Brot und Brötchen in Hülle und Fülle

Es ist angerichtet!

Tag für Tag wandern körbeweise Backwaren nach Ladenschluss in den Mülleimer. Das kann niemand gut finden.
Bei uns gibt es inzwischen eine gut erprobte Alternative: sogenannte Lebensmittelretter tragen sich auf der Foodsharing-Plattform  für die abendliche Abholtour ein und nehmen aus den kooperierenden Bäckereien mit, was am Abend übrig geblieben ist.
Am nächsten Morgen werden die Backwaren ins Jakob-Andreä-Haus, dem Gemeindehaus der Evangelischen Michaelskirche, gebracht. Dort kann sich jeder bedienen bis alles weg ist.
Auch ein öffentlicher Kühlschrank (Fachjargon „FairTeiler“) steht dort.
Der funktioniert ähnlich simpel: Wer etwas übrig hat, legt ein, wer gebrauchen kann, nimmt mit. Ganz einfach!
(Zugegeben – ein paar Regeln gibt es schon. So dürfen keine verdorbenen Waren eingelegt werden und es gibt keine Haftung für die Qualität. Hier zählt der gesunde Menschenverstand.)
Das Jakob-Andreä-Haus ist montags bis freitags von 8-18 Uhr geöffnet.
Wer informiert werden will, wann es wieder Brot gibt, schickt einfach eine Nachricht an 0174-1307088 und wird in die whatsApp-Gruppe aufgenommen. Dann gibt’s die Nachrichten direkt aufs Handy.

Fazit: Es ist gar nicht so schwer, die Welt ein Stück besser zu machen.

Übrigens: Wir haben früher schon mal über den Kühlschrank berichtet.

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Achtung, diese Stimme kann süchtig machen

Ein Interview mit Melanie Diener über magische Momente und das Hören mit dem Herzen

Von Gisela Benkert, nachzulesen in der Waiblinger Wundertüte 2.0

Oper? Na ja, nicht so gerne. Das sind doch diese Kreischtanten mit den gepuderten Perücken und gerüschten Reifröcken. Aber die Karten sind geschenkt, jetzt gehst Du halt hin. Und lauschst im Bürgerzentrum diesem Lied, „An den Mond“ aus „Rusalka“ von Dvorak. Mit Gänsehaut fängt es an, dann beginnt der Zauber. Subkutan. Plötzlich ist alles warm und weich und fließend. Gestandene Männer haben feuchte Augen. Hilfe, was passiert da? – Eine Stimme hat sie alle gepackt. Jetzt hören sie mit dem Herzen. So soll es sein. Und es ist oft so, wenn Melanie Diener singt. Eine Waiblingerin auf den Bühnen der Welt. Und daheim ein Wundertüten-Gespräch über Bayreuth, erkältete Sänger, magische Momente und Schlaflieder für Jonas.

Was ist Musik für Dich?
Musik ist für mich Leben, ich könnte nicht ohne sie sein! Alles besteht doch aus Schwingungen, Holz klingt, Steine klingen, Wasser, wenn es tropft, Vögel singen, Tiere haben ihre eigenen Laute –Musik ist einfach Leben! Sie kann das Leben nur positiv beeinflussen.

Wie schafft eine junge Sängerin mit Kleinkind aus dem Stand eine solche Weltkarriere? Grad noch Begleitprogramm bei einer Vernissage in der Waiblinger Kleinen Galerie, wenig später die Elsa im Bayreuther Lohengrin?
Es hat sich so ergeben. Irgendwann hab ich vorgesungen bei Antonio Pappano in Brüssel, für einen Mozart-Abend. Pappano sollte im Jahr drauf in Bayreuth den Lohengrin dirigieren, er dachte sich offenbar, da könnte ich auch als Elsa passen. Ich, Wagner? Wenig später hab ich dann tatsächlich bei Wolfgang Wagner vorgesungen. Er wollte mich unbedingt haben, nur Willy Decker, der Regisseur, stellte sich eine andere Elsa vor. Pappano und Wagner setzten sich durch, Decker wurde durch den Regisseur Keith Warner ersetzt.

Im Juli 1999 debütiert also eine bis dato ziemlich unbekannte Sopranistin ausgerechnet in Bayreuth und bekommt auch noch fantastische Kritiken, feiert einen grandiosen Erfolg – das muss doch traumhaft gewesen sein …
… ich hab das ehrlich gesagt gar nicht so realisiert. Es war erst im Rückblick der Knaller. In der Situation hab ich einfach gearbeitet. Und dann wusste ich erstmal gar nicht, ob ich die Premiere überhaupt singen kann. Bei der Generalprobe war mir eine Kulissenwand auf die Schulter geknallt, ich ging zu Boden, hatte einen total verspannten Rücken, zum Singen nicht ganz ideal. Hat aber dann doch alles geklappt.

Überhaupt diese Atmosphäre in Bayreuth …
… ist schon umweht vom Geist der Geschichte. Wolfgang Wagner hab ich sehr strukturiert erlebt, sehr professionell. Er war morgens der erste und abends der letzte im Haus, nur die Stunde Mittagsschlaf war unantastbar.

Du hast drei Jahre hintereinander in Bayreuth gesungen, warst aber nie fest an einem Haus. Dafür sind von Anfang an die allerersten Adressen in Deinen Terminkalender gepurzelt …
… und auch das hat sich ergeben aus einem Vorsingen, damals in London beim Chef von Covent Garden. Mit drin saß – was ich gar nicht wusste – der Festivalleiter von Garsington. Und als ich wieder zurück war in Wablingen, kam mir schon mein Mann Frieder entgegen: „Du, das Faxgerät spuckt und spuckt …“ London, Garsington, Paris, Mozart, Mozart, Mozart ..
Alles noch vor Bayreuth.

Du singst jetzt seit 20 Jahren an den größten Opernhäusern der Welt, gibst aber auch eher intime Liederabende auf kleineren Bühnen – wie hat sich das Publikum im Laufe der Zeit verändert?
Die Masse will den Event, Brot und Spiele wie im Römischen Reich. Man geht dorthin, wo Leute auftreten, die „bekannt sind aus Funk und Fernsehen“. Open Air auf dem Münchner Odeonsplatz zum Beispiel. Das hat mit dem klassischen Betrieb wenig zu tun, da wird auch kein neues Publikum angefüttert. Das klassische Opernpublikum ist nach meiner Wahrnehmung gleich geblieben. Simon Rattle hat zwar in Berlin Rhythmus- und Tanzprojekte für junge Leute angeboten, in die Oper kommen trotzdem nach meinem Empfinden noch zu wenig.

Aber jüngst bei Tristan und Isolde war die Straßburger Oper doch voll von jungen Leuten.
Straßburg hat eine Musikhochschule, die Infrastruktur vor Ort macht den Unterschied. Es gibt verbilligte Karten, Stehplätze, das gilt auch für Wien oder Stuttgart. Nach dem Tristan in Mulhouse kamen vor ein paar Wochen Eltern mit ihrer siebenjährigen Tochter zu mir hinter die Bühne. Das kleine Mädchen hat sich überschwänglich bedankt – und die Eltern hatten zuvor Angst gehabt, dass sie die fünf Stunden Oper überhaupt durchsteht …

… es hat sie offenbar gepackt, es ging ihr unter die Haut, wie gelingt das?
Es gelingt, wenn man eine emotionale Glaubwürdigkeit der Figuren schafft. Dann packt es die Zuhörer schon.

Braucht es technische Perfektion, damit Gesang wirkt, die Zuhörer berührt? Sind Automatisierung und Routine die Voraussetzungen für den künstlerischen Höhenflug?
Ja, und das geht nur über üben, üben, üben. Jeder, der eine Passion hat, muss üben. Wie Dirk Nowitzki beim Basketball. Es braucht die extrem gute Vorbereitung, wenn man’s schleifen lässt, rächt sich das sofort.

Kennst Du als Sängerin diesen flow – nicht mehr an den Text denken, die Partitur, sich einfach hingeben und abheben?
Kommt nicht so oft vor. Bei Fidelio konzertant mit Kurt Masur in Paris isch’s oifach gloffa. Das Publikum war total gepackt, das spürt man auf der Bühne. Beim Bolshoi-Rosenkavalier in Moskau dieses Jahr gab es auch diese hingerissenen Momente, ganz unmittelbar, toll.

Geht man dafür auf die Bühne, vor tausenden von Menschen, für diesen Moment?
Irgendwie schon. Es ist das Bedürfnis, etwas auszudrücken, es zu teilen, wenn dann diese Resonanz kommt, ist es perfekt. Perfekt für diesen Moment. Das strebt man an, das tut einfach verdammt gut. Eben dieses teilen zu wollen, schwülstig gesagt: sich zu verströmen. Das sind dann die magischen Momente, fürs Publikum und die Sängerin.

Können Dirigenten oder Regisseure da mithelfen?
Klar, sie können unterstützen, mit Kostümen, mit Licht, mit Klangfarben. Den größten Erfolg hatte ich immer, wenn ich mir treu geblieben bin, wenn ich echt war, nur so erreicht man diese Magie. Ein Gefühl darf nicht „erzeugt“ werden, es muss aus mir entspringen.
Und dann kommen die Kritiker und stellen fest, dass Du dreimal einen halben Ton zu tief warst und zweimal einen zu hoch…
Wenn ein Abend darauf reduziert wird, tut’s weh. Viele Kollegen lesen keine Kritiken mehr, sie wissen selbst am besten, was sie falsch gemacht haben.

Aber Du liest sie …
Ja, und ich ärgere mich auch. Vor allem, wenn drei Leute total unterschiedlich urteilen und man den Eindruck hat, sie wären in drei verschiedenen Aufführungen gewesen. Aber Kritiker sind auch nur Menschen …

Publikum rast – Melanie Diener ist unzufrieden und wundert sich …
Dann war es technisch nicht perfekt, aber total emotional!

Oper – da denkt mancher immer noch an Kreischtanten in Reifröcken. Dabei kommt Oper heute oft ziemlich zeitgeistig daher …
… und das ist auch ein bisschen desillusionierend, wie Opern Moden unterliegen. Das Publikum will heute oft mehr fürs Auge, als fürs Ohr. Passionierte Zuhörer machen auch mal die Augen zu und hören nur … Es ist ja auch nicht immer leicht, für einen 1,82-Meter-Sopran wie mich einen adäquaten Tenor zu finden. Schlussendlich muss eine gelungene Oper gleichrangig etwas für Auge und Ohr bieten.

Kann man guten Regisseuren weniger gute Ideen ausreden?
Mal stand mir die verordnete gelbe Bluse so gar nicht. Man muss auch selber wissen, was für einen funktioniert. Die Bluse war nachher rot und die Idee kam natürlich vom Regisseur selbst …

Singen ist Hochleistungssport, wie „trainierst“ Du?
Genügend Schlaf, viel frische Luft, Sänger schwimmen viel, weil das gut ist für Ausdauer und Atmung, ohne dass einen das Eigengewicht beschwert. Und dann nicht zu spät und nicht zu viel essen …

Singen ist Arbeit mit dem ganzen Körper. Neurologen verordnen das Singen schwer depressiven Patienten und die sagen hinter-her: „Ich spüre mich wieder.“ Singen, sagen Fachleute auch, ist ein extrem guter Spannungsregulator.
Demnach müsste unsere hochangespannte Gesellschaft heute kollektiv dem Chorgesang anheimfallen … Sind Sänger wirklich die entspannteren Menschen?
Kann man so nicht sagen. Sänger spüren sicher ihren Körper mehr – der Psychodruck bleibt aber wie in jedem anderen Beruf, auch der selbstgemachte. Grundsätzlich aber wäre diese Welt ganz sicher ein besserer Ort, wenn die Menschen mehr singen würden.

Wenn in einer Weinhandlung italienische Musik läuft, kaufen die Leute mehr italienischen Wein. Auch das haben die Fachleute recherchiert und belegen damit, dass Musik ein Verführer ist. Kann man sich gegen solche Verführungen eigentlich wehren?
Nein! Das geht erstmal voll auf die emotionale Ebene und somit direkt ins Unterbewusstsein. Man kann aber lernen, bewusster zu hören. Was im übrigen auch manch menschlichem Gespräch gut täte …

Wie erkennt man, ob man diese große Partie heute abend definitiv nicht singen kann?
Wenn die Erkältung oben sitzt, geht’s noch, wenn sie runter rutscht, geht nichts mehr. Mir ist die Erkältung mal mitten im zweiten Akt Lohengrin in Bayreuth runtergerutscht. Irgendwie hab ich’s rumgekriegt, in der Pause kam der Arzt, Luftröhrenentzündung, nichts ging mehr. Zum Glück war Ersatz da, eine Kollegin ist eingesprungen.

Sonstige schreckliche Momente auf der Bühne?
Bolshoi-Premiere Rosenkavalier. Erster Akt. Der Dirigent ist nach zehn Minuten einfach rausgegangen. Das Orchester spielte drei Minuten lang führungslos weiter, dann übernahm der Assistent und rettete die Premiere. Der Dirigent lag mittlerweile mit schwerer Grippe im Krankenhaus.

Mehr Anekdoten, please!
Cosi fan tutte mit Claudio Abbado in Ferrara. Mein Unterrock war nicht richtig gebunden und rutschte mitten in einer Aufführung runter. Ich zog ihn dann notgedrungen einfach aus und gab ihn weiter an Despina. Die hat ihn beiseitegeschafft- und Abbado hat bloß noch geguckt … Oder diese Bühnenorchesterprobe an der Met, auch Cosi. Ich saß auf einem Hocker, der gab unter mir nach, ich bin in meinen Reifrock hineingesunken, thronte auf der Bühne wie ein weiblicher Pavarotti – wir haben uns alle weggeschmissen vor Lachen!
Applaus, Applaus, dann abschminken und ab ins Hotelbett. Fällst Du auch ins berühmte schwarze Loch?
Blöd ist das schon, man ist ja noch lange high durch diese ganze Anspannung, irgendwann bist du dann aber doch fertig. Das eigentliche Loch kommt am nächsten Tag, wenn das Adrenalin abgebaut ist. Aber das ist halt so, es gehört zur Routine.

Was hast Du Deinem Sohn Jonas früher vorgesungen – und was hat das bis heute, wo er fast 20 ist, für Auswirkungen?
„Guten Abend, gute Nacht“ zum Beispiel, aus London mal in der Probenpause sogar übers Telefon. Wenn man ihm im Kindergarten was vorgesungen hat, konnte er sofort das ganze Lied nachsingen. Inzwischen hat er andere Interessen.

Gibt es unmusikalische Menschen?
Nein! Es gibt nur Leute, die nie gelernt haben, mit Musik umzugehen. Wenn sie es aber wirklich wollen, auch später noch als Erwachsene, können sie durchaus „musikalisch“ werden. Ein Kind aber lernt noch spielerisch das Klavierspielen, viel leichter als ein Erwachsener, weil bei Kindern noch die Motorik viel besser funktioniert, sie denken einfach weniger drüber nach. Erwachsene sind im Kopf weiter, aber die Motorik hinkt hinterher.

Bist Du eine Diva?
Wenn damit Professionalität gemeint ist, ja. Die zickige Variante, die manchen Sängerinnen angeheftet wird, verstehe ich eher als PR-Gag.

Kann man reich werden als Sängerin?
Reich geworden bin ich nicht, aber ich kann gut von meinen Gagen leben. Anna Netrebko ist sicher reicher – dank Werbeverträgen. Ich habe halt nicht jene Faktoren im Angebot, auf die Werbeleute heute abfahren.

Ab wann ist man als Sängerin eigentlich alt – oder zu alt?
Das hängt nicht vom zahlenmäßigen Alter ab –eher davon, dass man als Sängerin irgendwann nicht mehr interessant ist, nicht mehr in Mode. Und natürlich, wenn irgendwann die Stimme weg ist. Man kann sich aber auch Madonna zum Vorbild nehmen, die sich seit Jahrzehnten immer wieder neu erfindet.

Der Klassikbetrieb wird oft totgesagt, wird immer mehr zur Geldfrage …
Musikkultur wird tatsächlich immer mehr an Geld gemessen, wird oft als Preisfrage gesehen, dabei gehören Kultur, Kunst und Musik seit Beginn der Menschheit zum Leben dazu. Es geht halt immer mehr ums Geld, das schlägt sich zum Beispiel auch in immer kürzeren Probezeiten nieder. Die Gagen werden weniger, Auftrittsmöglichkeiten für internationale Künstler brechen weg, ganz aktuell zum Beispiel im Zuge der Eurokrise in Spanien oder Italien.

Gibt es eigentlich Freundschaften unter Bühnenkollegen?
Don Giovanni an der New Yorker Met. Mitten in der Aufführung musste ich eine Schräge hoch, hab die Röcke gerafft, einer blieb unten, mein Fuß blieb hängen, ich bin vor 4000 Leuten auf die Fresse geknallt. Hinter der Bühne kam Rainer Trost zu mir, mein Tenor-Kollege aus dem Schwabenland: „Bisch okee?“ – „Noi“. Der Fuß wurde immer dicker, das Menuett konnte ich nicht mehr mit ihm tanzen. Nach dem ersten Akt ging’s in New York ins Krankenhaus, Bänderriss. Ich wollte heimfliegen, die Met wollte, dass ich eine Woche später bei der letzten Aufführung dabei bin, die wurde im Radio übertragen. Anna Netrebko hat mich während meines Krankenstandes im Appartement bekocht. Sie ist eine prima Kollegin. Und ich bin dann zum Finale singend mit einem koketten Schirmchen als Krückstock über die Bühne gehumpelt. – Als unlängst zwei Sängerkollegen aus Düsseldorf bei diesem schrecklichen Flugzeugabsturz in den französischen Alpen tödlich verunglückten, hatte ich auch das Gefühl, dass wir alle wieder ein bisschen enger zusammengerückt sind.

 

Melanie Dieners neuestes Projekt für Waiblingen ist die Internationale Opernwerkstatt, ins Leben gerufen zusammen mit Thomas Hampson und der Stadt Waiblingen.

Hier die Einzelheiten: https://www.internationale-opernwerkstatt-waiblingen.de/willkommen

Groß und Klein

Kleinere Bauarbeiten am Bädertörle Richtung Stadt.

Allerorten sind in der Waiblinger Innenstadt Bauarbeiten zu finden.

Kleine Kunstwerke bereichern die Stadt (mehr dazu hier)

und große Bagger gestalten künstliche Remsinseln.
Sie sind die ersten sichtbaren Boten der Gartenschau 2019.

Es gibt wahrlich viel zu entdecken!

Die erste Insel ist schon fertig, an der zweiten wird noch gebaggert.

Baubeginn in der Talaue

Jetzt wird’s ernst.
Die ca. 220 Pflöcke für die Bäume sind bereits gesetzt.
Das Bild entstand am 08.03.2017

Von den für die Kunstlichtung veranschlagten 540.000 Euro übernimmt übrigens die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung mindestens 300.000 Euro. Wen wundert es da noch, dass die Lichtung in Form des Grundrisses der Galerie Stihl Waiblingen gepflanzt wird?

Nachtrag:


Oh Schreck! Nichts ist ihnen heilig.
Die Kapelle für einen sterbenden Baum, die Helmut Stromsky 1995 im Zuge der Landeskunstwochen geschaffen hat, wurde heute im Rahmen der Baumaßnahmen für die Kunstlichtung entfernt. Auf Nachfrage beim Bauleiter der Firma Link mit Genehmigung der Stadt.

Die Stadtverwaltung spricht in ihrer Pressemitteilung vom Zahn der Zeit, der an dem Kunstwerk genagt habe. Die Standfestigkeit sei nicht mehr gegeben gewesen.

 

Dazu merkt Gerhard Kiunke aus Wailbingen an:

Sehr geehrter Herr Andreas Hesky

Kein guter Start für die unnötige Kunstlichtung.
Wieso kommt die Wahrheit nur auf Nachfrage und auch nur auf Nachfragen von Bürgern zutage? Und dann wieder nur scheibchenweise.
Es ist schon ein riesiger Unterschied, ob man lediglich sagt: „ die Standfestigkeit war nicht mehr gegeben“ oder „das Kunstwerk wurde bei den Bauarbeiten für die Kunstlichtung beschädigt, verlor dadurch seine Standfestigkeit und wurde beseitigt.

Wieso stellt man die Standfestigkeit nicht wieder her?
Wenn etwas beschädigt wird könnte derjenige auch dafür sorgen, dass es wieder in Ordnung gebracht wird.
Wer ist in diesem Fall verantwortlich?
Auch wenn Sie laut und deutlich betonen, dass dieses Naturkunstwerk nicht wegen der Kunstlichtung beseitigt wurde – ein Geschmäckle bleibt.

 

Wer braucht so ein pseudo-begrüntes Hochhaus?

Wenn schon ein Hochhaus auf der Korber Höhe, dann muss es ein begrüntes sein. So lautete der Beschluss, den die Mitglieder des Planungsausschusses des Waiblinger Gemeinderats im Januar 2016 einstimmig gefällt hatten. Der knapp 60 Meter hohe „grüne Daumen“, an dessen Fassaden Bäume, Sträucher, Stauden und Bodendecker wachsen und für ein gutes Mikroklima sowie Sonnenschutz sorgen, soll auf einem städtischen Grundstück im Wohngebiet Korber Höhe entstehen. Das 4700 Quadratmeter große Areal war vor vielen Jahren als Standort für einen Wohnturm vorgesehen worden – gebaut wurde bislang aber nichts.

Ende April hatte die Stadtverwaltung das Grundstück in regionalen und überregionalen Zeitungen ausgeschrieben, neun Bewerbungen waren eingegangen. Jetzt gab es Misstöne im Waiblinger Gemeinderat wegen des grünen Hochhauses: Dass die Verwaltung einen Investor zum Favoriten erklärt hatte, stieß manchen Räten sauer auf. Nun ist ein Zweitbewerber wieder im Rennen- und die Entscheidung erstmal vertagt. Anlass für Korber-Höhe-Bewohner Karl Hussinger, dazu grundsätzlich Stellung zu nehmen:

So ähnlich könnte der „grüne Daumen“ aussehen. Hier der Entwurf der Architekten Steinhoff/Haehnel mit der GSG Gruppe Stuttgart als Investor.

So ähnlich könnte der „grüne Daumen“ aussehen.
Hier der Entwurf der Architekten Steinhoff/Haehnel mit der GSG Gruppe Stuttgart als Investor.

 

Herr Kasper (CDU) hat recht mit seinen Bedenken bzgl. des „Grünen Hochhauses“. Ein solcher Bau ist mit hohen Risiken verbunden, und so ist es mehr als verständlich, von den Investoren Sicherheiten zu verlangen.
Schauen wir uns die Fakten an:
1. Die Korber Höhe gilt  in Waiblingen nicht als bevorzugtes Wohnviertel. Das sieht die Stadt wohl auch so – wie wäre es sonst zu erklären, dass der Grundstückspreis für den Investor  deutlich unter den Empfehlungen des Immobilienspiegel der KSK liegt?
 2. Die Lage des Hochhaus ist wahrlich „einzigartig“. Wer eine Nord/Ost Wohnung erwirbt, genießt einen wunderbaren Ausblick auf die nur wenige 100 Meter entfernten Hochspannungsleitungen und eine Bundesfernstraße. Macht er das Fenster auf, spürt er das Knistern der Leitungen und  genießt das Rauschen der B14. Der mittlere Quadratmeterpreis für den Wohnungskäufer wurde mit 5750€ benannt. Teure Aufzüge, aufwendige Haustechnik und Grün-Pflege werden die Nebenkosten sicher nicht günstig machen.
3. Aber auch für die Bürger Waiblinges gibt es Risiken – denn über die Umbaukosten des Heizkraftwerk soll erst noch mit dem potentiellen Investor gesprochen werden. Trotzdem zaubert der OB eine Zahl für den Umbau der Kamine aus dem Hut. 100.000€ soll dies kosten. Aber benötigt eine solche Kamin-Rohrverlegung, erst waagrecht, dann senkrecht, nicht auch noch ein Saugzuggebläse, Installationsräume und entsprechende Technik? Allein der Nettowohnflächenverlust über 19 Stockwerke würde den Investor mehr als 100.000€ „kosten“. Erfahrungsgemäß versuchen Investoren solche Kosten auf die Allgemeinheit – hier Stadtwerke und Verbraucher – abzuwälzen
Deshalb war es richtig, nicht nur mit einem Investor zu verhandeln. Wer aber braucht ein solch pseudo-begrüntes Hochhaus? Es ist weder ökonomisch noch ökologisch und schon gar nicht sozial. Es ist einfach nur unnötig.
Noch ein Wort zur SPD: Sie sollte in ihren alten Parteiprogrammen blättern, dort würde sie Begriffe wir „Gemeinnütziger Wohnungsbau“ finden. Vielleicht würde sie sich dann erinnern, wer ihre Stammwähler waren.
 
Karl Hussinger

 

Jesuslatschen als Unterwanderstiefel

Von Gise Benkert

Laudatio auf ein Geburtstagskind
Marktgespräche oder: Wie Frieder Bayer die Waiblinger Welt ein bisschen besser macht

Ein Mann hält Hof. Er sitzt auf dem Mäuerle vorm Marktdreieck, leicht vornübergebeugt. Das kommt von der Last auf den Schultern. Aber auch vom Schalk im Nacken. Er ist ein großer, stattlicher Mann in grobem Strick mit mächtigem Kinn und viel Haar ums Gesicht. Wenn jetzt der Regisseur von Oberammergau vorbeikäme, könnte der ihn vom Fleck weg engagieren. Nicht als Messias, so weit sind wir noch nicht. Aber als Mensch mit Passion.

Der Duden erklärt Passion als „leidenschaftliche Neigung zu etwas“. Dieser Mann will nicht mehr und nicht weniger als die Welt ein bisschen besser machen am Samstagmorgen auf dem Waiblinger Wochenmarkt. Ein Heilsbringer zwischen Hauswurz-Setzling und Hustenanfall. Predigen muss er zum Glück nicht, dafür ist er zu maulfaul. Aber die Leute kommen zu ihm und fragen. Allerlei zwischen Fassadenbegrünung, Schweizer Wohnbaugenossenschaften und dem nächsten Termin vom Streuobstmobil. Grad steht eine Frau da und will wisssen, welches Wurm-Mittel sie ihrem Esel auf Sardinien verabreichen soll. Marktgespräche mit Frieder Bayer.

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Das Wurmmittel hat er nicht gewusst, aber einen, der’s weiß. So gehen sie alle zufrieden von hinnen, froh, dass es so einen gibt. Frieder Bayer ist „authentisch“. Will heißen: Da lebt einer, was er schwätzt. Und das voller Lebenslust und knitzem Charme – erstmal gut versteckt hinterm Alltags-Waldschrat mit nackten Füßen und Schlafaugen auf Halbmast.

Frieder Bayer ist gelernter Landschaftsgärtner, hat Gartenbautechnik studiert, eine Ausbildung zum Waldpädagogen gemacht und lebenslang vom Kollektiv geträumt – „des isch end Hos ganga, i han gschafft ond andere hends verbraucht“.

Keimzelle aller Kollektive war mal seine Männer WG im Endersbacher Biegel. Die Mit-Bewohner Günne, Matte und Hardy schwärmen noch heute von den Schimmelpilzkulturen in der Küche. Und von Frieders „grüner Höhle“, einem dermaßen zugewachsenen Zimmer, „dass er sich morgens regelrecht rauskämpfen musste“. Mag auch damit zusammenhängen, dass das Kollektiv sich nächtelang dem „Risiko“-Spiel hingab. In der Früh „send die andere no ens Bett ond i end Schul“. Das konnte nicht gutgehen – „ich hab in der WG meine Fachhochschulreife verzockt“. Vollends, als ihm ein Lehrer bei der Matheprüfung indiskutable Fragen stellten. „Sie wissed doch genau, dass i des ned woiß“, hat er ihn beschieden. Klarer Fall von Leistungsverweigerung – und tschüss.

Die akademische Karriere war perdu, ned weiter schlimm. Dem grünen Zimmer entwachsen, sattelte er um von Flora auf Fauna: „Ich wollte Schäfer werden“. Er heuerte an auf dem Finkhof-Kollektiv im Allgäu, das war damals noch ziemlich romantisch, heute ist der Finkhof ein profitorientieres Unternehmen im gehobenen Biosegment. Und außerdem: „Da päppelt man die Viecher und dann frißt man sie.“ Bayer war bald wieder daheim im Remstal. Kollektiv-kuriert hat er geheiratet und wurde zum Privatunternehmer.

Vom Absatz der bescheiden übern Marktkistlesrand guckenden Sedum (vulgo Fetthennen) kann er natürlich nicht leben. Die sind eher Lockstoff für neue Gesamtkundschaft, Bayer pflegt diverse Gärten und Stückle, nur bei Försters in Schnait will er nicht mehr mähen: „Zu viele Hornissen“. Die machen ihm tierisch Angst, „des send Aasfresser“.

Seit 20 Jahren stehen Bayers Saatgüter und Setzlinge ganz beiläufig an der Seitenflanke vom Buch-Hess und meist steht er selber gar nicht dabei. Frieder Bayer ist ein Flaneur, man trifft ihn beim Staiger und beim Häußermann, da klopft er den aktuellen Geschäftsklimaindex ab, schließlich ist er Sprecher der Waiblinger Marktbeschicker und dass die just ihren vermeintlich größten Schweiger dazu gemacht haben, spricht Bände. Bei all seinem Öko-Absolutismus beherrscht er auch das pragmatische Dünnbrettbohren. Und Angst vor der Obrigkeit ist ihm so fremd wie, sagen wir mal, die Fußnagelschere.

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„Der kommt sowieso bloß uffda Markt zom Schwätza“, sagen sie ihm nach. Stimmt so nicht ganz- erst muss man ihn ansprechen. Was er denn vom grünen Ministerpräsidenten Kretschmann halte, fragt gerade ein Ehepaar. Bayer hält es mit Tucholsky: „Sie dachten, sie seien an der Macht, dabei sind sie bloß an der Regierung“. Das Paar blickt ratlos und schickt schnell die S-21-Frage hinterher. Langes Schweigen, und also spricht Frieder Bayer: „Das ist ein bisschen wie beim Neckar-Fils-Kanal“. Äh-ja … dessen Trasse, so geben wir jetzt mal im Zeitraffer wider, sei einst im 18. Jahrhundert geplant gewesen, sogar mit einem riesigen Schiffshebewerk. Erst Lothar Späth hat diese Trasse wieder aus dem Plan gestrichen – hundert Jahre war sie freigehalten worden. „So ist das mit Großprojekten, die sind längst vorbei und man hält unverdrossen an ihnen fest“. Klingt das resigniert? Nö, Bayer at it’s best: „Die baued halt jetzt, ob’s nachher funktioniert, wird man sehen“.

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1979 am Rhône-Strand in Saintes-Maries-de-la-mer. Ein paar junge Leute und die Frage: „Was welled mir em Läba?“ Jung-Frieders Credo: „Ich will dafür sorgen, dass die Gesellschaft sozial gerecht und im Ausgleich mit der Natur lebt“. 1984 hat er Brunnen gebaut für ein kleines Dorf in Nicaragua, 93 hat er im Bosnien-Krieg auf der Insel Brac bei Split Flüchtlingslager winterfest gemacht und mitgeschafft bei einem internationalen Projekt zur Kinderbetreuung in einer alten Disco. Das waren die einzigen Ausreißer aus dem Remstal lebenslang.

Daheim hat Frieder Bayer längst den Marsch durch die Institutionen angetreten. Ganz im Sinne von Gewerkschaftsboss Willy Bleicher: „Wer was ändern will, muss in Ämter gehen – aber immer schauen, dass die Ämter ihn nicht verändern“. Draus geworden ist ein Fall von Ämterhäufung, der seinesgleichen sucht. Gewählt, abgewählt, wiedergewählt oder auch nicht – kompromisslose Maximalforderungen versus diplomatische Geschmeidigkeit.

Aus der Bezirksjugendgruppe der Gewerkschaft Gartenbau- Land- und Forstwirtschaft wurde er rausgedrängt, „weil ich die Arbeiterselbstverwaltung gefordert hab statt der Mitbestimmung.“ Zusammen mit Martin Kuhnle, Susanne Fauth-Rank und Harald Beck („wir waren die Ifa“) hat er von Gmünd aus Mutlangen-Demos organisiert. „Bis die Cracks aus Frankfurt kamen mit Pressehütte und so“ und die einheimischen Handgestrickten professionell überrollten.

Bayer war mal Sprecher im Kreisverband der Jugendzentren, „aber wir wollten das alles politischer“. Beispiel Drogen: „Wir haben damals gefordert, was heute Sache ist: 60 Experten sind beim Kreisjugendring angesiedelt“. Aber damals „war das halt noch eher ein Reise- und Spaßunternehmen“. Einen Tag vor der Bundestagswahl 1983 ist er bei den Grünen eingetreten, „ich wurde immer abgewählt im Kreisvorstand und nach einem halben Jahr wieder reingewählt“. Streitpunkt unter anderem: Bedürfnislohn oder Bedarfslohn. Im Protokoll stand „Vorstand: fünf Mitglieder und Frieder Bayer“.

Talauenbeweidung mit Hinterwäldlern, Jugendfarm auf dem Finkenberg, das Züchten weißer Tomaten und blauer Kartoffeln im Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt: Wo’s kreucht und fleucht und grünt in der Stadt hat Bayer seitdem Herz und Finger drin.

„Zauselbart mischt IHK auf“ hat unlängst eine Zeitung getitelt. Wider die gut vernetzten Strippenzieher aus der Großwirtschaft sitzt neuerdings auch ein Landschaftsgärtner in Birkenstöckern neben den Bossen von Kärcher und Stihl.

Jesuslatschen als Unterwanderstiefel: Ein Pro S-21-Werbebanner an der Fassade des Stuttgart-Sitzes der Industrie- und Handelskammer, dazu im Serviceangebot eine Schulung für Geschäftsführer „Wie verlagere ich meine Firma effektiv ins Ausland“ – das war zuviel. Ein paar kleine Wutunternehmer haben sich zur „Kaktusgruppe“ zusammengestupft. Für die anderen, die Großen und Etablierten, waren sie bloß eine Handvoll Bürger mit Gewerbeschein. Jetzt sitzen sie, handstreichartig reingewählt, mit drin in der Bezirksversammlung und stellen freche Anträge. Zum Beispiel den nach öffentlichen Sitzungen. Wir nehmen, sagen sie treuherzig, „bloß unser demokratisches Recht wahr“. Bayer glucksend: „I fend’s halt luschdig“.

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Nicht immer vergnügungssteuerpflichtig: Frieder Bayers Ehrenamt als Gemeinderat der Grünen. Er hat für die Bebauung des Wasens gestimmt und damit fürs Fällen der uralten Baumriesen, „das kratzt mich immer noch“. Gruppendruck? Zuviel kommunalpolitischer Pragmatismus? Sein Kopf geht zur Seite, verschwindet fast zwischen den Schultern. Das Schweigen dauert. „Ich frage mich schon, wo ich manchmal mehr erreicht habe, hintenrum oder offiziell.“ Schweigen, lange. „Oifach isch des ned“. Immer alles nach drei grünen Kern-Kritereien abzuklopfen: „Umweltschutz, Soziales, Wirtschaftlichkeitsfaktor – Nachhaltigkeit eben.“ Und die ist dehnbar in viele Größen. Bayer nennt ein Beispiel: Parkdeck bauen oder lieber eine Biogas-Mais-Monokultur anlegen? Auf den ersten Blick vielleicht ein klarer Fall- auf den zweiten mitnichten: Stichwort Artenvielfalt – „um das Parkhaus kann sich was entwickeln, beim Mais ned“.

Und nun, Herr Bayer? Haben die Ämter ihn verändert? Er drückt seine Zigarette aus im Marktkistle zwischen Sedum und Sempervivum. „Es hat sich sehr viel bei mir verändert. Wir sind alle älter geworden und angepasster. Aber heute werde ich von den Leuten angesprochen und ernst genommen“.

Dieser Artikel von Gise Benkert ist 2013 in der ersten Waiblinger Wundertüte (ISBN 978-3-938812-20-4) erschienen. Das Buch gibt’s in jedem Buchladen oder direkt hier

dsc_0318Frieder Bayer feiert am Wochenende seinen 60. Geburtstag.
Wir gratulieren (mit Sonnenblumen – passend zum Parteibuch) aufs Allerherzlichste!!!

Kunstlichtungswahnsinn

27.09.2016, Iris Förster

Die für die Gartenschau 2019 angedachte Kunstlichtung entpuppt sich immer wieder als riesengroßes Ärgernis. Die Ideen der Planer haben wenig mit der Realität und natürlichem Baumwuchs zu tun. Im Gegenteil: Es geht darum, mitten auf einer freien Wiese Bäume zu pflanzen, um eine Lichtung zu erzeugen. Schilda liegt offensichtlich ganz nah bei Waiblingen.

Bruno Lorinser vom NABU Waiblingen verdeutlicht auf einer Zusammenstellung, was es heißt, 225 Silberweiden auf die vorhandene Fläche zu verteilen.

plan-1Die im Plan hellgrün markierte Fläche
steht für die Kunstlichtung theoretisch zur Verfügung.
Sie umfasst ohne die Streuobstbäume,
die auf die ehemalige Remsschlinge gepflanzt wurden,
eine Fläche von 2,86 ha.

 

 

Nach den Ideen der Gartenschau-Planer wird die Wiese mit Bäumen bepflanzt, in deren Mitte eine Lichtung entsteht, die für kulturelle Events genutzt werden kann.

plan-2plan-3

 

Zur Pflanzung vorgesehen sind hier Silberweiden.
Allerdings nicht in ihrer natürlichen buschigen Wuchsform sondern als Hochstammbäume mit hohem pflegerischen Aufwand.

Das Ergebnis sieht dann im Plan so aus:

plan-4

Allerdings hat eine ausgewachsene Silberweide einen Durchmesser von 14-15 m, das macht einen Flächenbedarf pro Baum von 153 m² (abgerundet).

Bei 225 Bäumen bräuchte man also mindestens eine Fläche von 3,44 ha. Das unten stehende Bild verdeutlicht dies.
Wir bekommen also in den folgenden Jahren keinesfalls einen lichtdurchfluteten Baumring, wie die oben stehende Skizze glauben machen will, sondern einen dichten Wald anstelle einer schönen weiten Wiese.

plan-5

Fazit: Die Ideen der Gartenschauplaner liegen fernab jeglicher Realität und erfordern zudem in den Folgejahren einen hohen pflegerischen Aufwand.

Ich frage mich: Ist dieser Wahnsinn noch zu stoppen? Eine Möglichkeit dazu bietet immerhin die Online-Petition, zu der dieser Link führt:

https://weact.campact.de/petitions/unsinnige-remstalgartenschau-ideen-der-stadt-waiblingen-stoppen