Achtung, diese Stimme kann süchtig machen

Ein Interview mit Melanie Diener über magische Momente und das Hören mit dem Herzen

Von Gisela Benkert, nachzulesen in der Waiblinger Wundertüte 2.0

Oper? Na ja, nicht so gerne. Das sind doch diese Kreischtanten mit den gepuderten Perücken und gerüschten Reifröcken. Aber die Karten sind geschenkt, jetzt gehst Du halt hin. Und lauschst im Bürgerzentrum diesem Lied, „An den Mond“ aus „Rusalka“ von Dvorak. Mit Gänsehaut fängt es an, dann beginnt der Zauber. Subkutan. Plötzlich ist alles warm und weich und fließend. Gestandene Männer haben feuchte Augen. Hilfe, was passiert da? – Eine Stimme hat sie alle gepackt. Jetzt hören sie mit dem Herzen. So soll es sein. Und es ist oft so, wenn Melanie Diener singt. Eine Waiblingerin auf den Bühnen der Welt. Und daheim ein Wundertüten-Gespräch über Bayreuth, erkältete Sänger, magische Momente und Schlaflieder für Jonas.

Was ist Musik für Dich?
Musik ist für mich Leben, ich könnte nicht ohne sie sein! Alles besteht doch aus Schwingungen, Holz klingt, Steine klingen, Wasser, wenn es tropft, Vögel singen, Tiere haben ihre eigenen Laute –Musik ist einfach Leben! Sie kann das Leben nur positiv beeinflussen.

Wie schafft eine junge Sängerin mit Kleinkind aus dem Stand eine solche Weltkarriere? Grad noch Begleitprogramm bei einer Vernissage in der Waiblinger Kleinen Galerie, wenig später die Elsa im Bayreuther Lohengrin?
Es hat sich so ergeben. Irgendwann hab ich vorgesungen bei Antonio Pappano in Brüssel, für einen Mozart-Abend. Pappano sollte im Jahr drauf in Bayreuth den Lohengrin dirigieren, er dachte sich offenbar, da könnte ich auch als Elsa passen. Ich, Wagner? Wenig später hab ich dann tatsächlich bei Wolfgang Wagner vorgesungen. Er wollte mich unbedingt haben, nur Willy Decker, der Regisseur, stellte sich eine andere Elsa vor. Pappano und Wagner setzten sich durch, Decker wurde durch den Regisseur Keith Warner ersetzt.

Im Juli 1999 debütiert also eine bis dato ziemlich unbekannte Sopranistin ausgerechnet in Bayreuth und bekommt auch noch fantastische Kritiken, feiert einen grandiosen Erfolg – das muss doch traumhaft gewesen sein …
… ich hab das ehrlich gesagt gar nicht so realisiert. Es war erst im Rückblick der Knaller. In der Situation hab ich einfach gearbeitet. Und dann wusste ich erstmal gar nicht, ob ich die Premiere überhaupt singen kann. Bei der Generalprobe war mir eine Kulissenwand auf die Schulter geknallt, ich ging zu Boden, hatte einen total verspannten Rücken, zum Singen nicht ganz ideal. Hat aber dann doch alles geklappt.

Überhaupt diese Atmosphäre in Bayreuth …
… ist schon umweht vom Geist der Geschichte. Wolfgang Wagner hab ich sehr strukturiert erlebt, sehr professionell. Er war morgens der erste und abends der letzte im Haus, nur die Stunde Mittagsschlaf war unantastbar.

Du hast drei Jahre hintereinander in Bayreuth gesungen, warst aber nie fest an einem Haus. Dafür sind von Anfang an die allerersten Adressen in Deinen Terminkalender gepurzelt …
… und auch das hat sich ergeben aus einem Vorsingen, damals in London beim Chef von Covent Garden. Mit drin saß – was ich gar nicht wusste – der Festivalleiter von Garsington. Und als ich wieder zurück war in Wablingen, kam mir schon mein Mann Frieder entgegen: „Du, das Faxgerät spuckt und spuckt …“ London, Garsington, Paris, Mozart, Mozart, Mozart ..
Alles noch vor Bayreuth.

Du singst jetzt seit 20 Jahren an den größten Opernhäusern der Welt, gibst aber auch eher intime Liederabende auf kleineren Bühnen – wie hat sich das Publikum im Laufe der Zeit verändert?
Die Masse will den Event, Brot und Spiele wie im Römischen Reich. Man geht dorthin, wo Leute auftreten, die „bekannt sind aus Funk und Fernsehen“. Open Air auf dem Münchner Odeonsplatz zum Beispiel. Das hat mit dem klassischen Betrieb wenig zu tun, da wird auch kein neues Publikum angefüttert. Das klassische Opernpublikum ist nach meiner Wahrnehmung gleich geblieben. Simon Rattle hat zwar in Berlin Rhythmus- und Tanzprojekte für junge Leute angeboten, in die Oper kommen trotzdem nach meinem Empfinden noch zu wenig.

Aber jüngst bei Tristan und Isolde war die Straßburger Oper doch voll von jungen Leuten.
Straßburg hat eine Musikhochschule, die Infrastruktur vor Ort macht den Unterschied. Es gibt verbilligte Karten, Stehplätze, das gilt auch für Wien oder Stuttgart. Nach dem Tristan in Mulhouse kamen vor ein paar Wochen Eltern mit ihrer siebenjährigen Tochter zu mir hinter die Bühne. Das kleine Mädchen hat sich überschwänglich bedankt – und die Eltern hatten zuvor Angst gehabt, dass sie die fünf Stunden Oper überhaupt durchsteht …

… es hat sie offenbar gepackt, es ging ihr unter die Haut, wie gelingt das?
Es gelingt, wenn man eine emotionale Glaubwürdigkeit der Figuren schafft. Dann packt es die Zuhörer schon.

Braucht es technische Perfektion, damit Gesang wirkt, die Zuhörer berührt? Sind Automatisierung und Routine die Voraussetzungen für den künstlerischen Höhenflug?
Ja, und das geht nur über üben, üben, üben. Jeder, der eine Passion hat, muss üben. Wie Dirk Nowitzki beim Basketball. Es braucht die extrem gute Vorbereitung, wenn man’s schleifen lässt, rächt sich das sofort.

Kennst Du als Sängerin diesen flow – nicht mehr an den Text denken, die Partitur, sich einfach hingeben und abheben?
Kommt nicht so oft vor. Bei Fidelio konzertant mit Kurt Masur in Paris isch’s oifach gloffa. Das Publikum war total gepackt, das spürt man auf der Bühne. Beim Bolshoi-Rosenkavalier in Moskau dieses Jahr gab es auch diese hingerissenen Momente, ganz unmittelbar, toll.

Geht man dafür auf die Bühne, vor tausenden von Menschen, für diesen Moment?
Irgendwie schon. Es ist das Bedürfnis, etwas auszudrücken, es zu teilen, wenn dann diese Resonanz kommt, ist es perfekt. Perfekt für diesen Moment. Das strebt man an, das tut einfach verdammt gut. Eben dieses teilen zu wollen, schwülstig gesagt: sich zu verströmen. Das sind dann die magischen Momente, fürs Publikum und die Sängerin.

Können Dirigenten oder Regisseure da mithelfen?
Klar, sie können unterstützen, mit Kostümen, mit Licht, mit Klangfarben. Den größten Erfolg hatte ich immer, wenn ich mir treu geblieben bin, wenn ich echt war, nur so erreicht man diese Magie. Ein Gefühl darf nicht „erzeugt“ werden, es muss aus mir entspringen.
Und dann kommen die Kritiker und stellen fest, dass Du dreimal einen halben Ton zu tief warst und zweimal einen zu hoch…
Wenn ein Abend darauf reduziert wird, tut’s weh. Viele Kollegen lesen keine Kritiken mehr, sie wissen selbst am besten, was sie falsch gemacht haben.

Aber Du liest sie …
Ja, und ich ärgere mich auch. Vor allem, wenn drei Leute total unterschiedlich urteilen und man den Eindruck hat, sie wären in drei verschiedenen Aufführungen gewesen. Aber Kritiker sind auch nur Menschen …

Publikum rast – Melanie Diener ist unzufrieden und wundert sich …
Dann war es technisch nicht perfekt, aber total emotional!

Oper – da denkt mancher immer noch an Kreischtanten in Reifröcken. Dabei kommt Oper heute oft ziemlich zeitgeistig daher …
… und das ist auch ein bisschen desillusionierend, wie Opern Moden unterliegen. Das Publikum will heute oft mehr fürs Auge, als fürs Ohr. Passionierte Zuhörer machen auch mal die Augen zu und hören nur … Es ist ja auch nicht immer leicht, für einen 1,82-Meter-Sopran wie mich einen adäquaten Tenor zu finden. Schlussendlich muss eine gelungene Oper gleichrangig etwas für Auge und Ohr bieten.

Kann man guten Regisseuren weniger gute Ideen ausreden?
Mal stand mir die verordnete gelbe Bluse so gar nicht. Man muss auch selber wissen, was für einen funktioniert. Die Bluse war nachher rot und die Idee kam natürlich vom Regisseur selbst …

Singen ist Hochleistungssport, wie „trainierst“ Du?
Genügend Schlaf, viel frische Luft, Sänger schwimmen viel, weil das gut ist für Ausdauer und Atmung, ohne dass einen das Eigengewicht beschwert. Und dann nicht zu spät und nicht zu viel essen …

Singen ist Arbeit mit dem ganzen Körper. Neurologen verordnen das Singen schwer depressiven Patienten und die sagen hinter-her: „Ich spüre mich wieder.“ Singen, sagen Fachleute auch, ist ein extrem guter Spannungsregulator.
Demnach müsste unsere hochangespannte Gesellschaft heute kollektiv dem Chorgesang anheimfallen … Sind Sänger wirklich die entspannteren Menschen?
Kann man so nicht sagen. Sänger spüren sicher ihren Körper mehr – der Psychodruck bleibt aber wie in jedem anderen Beruf, auch der selbstgemachte. Grundsätzlich aber wäre diese Welt ganz sicher ein besserer Ort, wenn die Menschen mehr singen würden.

Wenn in einer Weinhandlung italienische Musik läuft, kaufen die Leute mehr italienischen Wein. Auch das haben die Fachleute recherchiert und belegen damit, dass Musik ein Verführer ist. Kann man sich gegen solche Verführungen eigentlich wehren?
Nein! Das geht erstmal voll auf die emotionale Ebene und somit direkt ins Unterbewusstsein. Man kann aber lernen, bewusster zu hören. Was im übrigen auch manch menschlichem Gespräch gut täte …

Wie erkennt man, ob man diese große Partie heute abend definitiv nicht singen kann?
Wenn die Erkältung oben sitzt, geht’s noch, wenn sie runter rutscht, geht nichts mehr. Mir ist die Erkältung mal mitten im zweiten Akt Lohengrin in Bayreuth runtergerutscht. Irgendwie hab ich’s rumgekriegt, in der Pause kam der Arzt, Luftröhrenentzündung, nichts ging mehr. Zum Glück war Ersatz da, eine Kollegin ist eingesprungen.

Sonstige schreckliche Momente auf der Bühne?
Bolshoi-Premiere Rosenkavalier. Erster Akt. Der Dirigent ist nach zehn Minuten einfach rausgegangen. Das Orchester spielte drei Minuten lang führungslos weiter, dann übernahm der Assistent und rettete die Premiere. Der Dirigent lag mittlerweile mit schwerer Grippe im Krankenhaus.

Mehr Anekdoten, please!
Cosi fan tutte mit Claudio Abbado in Ferrara. Mein Unterrock war nicht richtig gebunden und rutschte mitten in einer Aufführung runter. Ich zog ihn dann notgedrungen einfach aus und gab ihn weiter an Despina. Die hat ihn beiseitegeschafft- und Abbado hat bloß noch geguckt … Oder diese Bühnenorchesterprobe an der Met, auch Cosi. Ich saß auf einem Hocker, der gab unter mir nach, ich bin in meinen Reifrock hineingesunken, thronte auf der Bühne wie ein weiblicher Pavarotti – wir haben uns alle weggeschmissen vor Lachen!
Applaus, Applaus, dann abschminken und ab ins Hotelbett. Fällst Du auch ins berühmte schwarze Loch?
Blöd ist das schon, man ist ja noch lange high durch diese ganze Anspannung, irgendwann bist du dann aber doch fertig. Das eigentliche Loch kommt am nächsten Tag, wenn das Adrenalin abgebaut ist. Aber das ist halt so, es gehört zur Routine.

Was hast Du Deinem Sohn Jonas früher vorgesungen – und was hat das bis heute, wo er fast 20 ist, für Auswirkungen?
„Guten Abend, gute Nacht“ zum Beispiel, aus London mal in der Probenpause sogar übers Telefon. Wenn man ihm im Kindergarten was vorgesungen hat, konnte er sofort das ganze Lied nachsingen. Inzwischen hat er andere Interessen.

Gibt es unmusikalische Menschen?
Nein! Es gibt nur Leute, die nie gelernt haben, mit Musik umzugehen. Wenn sie es aber wirklich wollen, auch später noch als Erwachsene, können sie durchaus „musikalisch“ werden. Ein Kind aber lernt noch spielerisch das Klavierspielen, viel leichter als ein Erwachsener, weil bei Kindern noch die Motorik viel besser funktioniert, sie denken einfach weniger drüber nach. Erwachsene sind im Kopf weiter, aber die Motorik hinkt hinterher.

Bist Du eine Diva?
Wenn damit Professionalität gemeint ist, ja. Die zickige Variante, die manchen Sängerinnen angeheftet wird, verstehe ich eher als PR-Gag.

Kann man reich werden als Sängerin?
Reich geworden bin ich nicht, aber ich kann gut von meinen Gagen leben. Anna Netrebko ist sicher reicher – dank Werbeverträgen. Ich habe halt nicht jene Faktoren im Angebot, auf die Werbeleute heute abfahren.

Ab wann ist man als Sängerin eigentlich alt – oder zu alt?
Das hängt nicht vom zahlenmäßigen Alter ab –eher davon, dass man als Sängerin irgendwann nicht mehr interessant ist, nicht mehr in Mode. Und natürlich, wenn irgendwann die Stimme weg ist. Man kann sich aber auch Madonna zum Vorbild nehmen, die sich seit Jahrzehnten immer wieder neu erfindet.

Der Klassikbetrieb wird oft totgesagt, wird immer mehr zur Geldfrage …
Musikkultur wird tatsächlich immer mehr an Geld gemessen, wird oft als Preisfrage gesehen, dabei gehören Kultur, Kunst und Musik seit Beginn der Menschheit zum Leben dazu. Es geht halt immer mehr ums Geld, das schlägt sich zum Beispiel auch in immer kürzeren Probezeiten nieder. Die Gagen werden weniger, Auftrittsmöglichkeiten für internationale Künstler brechen weg, ganz aktuell zum Beispiel im Zuge der Eurokrise in Spanien oder Italien.

Gibt es eigentlich Freundschaften unter Bühnenkollegen?
Don Giovanni an der New Yorker Met. Mitten in der Aufführung musste ich eine Schräge hoch, hab die Röcke gerafft, einer blieb unten, mein Fuß blieb hängen, ich bin vor 4000 Leuten auf die Fresse geknallt. Hinter der Bühne kam Rainer Trost zu mir, mein Tenor-Kollege aus dem Schwabenland: „Bisch okee?“ – „Noi“. Der Fuß wurde immer dicker, das Menuett konnte ich nicht mehr mit ihm tanzen. Nach dem ersten Akt ging’s in New York ins Krankenhaus, Bänderriss. Ich wollte heimfliegen, die Met wollte, dass ich eine Woche später bei der letzten Aufführung dabei bin, die wurde im Radio übertragen. Anna Netrebko hat mich während meines Krankenstandes im Appartement bekocht. Sie ist eine prima Kollegin. Und ich bin dann zum Finale singend mit einem koketten Schirmchen als Krückstock über die Bühne gehumpelt. – Als unlängst zwei Sängerkollegen aus Düsseldorf bei diesem schrecklichen Flugzeugabsturz in den französischen Alpen tödlich verunglückten, hatte ich auch das Gefühl, dass wir alle wieder ein bisschen enger zusammengerückt sind.

 

Melanie Dieners neuestes Projekt für Waiblingen ist die Internationale Opernwerkstatt, ins Leben gerufen zusammen mit Thomas Hampson und der Stadt Waiblingen.

Hier die Einzelheiten: https://www.internationale-opernwerkstatt-waiblingen.de/willkommen

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Groove Inclusion: so beeindruckend, so berührend

Groove Inclusion beim Weltkongress in Russland:

Hallo verehrte Fans von Groove Inclusion,
hier ganz aktuell ein Kurzbericht mit Bildern von unserem großartigen, sehr berührenden Trip nach Jekaterinenburg, verfasst vom Redaktionsteam Rosa Budziat, Timo John und Heiner Riesle.

 

6. September 2017,
Erster Tag Weltkongress

23 MusikerInnen von Groove Inclusion, Sozialdezernentin Petra Bittinger, Stiftungsvorstand Karl-Otto Völker und Geschäftsführer der Sparkassenstiftung Dr. Timo John, bilden die Delegation des Rems-Murr-Kreises auf dem ersten Weltkongress für Menschen mit Behinderung in der Hauptstadt des Urals, Jekaterinburg, Russland. 

Gestern Nacht um 3 Uhr Ortszeit traf Groove Inclusion ein und der Mittwoch, der 6. September   wurde für die Akklimatisierung in der drittgrößten Stadt Russlands dringend benötigt.

Auf dem Tagesprogramm stand Stadterkundung mit Besuch des neuen Boris Jelzin Museums. Der Vertreter des deutschen Generalkonsulats, Ludwig Neudorfer, der im Übrigen auf dem Staufer-Gymnasium in Waiblingen seine ersten Russischkenntisse erwarb, begrüßte die Bandmitglieder mit einer Einladung zum Mittagessen.

Überall in der Stadt kann man mittlerweile auf weitere teilnehmende Gruppen am Kongress treffen. Sie kommen aus Ostfildern, Ansbach, Basel, Flandern, Norwegen, Australien und der ganzen Welt. Am Donnerstagabend wird mit Fahnen aller beteiligten Länder und Musik von Groove Inclusion der Kongress eröffnet.

Zweiter Tag Weltkongress

Putin begrüßt seine Gäste aus dem Rems-Murr Kreis Eröffnung des ersten Weltkongresses für Menschen mit Behinderungen in Jekaterinburg, Russland, der Hauptstadt des Urals

Wladimir Putin ließ es sich nicht nehmen, ein persönliches Grußwort vom Ministerpräsidenten der Region Sverdlovsk verlesen zu lassen. Putin unterstrich darin die Bedeutung des Kongresses für die Behinderten Menschen in Russland. Dabei sprach er auch von einem Programm 2020, mit dem die Lebenssituation der Menschen mit Behinderungen im Land deutlich verbessert werden sollen. Zur Eröffnung des Kongresses kamen Menschen aus der ganzen Welt. Die Feierlichkeit beeindruckte und berührte durch
künstlerische Darbietungen aller Art. Der Bogen wurde gespannt von Akrobatik, Musik und Zauberei. Groove Inclusion, die Band der VHS Unteres Remstal, repräsentierte Deutschland vor der Welt.

Ab Freitag wird zwei Tage gearbeitet, mit zahlreichen Workshops und Auftritten.

Dritter Tag

Wir sind ungewöhnlich aber gleich! Ein Kongressteilnehmer aus Kirgisistan sagte auf dem Podium den bemerkenswerten Satz: Auch wenn ich keine Arme und Beine habe, bin ich glücklich. Ich bin glücklich, weil ich gehört und geliebt werde.

Die Initiatorin des Kongresses Vera Simakova brennt dafür, Möglichkeiten zu schaffen, damit sich Menschen mit Behinderungen über Kunst, Musik, Tanz und anderen kreativen Ausdrucksformen über Sprach- und kulturelle Grenzen hinweg setzen. Jede teilnehmende Nation, von der Schweiz bis Neuseeland und von Waiblingen bis Taipeh präsentierte dafür ein Beispiel.

Über den Tag fanden zahlreiche Workshops statt, in denen getanzt, gegroovt und diskutiert. Eine kleine Delegation aus Waiblingen wurde vom deutschen Generalkonsul, Herrn Keil, zu einem kleinen Empfang eingeladen. Dabei betonte der Generalkonsul, dass er „Deutschland durch Groove Inclusion wunderbar vertreten fand“. Er sieht dabei ein Beispiel, wie unterschiedliche Gruppen in der deutschen Zivilgesellschaft gut miteinander klar kommen.

Am Abend wurden alle KongressteilnehmerInnen in die Philharmonie von Jekaterinburg zu einem großartigen Konzert eingeladen. Es gab begeisterten Applaus und der Tag fand einen gelungenen Abschluss.

Vierter Tag 

Der große Auftritt: Groove Inclusion trat heute vor großem Publikum auf.

Am 3. Tag des Weltkongresses für Menschen mit Behinderung in Jekaterinburg war der Haupttag der künstlerischen Darbietungen. Wegen Regens musste die Veranstaltung vom Stadtpark in die Halle verlegt werden. Die russischen Gastgeber überzeugten mit ihrem Improvisationsgeschick. Immer wieder begegneten sich Menschen aus aller Herren Länder zum gemeinsamen Austausch. Adressen wurden getauscht und Groove inclusion hat bereits zwei Einladungen zu Konzerten, eine nach Norwegen und eine nach Israel. Dass Musik verbindet, das Konzert von Groove Inclusion wurde viel beklatscht und die Bandmitglieder wurden gleich von mehreren Zeitungen und Radiosendern interviewt.

 

Fünfter Tag

Es war eine rauschende Ballnacht: Feierlich ging der erste Weltkongress der behinderten Menschen in Jekaterinburg zu Ende.

Beeindruckend war das Abschlussforum, das einen vielschichtigen Überblick über Inklusionsprojekte in der ganzen Welt gab. Die Kongressresolution weist darauf hin, wie wichtig weltweit die Einbeziehung von Menschen mit Einschränkungen in gesellschaftliche Prozesse ist.

Immer wieder wurden Mitglieder von Groove Inclusion von begeisterten Kongressteilnehmern auf die wunderbare Musik und die Energie angesprochen, die bei den Auftritten der Band zu merken war. Verwundert war man stets, dass bei Groove Inclusion kein spezielles Konzept zugrunde liegt, sondern sich die 27 Bandmitglieder, von denen 15 behindert sind, lediglich zum Musikmachen treffen und Freude daran haben miteinander zu spielen und aufzutreten. Das ist gerade das Besondere an der Band
Es hat bereits mehrere Anfragen für weitere Auftritte gegeben. In den letzten fünf Tagen mussten immer wieder Autogramme gegeben werden und zahlreiche Selfies wurden gemacht. Die Stimmung auf dem Kongress war die ganze Zeit über fröhlich und harmonisch. Der letzte Höhepunkt war der Abschlussball, bei dem ein klassisches Orchester zu Polka, Polonaise und Walzer aufspielte, wozu ausgelassen getanzt wurde.

Bei der bandeigenen Schlussauswertung nachts im Hotel waren sich die Bandmitglieder und ihre drei BegleiterInnen aus dem Landratsamt und der Kreissparkassenstiftung darüber einig: Der Kongress war ein besonderes Ereignis und der Spirit von Groove Inclusion aus dem Rems-Murr-Kreis wurde in die Welt hinausgetragen und inclusive Grüße aus Jekaterinburg – Russland gehen zurück nach Waiblingen – Germany.

Selten erlebt man so viele glückliche und fröhliche Menschen beieinander.

http://kongress2017.ru/neues