkt menschlicher Aktivitäten. Aber anders als die sinn- und zweckfreien Ideen von Kunstlichtung oder Remskuben ist diese landwirtschaftliche Wiesennutzung eben Teil unserer gewachsenen Kulturlandschaft. Und diese Kulturlandschaft entspringt eben nicht dem Kopf eines Planers, wie Herr Lenzen behauptet, sondern den dortigen Bewirtschaftungsformen. Ältere Mitbürger erinnern sich noch an die vergangenen Zeiten, als in der Talaue nach der zweiten Mahd überall Jungkühe bis zum Ende der Vegetationsperiode geweidet haben.

Aus der gekränkten Äußerung von Planer Lenzen hinsichtlich der Kritik an seinen landschaftsarchitektonischen Projekte spricht in erster Linie die Selbstherrlichkeit des Architekten, der sich selbst in der Rolle des Gestalters der Landschaft sieht. Hier wären etwas Demut und die Rückbesinnung auf Sinn und Zweck seiner Profession durchaus angebracht. Eine Planung ohne Rücksicht darauf, was die Menschen vor Ort kennen und lieb gewonnen haben, geht ins Leere und kann mit Fug und Recht als Fehlplanung bezeichnet werden.
Die Kunstlichtung als ein „künstlerisches, landschaftsarchitektonisches, natürliches Pendant“ wohl zur Galerie Stihl zu bezeichnen, geht doch einigermaßen an der Realität vorbei. Ein Pendant liegt dann vor, wenn die Entsprechung dazu unmittelbar wahrnehmbar ist. Hier liegt die Entsprechung in 2 km Entfernung… Der rein virtuelle Bezug springt nicht nur zu kurz, sondern ins Leere! Was dieses Pendant mit „natürlich“ zu tun haben soll, erschließt sich bei einer Pflanzung von hunderten genetisch mutierter Silberweiden schon gar nicht. Ohne ständigen Schnittbedarf kommt diese zur Staffage verdammte Ansammlung von Bäumen ohnehin nicht aus.

Herrn Lenzen wäre zu empfehlen gewesen, sich einmal die Rems anzuschauen. Es gibt hier Bedarf ohne Ende, den künstlichen Verlauf wieder naturnah zu gestalten. Zwischen Schwäbisch Gmünd und Neustadt bietet die in den 20er Jahren kanalisierte Rems durchweg ein Bild des Jammers. Da wird es vollends unverständlich, dass bereits vorhandene Planungen, etwa der „Waiblinger Wasserwege“ zwischen Häckermühle und Neustadt nicht für die Gartenschau aufgegriffen wurden. Zu tun gäbe es da genug. Da braucht es keine absurden Kunstprodukte wie Kuben und Lichtungen.

Zu 2. Artikel in WKZ (ebenfalls ohne Autor): „Stadt weist Kritik vom NABU-Chef zurück“.
Wir sehen uns zu einer Klarstellung veranlasst: Der NABU lehnt die Kunstlichtung prinzipiell ab – als lokal unangepasstes Artefakt, ohne künstlerischen Wert und ohne faktischen Wert für die Erholung der Bürger.

Ob Argumente noch helfen können?

NABU Waiblingen:

Keine Zerstörung der Talauenwiese durch eine fixe Planeridee!

Nachdem wieder und wieder viele Bürger von Waiblingen, Besucher der Talaue auf die beruhigende Weite und die Schönheit ihrer Talaue, so wie sie jetzt ist, hingewiesen haben und selbst unsere Verwaltung nun ins Grübeln kommt, ob dieses Kunstobjekt so eine gute Idee ist wird nun – in die Defensive geraten – die Kunstlichtung ziemlich hilflos und willkürlich die hin und her geschoben. Mal mehr in Richtung Rems, dann in Richtung der Rundsporthalle.

Nachdem die ursprüngliche Silberweiden-Baumzahl von 400 auf 200 eingedampft wurde und man aus den Silberweiden nun Hochstammbäume einer gärtnerischen Weiden-Zuchtform machte, ist klar geworden: Dieses Kunstwerk ist eine fixe Planeridee, die man am besten sterben ließe.

Es gibt nichts Zwingendes und keine Verpflichtung, daran festzuhalten. Fehler kann man sich eingestehen, das ist nicht ehrenrührig. Der Verweis auf die demokratische Abstimmung ist fragwürdig, wenn man weiß auf welcher spärlichen Informationsgrundlage vor einem halben Jahr abgestimmt wurde. Konnten die Gemeinderatsmitglieder die schönen Pläne wirklich verstehen?

Inzwischen hat sich gezeigt:

  • Nachweis: die Bäume – wenn man sie denn wachsen läßt – passen gar nicht in die verfügbare Fläche
  • Nachweis: Die Kunstlichtung ist gar keine Lichtung, sondern ein Hain aus auf 3 bis 4 m Höhe aufgeasteten Silberweiden der gärtnerischen Zuchtsorte Salix alba var. –
  • Die zündende Idee (entstanden aus einer Computerplanung), dass hier ein künstlerisches Pendant zur Stilhgalerie in 1 km Entfernung geschaffen wird, kann nur von einem einsamen Graureiher in Erfahrung gebracht werden, der drüber fliegt.

Jetzt eine kleine Nachhilfestunde zur Wiese.

„Die Wiese bleibt doch erhalten … selbst, wenn im Oval der Kunstlichtung zeitweise Blumenpflanzungen während der Gartenschau angelegt werden; langfristig bleibt die Fläche ja eine Wiese. Wege und befestigte Flächen sind nicht vorgesehen“ (zitiert nach Frau Priebe)

 Jedem Waiblinger, der ein wenig Bodenkontakt hat und noch ein bißchen Ahnung von Landwirtschaft hat, weiß was eine Wiese ist. Eine Wiese wird 2 bis 3x im Jahr im Langschnitt gemäht, für Heu oder Gras. Sie besitzt zweimal im Sommer, im Juni wenn die Kräuter hochstehen und dann nach 8 Wochen im August, einen „Blühhorizont“ für Schmetterlinge, Hummeln, Bienen usw…

Tatsächlich: Solch eine blumiges Gesprengsel hat uns der Landschaftsarchitekt in die Planvisualisierung eingefügt: Ein getupfter Blütenteppich unter den Bäumen! dazu idyllisch lagernde Personengruppen, Familien, Kinder –  frei nach dem impressionistischem Vorbild vom Frühstück im Grünen. Das ist aber eine Täuschung.

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Die Realität sähe ganz anders aus.

  • Allein, um das (für alle überraschende) geplante Betonband in Form des Grundrissovals der Stihlgalerie von ca. 50 m Längsdurchmesser anzulegen, wird mit Baggern ein 1,2m tiefer Graben ausgehoben. Der Erdaushub muß gelagert werden, mit Bagger und Raupen über die Fläche abtransportiert und auf den Parkwegen abgefahren werden. Im Graben wird eine Holzverschalung verlegt. Ein LKW fährt den fertigen Mischbeton über die Fläche bis an den Schalungsgraben und füllt den Graben.
  • Als Nächstes stünde die Pflanzung der 200 Großbäume an mit Pflanzguben, Bodenaustausch, Pfosten…
  • Für die Großbäume werden auf der ganzen Fläche Pflanzgruben von 2m x 2m x 1m Größe mit Baggern ausgehoben, der Aushub gelagert und zum Teil abtransportiert.
  • Bäume werden mit LKW angeliefert und gepflanzt. Pfosten zur Sicherung der Großbäume werden gesetzt bis der Stangenwald steht. Von einem Abstand von 4 m war letztens die Rede.

Wie sieht jetzt die Baustelle aus?

Was wurde inzwischen aus der Wiese?

Niemand soll sagen, er hätte das nicht gewußt: Aus der Talauenweise wird eine verdichtete, vielfach zerfahrene  lehmige Erdfläche, blanker Boden mit zerfurchten Resten der alten Grasnarbe.

Darauf wächst so schnell keine Wiese mehr. Nur mit großem Aufwand kann man wieder etwas ansäen.

Lagern, Picknick, spielende Kinder … das verträgt keine Blumenwiese. Die Planvisualisierung ist eine Täuschung. Da die Fläche ja bürgernah genutzt und betreten werden soll: Dichterlesung, Kunstevents, Gottesdienst im Grünen…..wird es ein Rasen:

  • ein Scherrasen
  • ein Trittrasen
  • ein Sportrasen

aber sicher keine Wiese.

 Haben Sie das alles bedacht?

Kunstlichtungswahnsinn

27.09.2016, Iris Förster

Die für die Gartenschau 2019 angedachte Kunstlichtung entpuppt sich immer wieder als riesengroßes Ärgernis. Die Ideen der Planer haben wenig mit der Realität und natürlichem Baumwuchs zu tun. Im Gegenteil: Es geht darum, mitten auf einer freien Wiese Bäume zu pflanzen, um eine Lichtung zu erzeugen. Schilda liegt offensichtlich ganz nah bei Waiblingen.

Bruno Lorinser vom NABU Waiblingen verdeutlicht auf einer Zusammenstellung, was es heißt, 225 Silberweiden auf die vorhandene Fläche zu verteilen.

plan-1Die im Plan hellgrün markierte Fläche
steht für die Kunstlichtung theoretisch zur Verfügung.
Sie umfasst ohne die Streuobstbäume,
die auf die ehemalige Remsschlinge gepflanzt wurden,
eine Fläche von 2,86 ha.

 

 

Nach den Ideen der Gartenschau-Planer wird die Wiese mit Bäumen bepflanzt, in deren Mitte eine Lichtung entsteht, die für kulturelle Events genutzt werden kann.

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Zur Pflanzung vorgesehen sind hier Silberweiden.
Allerdings nicht in ihrer natürlichen buschigen Wuchsform sondern als Hochstammbäume mit hohem pflegerischen Aufwand.

Das Ergebnis sieht dann im Plan so aus:

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Allerdings hat eine ausgewachsene Silberweide einen Durchmesser von 14-15 m, das macht einen Flächenbedarf pro Baum von 153 m² (abgerundet).

Bei 225 Bäumen bräuchte man also mindestens eine Fläche von 3,44 ha. Das unten stehende Bild verdeutlicht dies.
Wir bekommen also in den folgenden Jahren keinesfalls einen lichtdurchfluteten Baumring, wie die oben stehende Skizze glauben machen will, sondern einen dichten Wald anstelle einer schönen weiten Wiese.

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Fazit: Die Ideen der Gartenschauplaner liegen fernab jeglicher Realität und erfordern zudem in den Folgejahren einen hohen pflegerischen Aufwand.

Ich frage mich: Ist dieser Wahnsinn noch zu stoppen? Eine Möglichkeit dazu bietet immerhin die Online-Petition, zu der dieser Link führt:

https://weact.campact.de/petitions/unsinnige-remstalgartenschau-ideen-der-stadt-waiblingen-stoppen